ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Gubens Musikschüler sollen mehr zahlen

Die Gubener Musikschüler können sich in 27 Fächern ausbilden lassen.
Die Gubener Musikschüler können sich in 27 Fächern ausbilden lassen. FOTO: B. Möschl
Guben. Die Stadt Guben leistet sich als einzige Kommune im Landkreis Spree-Neiße noch eine städtische Musikschule. Nun sollen die Gebühren steigen, um auch die Lehrer angemessen bezahlen zu können. Anderenfalls droht das Aus für die Einrichtung. Silke Halpick

"Wir haben zwei Horrorszenarien: Der Saal bleibt leer, weil die Lehrer fehlen, oder aber der Saal bleibt leer, weil die Schüler fehlen", sagt Fred Mahro. Damit bringt der amtierende Bürgermeister der Stadt Guben das Dilemma im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsrunde am Mittwochabend auf den Punkt: Das Honorar für die 30 Musiklehrer soll steigen. Aktuell verdienen die Freiberufler zehn Euro für 30 Minuten Unterricht. Geplant ist die Erhöhung auf 14 Euro. "Anderenfalls werden die Lehrer, die auf hohem Niveau unterrichten, abwandern", befürchtet Musikschulleiter Andreas Zach. Ein entsprechender Trend zeichne sich bereits heute ab, erklärt er. Neue Lehrer nach Guben zu locken, sei extrem schwierig.

Als einzige Möglichkeit, diese Honorarsteigerungen zu finanzieren, sieht Zach die Erhöhung der Musikschulgebühren. Diese sind seit zehn Jahren stabil in Guben und liegen unter den Preisen vergleichbarer Einrichtungen in der Region, argumentiert er. Für die Schüler bedeutet das ganz konkret: Der 30-minütige Einzelunterricht einmal pro Woche kostet künftig 432 Euro im Jahr statt bisher 340 Euro.

Gegenwind kommt vor allem von den Gubener Stadtverordneten. Diese hatten bereits im Oktober 2015 heftig über die neuen Musikschulgebühren diskutiert. In der Folge wurde die für 2016 geplante Entgeltsatzung von der Verwaltung zurückgezogen. Nun steht sie wieder auf der Tagesordnung des Haushaltsausschusses, der am nächsten Mittwoch tagt.

Die Erhöhung der Honorare für die Lehrer sei vollkommen unstrittig, betont Kerstin Nedoma. Auch die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung sitzt im großen Saal der Musikschule und hört sich die Argumente der Befürworter der Gebührenerhöhung an. Von der hohen Qualität und Vielfalt ist die Rede. Sie selbst bleibt kritisch. "Es dürfen nicht Lehrer gegen Eltern ausgespielt werden", betont die Linken-Politikerin. Um möglichst allen Kindern eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen, schlägt sie eine Gebührenstaffelung entsprechend des Einkommens der Eltern vor.

"Das macht keine andere Musikschule", hält Andreas Zach dagegen. Er bezeichnet diese Variante auch für "sozial nicht vertretbar", weil dadurch Besserverdiener für die gleiche Leistung der Musikschullehrer deutlich mehr zahlen müssten. Die Gefahr, dass durch die Erhöhung der Gebühren tatsächlich Musikschüler abspringen, schätzt er hingegen als gering ein.

Die Gubener haben die einzige Musikschule im gesamten Spree-Neiße-Kreis, die noch in Trägerschaft der Stadt läuft. Rund eine halbe Million Euro an Zuschuss fließen jährlich aus dem Haushalt in die Einrichtung. Das sind 48 Prozent der Gesamtkosten. Der Landkreis Spree-Neiße beteiligt sich mit einem jährlichen Festbetrag in Höhe von 30 000 Euro (sieben Prozent). Auch das Land Brandenburg steuert zehn Prozent bei. Mehr als ein Drittel der Kosten werden durch die Gebühren gedeckt.

Ein Zusammenschluss mit der Kreismusikschule, die vom Landkreis finanziert wird, wurde noch nicht diskutiert. Unmöglich wäre das nicht, räumt Andreas Zach auf RUNDSCHAU-Anfrage ein. "Als Außenstelle der Kreismusikschule wären wir jedoch nicht da, wo wir heute sind", sagt er. Die Stadtverordneten hatten sich in den 1990er-Jahren per Beschluss für eine städtische Einrichtung entschieden.

Zum Thema:
An der Gubener Musikschule werden insgesamt 440 Schüler in 27 Fächern unterrichtet. Zum Vergleich: An der Kreismusikschule Spree-Neiße sind es 900 Schüler. Hinzu kommen rund 100 Kinder in Kooperationsprojekten mit Kitas und Schulen in der Neißestadt und der umliegenden Region. Es gibt nur vier fest angestellte Mitarbeiter. Der Großteil der Musiklehrer sind Honorarkräfte mit Hochschulabschluss.