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| 17:51 Uhr

Aus dem Landgericht
Gutachter bescheinigt psychische Erkrankung

Der Angeklagte Toni W. (r.) im Prozess um den Totschlag an seiner Mutter. Der psychologische Gutachter hat ihm eine paranoide Schizophrenie bescheinigt.
Der Angeklagte Toni W. (r.) im Prozess um den Totschlag an seiner Mutter. Der psychologische Gutachter hat ihm eine paranoide Schizophrenie bescheinigt. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Cottbus/Guben. Im Sicherungsverfahren gegen einen 42-jährigen Gubener haben die Sachverständigen ausgesagt. Von Daniel Friedrich

Über das teils auffällige, für sie unerklärliche Verhalten von Toni W.* hatten an den zurückliegenden Verhandlungstagen bereits mehrere Zeugen berichtet. Nun unterstreicht auch die Einschätzung des Psychologen Jürgen Rimpel vor dem Cottbuser Landgericht diese Beobachtungen – und damit die Annahme der Staatsanwaltschaft: Demnach leide der Beschuldigte Toni W. unter einer psychischen Erkrankung, einer paranoiden Schizophrenie. Die Symptome, die sich sowohl bei der aktuellen Untersuchung zeigten, als sie auch schon in einem früheren Gutachten beschrieben wurden, seien typisch für eine Psychose. „Der Beschuldigte hat sich über mehrere Jahre hinweg ein Wahngebäude aus tatsächlichen Begebenheiten, kombiniert mit Fantasiezusammenhängen, aufgebaut. Dieses Gebilde führte immer stärker zum Verlust des realistischen Lebensbezugs“, sagte Rimpel in dem Verfahren.

Vorfälle aus dem Jahr 2005 wiesen bereits auf erste Symptome der Erkrankung hin. 2015 wurde er wegen eines tätlichen Angriffs auf seine Mutter erstmals psychologisch untersucht und anschließend auf Medikamente eingestellt. Diese setzte er später von selbst ab. In der Familie gab es die Angst vor weiteren Zwischenfällen dieser Art, weshalb sich die Mutter Beratung suchte. Zuletzt sah sich Toni W. vermehrt von seinem Umfeld verfolgt und bedroht: Unbekannte würden versuchen, ihn zu verstrahlen und zu vergiften, Geheimdienste wollten ihn manipulieren, Banken hätten sich abgesprochen, ihm wichtige Kredite zu verweigern.

Hinzu kämen, wohl unabhängig von seiner Psychose, narzisstische Persönlichkeitszüge. Sie äußerten sich darin, dass Toni W. sich zu Höherem berufen sehe. So versuchte er jahrelang vergeblich, sich selbständig zu machen und meinte, horrende Mietsummen ohne verlässliche Einnahmen zahlen zu können. „Der Beschuldigte hat eine hochtrabende Vorstellung von sich, aber bringt keine Leistung“, so Jürgen Rimpel.

Am Tattag habe Toni W. plötzlich das Gefühl bekommen, auch seine Mutter habe sich gegen ihn gewendet und versuche, ihn in ihre Gewalt zu bringen. Aus vermeintlicher Notwehr habe er sie zunächst handlungsunfähig gewürgt, „und dann zur Sicherheit den Hals aufgeschnitten, damit sie wirklich tot ist“, schätzt Gutachter Rimpel ein. Die Tragweite seiner Tat habe er erst Tage später erfasst.

Derzeit befindet sich der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus. Er zeige die Einsicht in eine Behandlung, sagte sein Arzt aus. Während der Tat allerdings, so Gutachter Jürgen Rimpel, sei von einer fehlenden Einsichts- und Steuerungsfähigkeit, mithin von einer Schuldunfähigkeit auszugehen. Er schätzt ein, dass Toni W. auch künftig eine Gefahr darstelle, weil seine Wahngedanken nicht vorüber seien. „Insofern ist das eine ungünstige Prognose. Der Beschuldigte wird die Krankheit ein Leben lang behalten. Ziel ist es, ihn durch Medikamente irgendwann symptomfrei zu bekommen.“

Toni W. wird beschuldigt, im August 2017 seine 66-jährige Mutter getötet zu haben. Am 7. Mai, dem nächsten Verhandlungstag, werden die Plädoyers verlesen.

*Name von der Redaktion geändert