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| 15:38 Uhr

Zusammenwachsen an der Grenze
Von Kirche zu Begegnungsstätte

 Beeindruckt sind viele Tourteilnehmer von der Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche.
Beeindruckt sind viele Tourteilnehmer von der Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche. FOTO: Halpick
Guben. Was der Auftritt von Zbrucz in Guben mit der Stadt- und Hauptkirche zu tun hat. Von Daniel Schauff

Sie sorgt für staunende Blicke bei Besuchern der Doppelstadt. Die Stadt- und Hauptkirche ist eine Attraktion, auch wenn die erhoffte Sanierung auf sich warten lässt. Das Ziel, das die Förderer der Maßnahme aber verfolgen, ist klar: Aus der ehemaligen Kirche soll eine Begegnungsstätte für Deutsche und Polen werden. Wo könnte eine solche Stätte schließlich besser verortet sein als an der Grenze zwischen den beiden Städten Guben und Gubin.

Günter Quiel gehört zu den fleißigsten Förderern des Wiederaufbaus der Stadt- und Hauptkirche. Am Dienstag (18 Uhr) wollen er und sein Förderverein einen kleinen Schritt in Richtung Begegnungsstätte gehen. In der Alten Färberei tritt die Tanz- und Gesangsgruppe Zubrucz auf.

Die 30-köpfige Truppe kommt allerdings weder aus Deutschland noch aus Polen. Das Ensemble reist aus Tarnopol, einer 220 000 Einwohner großen Stadt im Westen der Ukraine an. „Solche Veranstaltungen sollen in Zukunft auch in der Stadt- und Hauptkirche stattfinden“, sagt Quiel und erklärt, warum ausgerechnet eine ukrainische Truppe in Guben auftritt, wenn es doch um die Verständigung Deutscher und Polen geht.

Die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine waren historisch schlecht, der Weg zur Versöhnung schwieriger als der Weg, den Polen und Deutsche gehen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten zahlreiche Deutsche, Juden und Polen in und um Tarnopol und in der Oblast Ternopil. Am 1. September dieses Jahres hatten, organisiert vom Förderverein für den Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, Deutsche und Polen gemeinsam das erste „Fest der Versöhnung“ gefeiert. Eigentlich sollte damals schon die ukrainische Truppe auftreten, aus Termingründen allerdings hatte das nicht geklappt.

Am Dienstag nun wird der Auftritt in der Alten Färberei nachgeholt. Der Eintritt ist frei, betont Günter Quiel. Allerdings werde es eine Kollekte geben. Das Geld soll einerseits in den Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche fließen, andererseits aber auch in die Hilfe für ein krankes ukrainisches Mädchen, wie Quiel weiter erklärt. Gefördert wird der Auftritt mit Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Hinter dem Auftritt von Zbrucz steckt demnach eine Menge mehr als Musik und Tanz. Die Organisatoren verstehen ihn auch als einen weiteren Schritt zum Zusammenwachsen zweier, vielleicht sogar dreier Länder. „Wir müssen das hier machen“, sagt Quiel. Gerade an der Grenze mit einer direkten Nähe zum polnischen Nachbarn sei eine gute Beziehung über die Neiße hinweg unumgänglich. Auf Berlin oder Warschau dürften sich die Menschen in Guben und Gubin dabei nicht allein verlassen.

Für die Stadt- und Hauptkirche haben Quiel und seine Mitstreiter auch Pläne vor ihrem Wiederaufbau. Sobald der Turm wieder begehbar ist, soll er als Ausstellungsraum über die Geschichte der Doppelstadt genutzt werden. Grund für die Sperrung sind Korrosionsschäden an den Treppen, die behoben werden müssen. Außerdem, so hatte es der Gubiner Bürgermeister Bartlomiej Bartczak erklärt, seien neue Sicherungsnetze nötig und Wildwuchs an der Mauer müsse entfernt werden.

 Beeindruckt sind viele Tourteilnehmer von der Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche. Foto: S. Halpick
Beeindruckt sind viele Tourteilnehmer von der Ruine der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche. Foto: S. Halpick FOTO: Halpick