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| 02:40 Uhr

Gubener wollen immer weniger im Garten werkeln

Gisela Wolter erzählte in der Stadtbibliothek über die Geschichte und Gegenwart des Gubener Kleingartenverbands.
Gisela Wolter erzählte in der Stadtbibliothek über die Geschichte und Gegenwart des Gubener Kleingartenverbands. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Gisela Wolter, Vorsitzende des Verbandes der Gartenfreunde Guben und Umgebung, hat am gestrigen Dienstag in der Stadtbibliothek über die Geschichte und Gegenwart Gubener Kleingärtner berichtet. In der Neißestadt gibt es seit 1897 von Hobbygärtnern bewirtschaftete Flächen. zar1

Der Gubener Gärtner Ferdinand Winkler hat im Jahr 1897 auf seinem eigenen Grundstück die ersten kleinen Parzellen zur Nutzung als Kleingärten an Hutmacher angelegt. "Das war die Geburtsstunde der Gubener Kleingartenbewegung", berichtete Gisela Wolter. Der erste Schrebergartenverein wurde dann im Jahr 1909 gegründet. Seither wird in der Apfelstadt in kleinen Parzellen gewerkelt.

Mittlerweile gibt es in Guben 31 Kleingartenvereine, die zum Verband der Gartenfreunde Guben und Umgebung gehören. "Wir haben 1480 Parzellen, die von etwa 230 Kleingärtnern bewirtschaftet werden", so Wolter. Insgesamt hat der Verband eine Pachtfläche von 641730 Quadratmetern. Die Kleingartenanlage Süd-West gehört mit 103 Jahren zu den ältesten Anlagen in der Neißestadt.

"Wer einen Garten pachtet, geht damit aber auch Verpflichtungen ein", erklärte Gisela Wolter. So müssten etwa ein Drittel der Fläche des gepachteten Gartenlandes für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden. "Eine Parkgestaltung ist nicht statthaft", betonte sie. Und doch sind die Gärten grüne Oasen im Stadtgebiet, die einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz und zur Gesundheit der Menschen leisten. "Wer gärtnert, lebt gesünder. Nicht nur durch die Bewegung, auch durch das Genießen von frischem Obst und Gemüse", wusste die Verbandsvorsitzende. Sie selbst überlasse das Gärtnern lieber ihrem Mann. "Ich bin eher für die Schreibtischarbeit da", gab sie verschmitzt zu.

Im Verband wird Wert auf die Erhaltung und Pflege alter Gubener Obstsorten, wie den Warraschke, den großen Germersdorfer oder Schneiders späte Knorpelkirsche gelegt. Deshalb wurde vor einigen Jahren auch eine Baumschule im Verband eröffnet. "Dort werden diese alte Sorten veredelt und an Verbandsmitglieder abgegeben", sagte Gisela Wolter.

Auch der Kräutergarten ist ein Anziehungspunkt - nicht nur für Gartenbesitzer. "Zum Kräuterschnitt kommen auch viele, die keinen Garten haben und keine Tipps zum Schnitt benötigen. Sie wollen einfach für die Fensterbank ein paar Kräuter haben", wusste sie.

Doch der Verband der Gartenfreunde Guben und Umgebung hat auch Sorgen und Nöte. "Es müssen mehr junge Leute begeistert werden. Und jung heißt im Gartenverband 40 plus", so Gisela Wolter. Die meisten der Gartenpächter seien älter als 60 Jahre. Es sei schwer, junge Leute zu finden, denn ein Garten solle zwar der Erholung dienen, mache aber auch Arbeit. "Da kann eben nicht nur gegrillt werden", sagte sie. 50 Gärten warten in der Neißestadt derzeit auf neue Pächter. Für die Verbandsvorsitzende sei es unvorstellbar, diese Gärten dem Erdboden gleichzumachen, wie es 42 Gärten in der Kleingartenanlage "Gasstraße" erging. "Das tut in der Seele weh", betonte Gisela Wolter.

Der Gubener Gartenfreund Hans Quandt würde es begrüßen, wenn auf der einstigen Anlage wieder Obstbäume gepflanzt werden würden. "Die Stadt will dort sowieso eine Parkfläche errichten. Zehn Obstbäume, die nicht viel Pflege benötigen, könnten dort Platz finden." Allerdings dürfe dies nicht so aussehen, wie auf den Flächen an der Sprucker Straße, auf denen vor einigen Jahren die Babybäumchen gepflanzt wurden. "Dort kümmert sich niemand um die Bäume, sie stehen nicht nur zu eng, sie würden nicht gepflegt. Dabei könnten doch die Eltern, die für ihre Kinder die Apfelbäume pflanzten, dort auch mal das Obst ernten und auflesen", so Hans Quandt.