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Händler rechnen mit den Nachbarn

Verkäuferin Christine Brose begrüßt die geschätzten polnischen Kunden bei Sport-Neumann in ihrer Landessprache.
Verkäuferin Christine Brose begrüßt die geschätzten polnischen Kunden bei Sport-Neumann in ihrer Landessprache. FOTO: Bernhard Schulz
Guben/Gubin. Polnische Kunden gehören immer mehr zum täglichen Bild in Gubens Geschäften. Sie schätzen Angebot und Qualität. Damit die Kasse noch mehr klingelt, rät die IHK den Händlern der Neißestadt zum noch gezielteren Bemühen um den Nachbarn. Bernhard Schulz

"Serdecznie Witamy" steht auf der Eingangstür des Sporthauses Neumann. Das Gubener Fachgeschäft in unmittelbarer Nähe zur Grenzbrücke heißt seine polnischen Kunden in der Landessprache willkommen. "Wir schätzen die Kundschaft von der andern Seite sehr", erklärt Verkäuferin Christine Brose. Die Gubiner machen einen wichtigen Teil des Umsatzes aus. Brose fragt daher auf Polnisch nach der Größe und verabschiedet sie mit einem "Do widzenia". Eine polnischsprachige Kollegin wurde extra zur besseren Kundenpflege eingestellt.

Ein Umstand, für den Katrin Erb nicht nur im Sinne einer Willkommenskultur lobende Worte findet: "Wir wissen von den Unternehmen, dass sich der Anteil der polnischen Kundschaft sehr schnell und sehr deutlich erhöht hat, nachdem sie die polnische Sprachkompetenz in ihren Geschäften verstärkt haben", sagt die Leiterin vom Fachbereich Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Auch über einen mehrsprachigen Internetauftritt sollten Gubener Unternehmen bei der kaufkräftigen Kundengruppe im Nachbarland auf sich aufmerksam machen, empfiehlt Erb.

Eine Anregung, die auch im Bekleidungsgeschäft "Parzival" am Dreieck Gehör findet. "Wir haben über die Jahre etliche Stammkunden aus Gubin hinzugewonnen", sagt Verkäuferin Cornelia Groch. Die Kollektion werde allerdings nicht am polnischen Modegeschmack ausgerichtet, sondern besteht aus festen Marken. "Unsere Jeans oder Blusen sind bei den Polen gefragt - auch wenn wir sie dort nicht extra bewerben", sagt sie.

Dass viele polnische Gäste das Angebot der Gubener Händler zu schätzen wissen, belegt die kürzlich vorgelegte IHK-Studie "Wohin der Zloty fließt" (siehe Grafik). Darin wurde erstmals das Konsumverhalten polnischer Gäste in der Grenzregion detailliert analysiert. "Die spezielle Auswertung für Guben zeigt, dass hier der tägliche Besuch in der deutschen Stadt im Fokus steht", erklärt Erb. Etwa ein Drittel der Befragten kommt täglich auf die deutsche Seite und lässt im Schnitt bis zu 50 Euro da. Gekauft werden hauptsächlich Lebensmittel, Drogerieartikel, Bekleidung oder Schuhe. "Sehr geschätzt werden die hochwertigen Waren sowie die Importprodukte im Spirituosenbereich und bei Kosmetika. Ein Renner ist das deutsche Bier", sagt Erb.

Das kann Andreas Purz vom gleichnamigen Getränkehandel nur teilweise bestätigen: "Bei uns kommen polnische Kunden nur sporadisch einkaufen. Wenn, dann aber hochpreisige deutsche Biersorten." In Werbung auf der Nachbarseite zu investieren, davon verspricht er sich nicht viel.

Polnisches Klientel strömt indes täglich ins Neiße-Center an der Karl-Marx-Straße. "Bei uns kaufen sie häufig teure Parfüms und Kosmetika aller Art", bestätigt Rossmann-Filialchefin Petra Schierz. Eine polnischsprachige Kollegin hilft bei Nachfragen.

Als Grund dafür, warum auch im benachbarten K+K Schuhcenter der polnische Besucherstrom zuletzt wieder zugenommen hat, nennt Angestellte Veronika Kerger die Mehrwertsteuer. Die liegt in Polen bei 23 Prozent und sorgt damit für einen Preisvorteil in deutschen Läden. Kerger und ihre Kollegen verkaufen öfter hochwertige Markenschuhe an Gubiner, sagt sie. "Genügend Kundschaft ist immer wichtig - egal woher sie kommt."