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Guwo will vier Wohnblocks abreißen

Wunderschön im Grünen liegt der Wohnblock in der Leonhard-Frank-Straße 31 bis 39. Dieser soll wie drei weitere Guwo-Häuser in der Nähe Ende 2018/Anfang 2019 abgerissen werden.
Wunderschön im Grünen liegt der Wohnblock in der Leonhard-Frank-Straße 31 bis 39. Dieser soll wie drei weitere Guwo-Häuser in der Nähe Ende 2018/Anfang 2019 abgerissen werden. FOTO: S. Halpick
Guben. Der Gubener Bernd Warmuth ist schockiert: Er soll aus seiner Wohnung in der Leonhard-Frank-Straße ausziehen. Rund 90 Mieter in vier Wohnblocks hat die Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) jetzt darüber informiert, dass die Häuser Ende 2018/Anfang 2019 abgerissen werden sollen. Silke Halpick

"Die Wohngegend ist attraktiv", sagt Bernd Warmuth. Der Rentner lebt seit 1970 in seiner Zweieinhalb-Raum-Wohnung in der Leonhard-Frank-Straße. Drei Jahre zuvor wurde der Neubaublock vom Typ Lübbenau gebaut. Hier sind seine beiden Kinder groß geworden. Hier wohnt er noch immer mit seiner Frau. "Das Umfeld ist schön, wir sind nah an der Natur und dem Wald", sagt er.

Mit dem Schreiben der Guwo zerbrach jedoch die Idylle an Gubens Stadtrand. Das städtische Unternehmen hatte rund 90 Mieter informiert, dass die Wohnungen, in denen sie leben, abgerissen werden sollen. Verwiesen wird auf den hohen Leerstand sowie das Stadtumbaukonzept.

Wirklich überrascht von der Ankündigung ist auch Bernd Warmuth nicht. Allerdings kann er die Gründe für den Abriss nicht nachvollziehen. Seiner Ansicht nach ist der hohe Leerstand in den Wohnblocks einzig und allein der Guwo-Mietpolitik zuzuschreiben. "Schon seit Jahren durften hier keine neuen Mieter mehr einziehen", kritisiert er. Er verweist auf die Häuser nebenan, die der Gubener Wohnungsgenossenschaft (GWG) gehören. Hier sind kaum leere Wohnungen. Diese Blocks sollen auch nicht abgerissen werden.

Warum müssen die Guwo-Häuser weg? "Die Stadt Guben verliert nach wie vor deutlich Einwohner, daran konnte auch der Zuzug von Flüchtlingen im vergangenen Jahr nichts ändern. Einwohnerrückgang und steigender Wohnungsleerstand bedingen sich gegenseitig und erfordern daher Gegenmaßnahmen", sagt Guwo-Geschäftsführer Martin Reiher. Aus diesem Grund plant nun Gubens größter Vermieter für 2018/19 den Abriss von vier Wohngebäuden entlang der Leonhard-Frank-Straße.

"Die Mieter wurden frühzeitig über die geplanten Maßnahmen informiert, damit sie sich langfristig auf die Freilenkung und den Umzug einstellen können", sagt Reiher. Seinen Angaben zufolge werden den Mietern aktuell Ersatzwohnungen angeboten. "Dabei geht die Guwo selbstverständlich auf die individuellen Wünsche der Mieter ein", betont er. Mit rund der Hälfte der Betroffenen sei das Unternehmen bereits im Gespräch, zehn neue Mietverträge wurden bereits unterzeichnet.

Doch nicht alle wollen sich mit diesem Schicksal abfinden. Ein Brief mit einer Unterschriftenliste von 24 Betroffenen ist jetzt an Kerstin Nedoma als Vorsitzende der Gubener Stadtverordnetenversammlung geschickt worden. Darin werden die Abgeordneten um Hilfe gebeten, dieses "unsinnige Vorhaben" zu verhindern. Wenn das Schreiben wie eine Petition behandelt wird, muss sich demnächst der Hauptausschuss mit der Thematik beschäftigen.

Informiert über das Schreiben ist auch der amtierende Bürgermeister Fred Mahro. Er will sich eigenen Angaben zufolge heute mit den beiden Guwo-Geschäftsführern über das geplante Abrissvorhaben verständigen. Im Anschluss daran werden die Adressaten auch eine Antwort von ihm bekommen, verspricht er.

"Wir wissen, dass wir unseren Mietern mit dem Umzug in eine Ersatzwohnung einen großen Einschnitt zumuten", räumt Guwo-Chef Reiher ein. Doch leider sei dieser Schritt notwendig, betont er. Den Betroffenen bietet das Unternehmen eine Reihe von finanziellen Anreizen wie die Übernahme der Umzugskosten sowie die Garantie der bisherigen Miete bei ausstattungsgleicher Ersatzwohnung an.

Zum Thema:
Rund 1000 Wohnungen stehen nach Angaben der Stadtverwaltung in Guben aktuell leer. Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2030 rund 3000 Wohnungen betroffen sein. Besonders schwierig ist die Situation in den Wohnkomplexen (WK) II und IV. Das WK II, zu dem die Leonhard-Frank-Straße gehört, wird voraussichtlich bis 2030 rund 1250 Einwohner verlieren. Der Rückbaubedarf beläuft sich laut aktueller Stadtumbaustrategie auf rund 1200 Wohneinheiten.