ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:16 Uhr

Der Mann mit dem schwarzen Hut
Günter Guben feiert seinen 80. Geburtstag

Günter Guben heißt eigentlich Günter Hoffmann.
Günter Guben heißt eigentlich Günter Hoffmann. FOTO: Ania Atlas
Guben. Der Sprachspieler hat sich nach seiner Geburtsstadt benannt. Auch wenn er diese als Kind verließ, so hat er noch eine lebhafte Erinnerung an Guben.

Der Künstler Günter Guben feiert am Donnerstag seinen 80. Geburtstag und ist lebensfroh und humorvoll wie je. Lyriker und Erzähler, Maler und Fotograf, Regisseur und Moderator – die künstlerischen Tätigkeiten Günter Gubens ließen sich noch um weitere Bereiche vermehren. So war er von 1966 bis 1969 Redakteur der von Horst Bingel herausgegebenen legendären „Streit-Zeit-Schrift“, hat sechs Jahre lang bis 2010 das Schriftstellerhaus in Stuttgart geleitet und ganz nebenbei zwei kleine Literaturverlage betrieben. Auf vielen Feldern ist Guben tätig gewesen und trat dabei von Anfang an als der lustvolle homo ludens auf, der er von Natur aus ist.

Günter Guben wurde zwar in der Neißestadt geboren, heißt aber eigentlich Günter Hoffmann. „Vor 40 Jahren hab ich im Landgericht Düsseldorf aber meinen Nachnamen in Günter Hoffmann-Guben abändern lassen“, erklärt der Künstler. „Hoffmanns gibt es Hunderte in einer Stadt und Günter Guben hat einen tollen Klang auf dem Buchdeckel.“  Erinnerungen an seine Kindheit in Guben hat der Künstler nur wenige. „Mit vier Jahren bin ich kriegsbedingt mit meinen Eltern nach Hamburg gezogen“, erzählt der Schriftsteller. An ein Erlebnis konnte er sich nach einem Besuch in Guben vor fünf Jahren plötzlich aber wieder lebhaft erinnern. „Ich bin als Kind einmal meinem polnischem Kindermädchen abgehauen und dann in den Fluss gefallen“, erzählt der 80-Jährige. „Zum Glück wurde ich von einem großen Dobermann gerettet.“ Ohne das Eingreifen des Hundes wäre der Künstler wohl nicht mehr am Leben: „Mein Kindermädchen konnte nicht schwimmen.“  

Wenn Günter Guben öffentlich in Erscheinung tritt, etwa bei Lesungen, Vernissagen oder Gesprächsrunden, trägt er einen breitrandigen schwarzen Hut, gewissermaßen sein Erkennungszeichen. Man hat ihn als „Urgestein der Stuttgarter Literaturszene“ bezeichnet und seine ebenso souveräne wie heitere Weise gerühmt, wenn er Veranstaltungen unterhaltsam moderiert und sich dabei nicht auf Kosten seiner Gäste in Szene setzt. Guben ist ein nimmermüder Erzähler von Geschichten und Geschichtchen aus dem Kulturbetrieb, hat im Laufe der Jahrzehnte viele der Größen kennengelernt und mit ihnen  zusammen agiert, so etwa mit Thomas Bayrle, Jochen Gerz oder Dieter Roth. Er ist mithin ein Zeitzeuge eigener Art, weil er – wie nur wenige andere – in allen Kunstsparten ungewöhnlich gut bewandert ist.    

Hauptberuflich war Guben von 1970 bis 2003 als Regisseur im Kulturbereich beim Hörfunk des Südwestfunks in Stuttgart tätig. Er hat in dieser Zeit mit vielen bedeutenden Autoren und Schauspielern zusammengearbeitet und selbst zwölf Hörspiele, dazu Features und andere Radiotexte verfasst. Seine diversen Buchpublikationen setzten 1969 mit dem experimentellen Collagetext „Auf ein Blatt & Eine Spielanleitung“ ein, der im Frankfurter Euphorion-Verlag erschien. Sein jüngster Band „Verfügung der Dinge“ kam 2016 in der Edition Hammer und Veilchen heraus und versammelt 75 Gedichte aus dem Zeitraum 1970 bis 2015.