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Gubens Jugend will mitregieren

Rathaus Guben
Rathaus Guben FOTO: Jörg Ciszewski (GUB)
Guben. Von wegen politikverdrossene Jugend: In Guben soll es bald einen Jugendstadtrat geben, der die Interessen der jungen Menschen noch stärker als bisher vertritt. Die elf Ratsmitglieder sollen wie die Stadtverordneten gewählt werden und eine Aufwandsentschädigung erhalten. Silke Halpick

Gleich vorweg: Ums Geld geht es den beiden Initiatoren nicht. "Wir wollen die Partizipation der Kinder und Jugendlichen fördern", sagt Oskar Starick. Also mehr Mitsprache und Mitbestimmung für die jungen Menschen, die in Guben leben und Prognosen zufolge immer weniger werden. Sein Mitstreiter Thomas Laugks hat auch schon ausgerechnet, dass die vorgesehene Aufwandsentschädigung ihm im Vergleich zum Arbeitsaufwand lediglich eine Vergütung von einem Euro pro Stunde einbringt. "Das Geld soll ja auch nicht der Anreiz sein", betont er. Für ihn gehe es vielmehr darum, die Politik mitgestalten zu können.

Thomas Laugks und Oskar Starick sind beide Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirates, den es bereits seit mehr als zehn Jahren in Guben gibt. Der Beirat besteht aktuell aus sechs aktiven Mitstreitern, die von Schulen und Jugendeinrichtungen der Stadt entsandt werden. Drei Stühle sind unbesetzt, weil es an weiteren Freiwilligen fehlt.

Das soll mit dem neuen Jugendstadtrat anders werden. Davon sind die beiden Gymnasiasten überzeugt. "Es gibt genügend Schüler in der Stadt, die politisch interessiert sind", begründet Laugks. Das hat seiner Meinung nach auch die Podiumsdiskussion im Vorfeld der Bürgermeisterwahl gezeigt. Auf der vom Kinder- und Jugendbeirat organisierten Veranstaltung konnten junge Menschen ihre Fragen direkt an die fünf Kandidaten richten.

Die Satzung und die Wahlordnung für den Gubener Jugendstadtrat liegen bereits vor. Thomas Laugks und Oskar Starick haben ihre Idee auch schon den einzelnen Fraktionen der Gubener Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Wenn die Abgeordneten auf ihrer Sitzung am 2. November grünes Licht geben, kann die erste Jugendstadtratswahl schon Anfang 2017 erfolgen. "Dann haben wir noch zwei Monate Zeit, um Mitglieder zu werben", sagt Laugks.

Vor der Wahl soll die Liste mit den Kandidaten im "Neiße-Echo", dem Amtsblatt der Stadt, veröffentlicht werden. Wählbar und wahlberechtigt sind Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 27 Jahre. Jeder Wahlberechtigte hat elf Stimmen. Elf Mitglieder soll auch der künftige Jugendstadtrat haben. Die Legislaturperiode beträgt zwei Jahre. Mindestens vor jeder Stadtverordnetenversammlung will auch der Jugendstadtrat zusammenkommen.

Und was sagen die Kommunalpolitiker dazu? Von denen gibt es übereinstimmend viel Lob für die Initiative. Die "Idee ganz toll" findet beispielsweise Berit Kreisig von der Wählergruppe "Wir Gubener Bürger". Sie hofft darauf, dass man sich eine politisch aktive Jugend heranziehen könne. Frank Müller (SPD) verweist darauf, dass bekanntlich das, was "von unten kommt", länger halte und eher akzeptiert werde. Frank Nedoma, sachkundiger Einwohner der Linken, begrüßt vor allem den Statuswechsel, weil ein Rat stabiler und nachhaltiger arbeiten könne als ein Beirat.

Zum Thema:
Der Jugendstadtrat will bis zu zweimal im Jahr eine Versammlung mit allen in Guben lebenden Kindern und Jugendlichen einberufen. Die Fraktionen der Stadtverordneten können Mitglieder in den Jugendstadtrat entsenden, diese bekommen aber nur auf Antrag Rederecht eingeräumt.