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| 14:19 Uhr

Ein Stück des Denkmals gerettet
Glockenturm in neuem Glanz

Mit schwerer Technik ist der neue Glockenturm auf das Torhaus in Lübbinchen gesetzt worden. Gefragt war hier Milimeterarbeit.
Mit schwerer Technik ist der neue Glockenturm auf das Torhaus in Lübbinchen gesetzt worden. Gefragt war hier Milimeterarbeit. FOTO: Ute Richter
Lübbinchen. Für den Restaurator Jens-Ulrich Schmidt war die Arbeit an der historischen Konstruktion in Lübbinchen etwas ganz Besonderes. Von Ute Richter

Einen neuen Glockenturm hat jetzt das Torhaus in Lübbinchen in der Gemeinde Schenkendöbern. Mit schwerem Gerät wurde das 1,87 mal 1,87 Meter große Bauwerk in die Mitte des Daches gehoben. Das Torhaus ist Teil des ehemaligen Gutshofes, der Ende des 17. Jahrhunderts errichtet wurde.

Im Buch „Lübbinchen und seine Dorfpoetin“ von 2009 hat Autor Hartmut Schatte geschrieben, dass „nach Georg Dehio das alte Gutshaus wohl im späten 17. Jahrhundert errichtet wurde“. Es gab immer wechselnde Gutsbesitzer, gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude erweitert. 1994 kaufte das Anwesen die Familie Staudinger aus Bayern,die kurz nach der Wende das erste Mal in Lübbinchen war und sich sofort in das Anwesen verliebt hat. Nach dem Kauf veranlassten sie unterschiedliche Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten. Als Auflage der Denkmalschutzbehörde wurde nun auch der Glockenturm des Torhauses restauriert.

1805 wurde der aus Holz bestehende Turm gebaut. Davon zeugen Schriftzeichen an den alten Balken. Restauriert hat den Glockenturm Jens-Ulrich Schmidt aus Bärenklau. Er ist Restaurator im Zimmererhandwerk und hat 2001 seine Abschlussarbeit über genau diesen Glockenturm geschrieben. Schon damals fesselte den Bärenklauer die Geschichte des Turmes. Deshalb war es für ihn auch so spannend, an diesem Turm selbst Hand anlegen zu dürfen.

„Das Alte mit dem Neuen zu vereinen war die besondere Herausforderung. Wir wollten so viel wie möglich des alten Holzes erhalten, denn dieser alte Turm hat schon Napoleon gesehen“, erzählt Schmidt. Millimeterarbeit mit großer Technik – das war das Aufsetzen.

Bei bestehender Kuppel wurde die Turmkonstruktion auf dem Grundstück der Firma in Bärenklau restauriert. „Es war erhaben, an diesem antiken Bauwerk zu arbeiten, immer die Glocke über uns. Das war schon etwas ganz Besonderes“, erzählt Schmidt. Von Ehrfurcht spricht er von dieser anspruchsvollen Arbeit. „Wenn man noch Bleistiftanrisse von vor weit über 100 Jahren sieht, bekommt man echt Gänsehaut“, sagt er. Dies Achtung steigt umso mehr, wenn er  an noch älteren Konstruktionen arbeitet. Im 17. Jahrhundert sei noch das Holz mit Holznägeln verbunden worden. Heute werden dafür Schrauben benutzt. „Und wenn man bedenkt, dass früher alles mit dem Beil bearbeitet wurde, ist das aus unserer Sicht eine Wahnsinnsarbeit, was die Zimmerer damals geschaffen haben.“

Die kupferfarbene Kuppel erstrahlt nun wieder auf dem Dach des Torhauses. Die Firma Hoffmann & Menzel aus Guben hat diese Arbeiten übernommen – und da ihre Mitarbeiter gerade neue Dachrinnen an den umliegenden Gebäuden anbringen, ließen sie es sich nicht nehmen, die Montage der Turmkonstruktion zu verfolgen.

Ortsvorsteherin Gisela Kieschke freut sich sehr, dass dieses Schmuckstück nun weit über das Dorf hinausragt. Sie erzählt, dass auf dem Gutshof nach 1945 Siedler gewohnt haben und nach der Wende sich dort die LPG befand. Das Schloss selbst diente einst als Agrarschule und später als Lehrlingswohnheim. Außerdem befanden sich dort ein Kindergarten und das Gemeindebüro. Auch Lübbinchener wohnten zeitweise dort. Heute dient der Saal im ehemaligen Gutshaus als Veranstaltungsraum für Dorffeiern.

Im September bekommt der Glockenturm auf der Spitze  einen neuen Wetterhahn und auch eine Uhr wird an diesem neuen Schmuckstück wieder angebracht.

Restaurator Jens-Ulrich Schmidt hat auch in der Gubener Mittelstraße 6 den Fachwerkgiebel restauriert. Auch dort kommt die volle Schönheit, die einstige Handwerker geschaffen haben, jetzt neu zur Geltung. „Es ist schön, dass solche Arbeiten durch die Restauration  weiter erhalten bleiben“, sagt er. Vergleichbares gebe es heute nicht mehr oft.