| 02:34 Uhr

Hände überwinden Sprachbarrieren

Die Wanderausstellung soll von Guben über Gubin unter anderem nach Brody, Lubsko und Krosno Odrzanskie gehen.
Die Wanderausstellung soll von Guben über Gubin unter anderem nach Brody, Lubsko und Krosno Odrzanskie gehen. FOTO: zar1
Guben. Der Verein Gubener Tuche und Chemiefasern will in diesem Jahr die Leistungen der Frauen im einstigen Chemiefaserwerk Guben (CFG) mit einer Wanderausstellung würdigen. Vor allem an die Arbeit der polnischen Frauen, die 1966 begannen, im Werk zu arbeiten, soll darin erinnert werden. Jana Pozar / zar1

Innerhalb der 26. Brandenburgischen Frauenwoche hat der Verein anlässlich des Pendlerabkommens zwischen der damaligen DDR und der Volksrepublik Polen einen ersten Einblick in die Exponate gegeben. Sie haben in der Dauerausstellung des Verein in den Räumen am Wilke-Platz längst einen Platz gefunden. "Noch steckt die Ausstellung in den Anfängen", erzählt Diethelm Pagel vom Verein Gubener Tuche und Chemiefasern. Es sei nicht leicht, allein so eine besondere Ausstellung zu stemmen. Deshalb haben sich die Mitglieder auch den Frauenverein Nysa und den Verein Freunde des Gubiner Landes mit ins Boot geholt. "Wir haben auch einen Antrag bei der EU auf Förderung gestellt", sagt Pagel. Das Thema entspreche den Richtlinien der europäischen Förderung.

Ob die Vereine allerdings finanzielle Unterstützung bekommen werden, ist noch völlig unklar. Die Wanderausstellung soll von Guben über Gubin unter anderem nach Brody, Lubsko und Krosno Odrzanskie gehen. "Von dort kamen die meisten der ersten polnischen Frauen, die im CFG ihre Arbeit begannen", erklärt Diethelm Pagel. Viele der Frauen seien heute weit über 70 Jahre alt, könnten den Weg nach Guben nicht mehr gehen. "Deshalb ist es wichtig, dass wir mit unserer Ausstellung zu ihnen kommen und ihre Arbeit würdigen", betont der Vereinsvorsitzende. Fotos und Dokumente werden den Hauptinhalt der Ausstellung ausmachen.

Ein kurzer Film, zusammengestellt aus Fragmenten von Sendungen des einstigen Fernsehens der DDR, gab einen Einblick in den Arbeitsalltag, in die Emotionen der polnischen Frauen im deutschen CFG. "Und dann zeige ich es mit meinen Händen" - denn die größte Hürde damals war die Sprachbarriere. Trotzdem haben es viele Frauen geschafft, "ihren Meister zu machen". Es entstanden Freundschaften, die weit über die Arbeit hinausreichten. "Und polnische Frauen heirateten deutsche Männer", sagt Diethelm Pagel.

Aleksandra Poraszka vom Verein der Freunde des Gubiner Landes weiß, dass schon damals der Grundstein für die Eurostadt gelegt wurde. "Die deutsch-polnische Zusammenarbeit begann nicht erst im Jahr 1990, sondern schon im Jahr 1966", betont sie. Im Jahr 1965 wurde in Anlehnung an das staatliche Programm zur Aktivierung der Grenzkreise in der Woiwodschaft Zielona Gora ein Abkommen über die Zusammenarbeit mit den grenznahen Kreisen der DDR geschlossen: das Pendlerabkommen. Der Vertrag auf der Bezirksebene Zielona Gora - Cottbus für das CFG wurde am 22. Januar 1966 abgeschlossen. Etwa zwei Monate später, am 16. März 1966, kamen die ersten 110 polnischen Arbeiterinnen als Pendler in die damalige Wilhelm-Pieck-Stadt Guben. Später stieg die Zahl der polnischen Arbeiterinnen auf 856.

Am 18. April wird die Zusammenarbeit auf historischem Gelände gefeiert. Dann werden deutsche und polnische Arbeiterinnen sowie Zeitzeugen bei Trevira an der Forster Straße über ihre Erlebnisse sprechen.