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Gubenerin erinnert an ihren einst berühmten Urgroßvater

Ursula Günther (r.) schreibt unter dem Pseudonym Charlotte Buchholz Bücher. Bei ihrer Lesung hatte sie einen Gubener Hut auf.
Ursula Günther (r.) schreibt unter dem Pseudonym Charlotte Buchholz Bücher. Bei ihrer Lesung hatte sie einen Gubener Hut auf. FOTO: sha
Guben. Wer kennt schon Hermann Buchholz? Niemand? Doch. Der Gubener war immerhin einst Prokurist der Berlin-Gubener Hutfabrik und schrieb Gedichte, Erzählungen und sogar Theaterstücke. Silke Halpick

Seine Urenkelin Charlotte Buchholz hat sich auf Spurensuche begeben. Rund 20 Zuhörer haben sie dabei im Rahmen des "Leseherbstes" in der Stadtbibliothek begleitet.

Für ihren Urgroßvater interessierte sich Charlotte Buchholz allerdings auch erst, nachdem sie selbst zu schreiben anfing. Das räumt die 64-Jährige gleich zu Beginn ein. Sie ist in Guben geboren und zur Schule gegangen. Später arbeitete sie als Journalistin und Pressesprecherin. Heute lebt sie in Magdeburg und schreibt Kurzgeschichten und Romane.

"Man ist, was man schreibt", betont sie. Und genau 100 Jahre nach dem Tod ihres Urgroßvaters hat Charlotte Buchholz nun auch seine Bücher und "dabei zwischen den Zeilen" gelesen. Im Zwiegespräch mit ihm lässt sie das Leben und Werk von Hermann Buchholz Revue passieren.

Der Umzug von Berlin nach Guben im Jahr 1906 war für den gelernten Kaufmann zunächst ein Schock, später erwies er sich jedoch als Glücksfall. In seinem Gedicht "Die neue Heimat" setzt er der Neißestadt ein durch und durch positives Denkmal. Obwohl er als Prokurist nur in seiner Freizeit dichten konnte, erschienen zahlreiche, heute leider schon vergessene Werke von ihm. Das Drama "Rafael" wurde 1912 sogar am Gubener Theater uraufgeführt. "Mit viel Beifall", wie seine Urenkelin recherchiert hat. Das Schauspiel "Goldrausch" erzählte die Geschichte über den Konkurs einer Bank. Aber auch die Komödie "Eine gute Bilanz" stammte aus seiner Feder.

Inspiriert wurde der Freizeit-Schriftsteller unter anderem auf seinen täglichen Fußmärschen ins Büro, die ihn durch Guben führten. Er schrieb schnell und viel. Ohne das Schreiben hätte er nicht leben können, da ist sich seine Urenkelin sicher. Hermann Buchholz starb allerdings bereits im Alter von 42 Jahren in der Nervenheilanstalt Groß-Schweidnitz. Das war 1916. "Dass er so früh starb, war ein schweres Schicksal", sagt Charlotte Buchholz. Er hinterließ drei Kinder. Von seinen literarischen Werken ist nur ein kleiner Teil erhalten geblieben.