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| 19:06 Uhr

Unterstützung von Polens höchster Denkmalpflegerin
Villa Wolf in Gubin soll Teil von Architekturroute werden

 Die Villa Wolf, hier eine Aufnahme aus den 30er-Jahren, könnte nach aktuellen Plänen in Gubin wieder aufgebaut werden.
Die Villa Wolf, hier eine Aufnahme aus den 30er-Jahren, könnte nach aktuellen Plänen in Gubin wieder aufgebaut werden. FOTO: privat
Gubin/Berlin/Warschau . Die polnische Regierung will die Villa Wolf in Gubin zum Teil einer Architekturroute machen. Zwar hat der Wiederaufbau auch Jahre nach den ersten Plänen noch nicht begonnen, die Nachricht aus dem Ministerium aber könnte im Bauhaus-Jahr ein wichtiges Zeichen sein. Von Daniel Schauff

Es sind nur kleine Schritte. Um die Villa Wolf ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Nach einem medienwirksamen Fachstreit über den Wiederaufbau meldet sich nun Florian Mausbach, Initiator einer Rekonstruktion, noch einmal zu Wort. Und er kündigt gute Nachrichten an.

Mausbach, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumplanung, hat Post aus Warschau bekommen. Magdalena Gawin hat sich bei dem heutigen Vorsitzenden des Fördervereins Villa Wolf gemeldet und ihre Unterstützung angekündigt. Magdalena Gawin ist Unterstaatssekretärin im Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der polnischen Regierung. Damit ist sie die oberste Denkmalschützerin des Landes.

„Die Idee des Wiederaufbaus der Villa Wolf von Mies van der Rohe in Gubin, des Paradebeispiels des Modernismus und gleichzeitig des einzigen Werkes dieses bedeutenden Architekten im Gebiet des heutigen Polens, verdient in jeder Hinsicht volle Unterstützung“, schreibt Gawin an Mausbach und erinnert an das Bauhaus-Jubiläum in diesem Jahr.

 Auf dem Grundstück der Bauhaus-Villa Wolf in Gubin liefen 2001 Ausgrabungen.
Auf dem Grundstück der Bauhaus-Villa Wolf in Gubin liefen 2001 Ausgrabungen. FOTO: FOTO-Werner

Bauhaus hallt nach

1919 gründete Walter Gropius das Bauhaus als Kunstschule in Weimar. Bis heute prägen die Kunst und die Architektur, die dort gelehrt wurden, den Modernismus. 1930 übernahm der Architekt Mies van der Rohe die Leitung der Schule, bis die Nationalsozialisten die staatliche Einrichtung, mittlerweile in Dessau ansässig, schließen ließen. Van der Rohe versuchte, die Schule als private Einrichtung in Berlin weiter zu betreiben, die NSDAP aber sorgte schon 1933 dafür, dass die Schule schließen musste, nachdem sie Hausdurchsuchungen, Verhaftungen von Studenten und andere Störungen durch die neue Regierung erdulden musste.

Die Villa Wolf war das erste moderne Gebäude von Mies van der Rohe, gebaut für den Tuchfabrikanten Erich Wolf und seine Frau Elisabeth, Erbin der Wilke-Hutfabrik. 1926 prägte die moderne Villa das Neißeufer im damaligen Guben, heute Gubin. 1945 fiel sie einem Feuer zum Opfer – geblieben sind nur noch die Fundamente. Und Fotografien, anhand derer die „neue Villa Wolf“ errichtet werden soll.

Unterstützer für Millionen-Projekt gesucht

 Der Weg zum Wiederaufbau der Villa Wolf führt über genauso viele Stufen wie der Weg zur echten Villa, hier im Modell. Zumindest eine hohe Stufe haben die Pläne jetzt genommen.
Der Weg zum Wiederaufbau der Villa Wolf führt über genauso viele Stufen wie der Weg zur echten Villa, hier im Modell. Zumindest eine hohe Stufe haben die Pläne jetzt genommen. FOTO: Daniel Schauff

Ein Millionenprojekt, für das Mausbach und der Verein Unterstützer sucht. Als solche listet Mausbach bereits eine ganze Reihe von mitunter klangvollen Namen: Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin, und Hans Eichel, Ex-Bundesfinanzminister. Politisch kann der Villa Wolf-Verein auch auf die Unterstützung von den beiden Bürgermeistern Fred Mahro (CDU) und Bartlomiej Bartczak rechnen. Beide versprechen sich Touristenbesuche von Architekturkennern. Mausbach führt immer wieder den Barcelona-Pavillon in Spanien an – ebenfalls ein Werk Mies van der Rohes, ebenfalls wieder aufgebaut.

Ein größerer Zusammenhang

Magdalena Gawin sieht die Villa Wolf derweil in einem größeren Zusammenhang: „Ich möchte vorschlagen, dass die Villa eine Station auf einer größeren, deutsch-polnischen Route des Modernismus und gemeinsames Element des deutsch-polnischen Kulturerbes ist, das auch zum europäischen Netz der touristischen Straßen der modernistischen Architektur gehört“, schreibt sie. Das sei zugleich eine Möglichkeit für junge Deutsche und Polen, die eigene Geschichte kennenzulernen und die europäische Geschichte am Beispiel der besten architektonischen Werke kennenzulernen. „Ich schlage vor, dass zu dieser Route im Gebiet Polens außer Gubin noch Gdynia, Warschau und Stalowa Wola gehören. Betreiber dieser Route könnten das Pilecki-Institut oder das Nationale Institut für Architektur und Städtebau sein“, so Gawin weiter. Das Pilecki-Institut forscht in Polen zu totalitären Regimen wie dem der Nationalsozialisten und der Sowjets.

Objekte auf deutscher Seite für die Route gesucht

Gawin fordert nun den Verein um Florian Mausbach auf, Objekte auf deutscher Seite zu benennen, die Teil der Route sein könnten. Ebenso möge der Vorsitzende Partner für die Zusammenarbeit nennen.

Es scheint, als käme immer mehr Bewegung in das Projekt Wiederaufbau der Villa Wolf. Und möglicherweise auch in das Projekt Stadt- und Hauptkirche. Laut Mausbach prüft die Bundeskulturstaatsministerin in Polen eine Unterstützung zum Schutz und zum Erhalt der Ruine als Baudenkmal.