"Wir machen nur Landwein", sagt Vereinsvorsitzender Helmut Moelle, fügt aber hinzu, dass das Prädikat für den guten Tropfen mit der Granoer Kirche auf dem Etikett auch "vier, fünf Stufen höher sein könnte". Das allerdings würde sich mit höheren Kosten bemerkbar machen. Die wollen die elf Mitglieder aber vermeiden. Sie arbeiten ehrenamtlich und wollen mit den Einnahmen aus dem Weinverkauf nur die Kosten decken, wie Moelle sagt. "Es soll ein Hobby bleiben und Spaß machen", erklärt er. Deshalb werde der Weinberg in Grano auch nicht über die jetzigen 1,03 Hektar ausgebaut. Regelmäßige Hilfe bekommen die Vereinsmitglieder von den "Rüstigen Rentnern aus dem Feinseidenbetrieb", verweist Moelle auf ehemalige Manager der Gubener Textilindustrie. Die Erfahrungen der Gubener bei der Weinverarbeitung sind gefragt. Anfang der Woche waren in einem Netzwerk zusammenarbeitende Winzer in Grano, um sich die Kellerei anzusehen. "Wein anbauen ist nicht das Problem. In der Verarbeitung liegt die Schwierigkeit", so Moelle.Darin hat der Verein inzwischen Erfahrung. Wurden im ersten Jahr noch 500 Liter Wein abgefüllt, waren es über die Zwischenschritte 900 Liter und 3200 Liter im vergangenen Jahr bereits 8000 Liter. Der Jahrgang 2009 wird etwas schwächer ausfallen (Interview). Die Jungweinprobe, immer am letzten Wochenende im April, bietet die Gelegenheit, den neuen Gubener Wein zu kosten.Da mittlerweile auch das Bundeslandwirtschaftsministerium auf der Suche nach alten Weinsorten ist, könnten bald auch traditionelle Reben aus der Weinbauregion Guben wieder anerkannt und in Flaschen abgefüllt werden, äußert sich Moelle hoffnungsvoll. Die Reichenbacher Perle ist so eine Traube, die Jahrzehnte in zahlreichen Gärten überlebt hat, erzählt Moelle, und als reife Traube einen Geschmack ähnlich wie eine Erdbeere entwickle. Der Gubener Rubin könnte ebenso wieder zu alten Ehren gelangen. Herr Moelle, wie steht es um den Gubener Wein?
Eigentlich gut. Wir sind im fünften Jahr und haben unsere Erfahrungen gesammelt. Allerdings ist das letzte Jahr von der Menge her nicht als normal zu sehen. Wir haben, grob geschätzt, nur ein Drittel geerntet. Ein Drittel, das sind ungefähr?
3000 Liter, also maximal 2700 Liter Wein.Wie kommt man an den guten Tropfen?
Wir bleiben bei der Direktvermarktung. Das heißt, wir verkaufen ihn nicht in größeren Mengen irgendwohin. Wir haben uns ja von Anfang an das Ziel gesetzt, unsere Region interessanter zu machen. Wir bieten den Wein also hier an. In der Regel passiert das bei mir im Gartenhaus oder im Heuhotel Lauschütz. Gibt es eigentlich noch Wein aus dem Vorjahr?
Ja. Von den 16 000 Flaschen sind noch 2000 da.Aber es ist damit zu rechnen, dass der Jahrgang 2009 sehr schnell ausverkauft sein dürfte?
So wird es sein. Wir raufen uns schon jetzt die Haare, wie wir es schaffen, dass nicht innerhalb von zwei Monaten alles verkauft ist. Welche Sorten haben das Jahr 2009 gut überstanden?
Der Riesling mit einer eigentlich normalen Ernte hat es am besten überstanden, auch in der erforderlichen Erntemenge. Wir sind zufrieden damit, weil der Riesling bereits 2008 ganz gut angekommen ist. Daneben ist der Johanniter nach wie vor unser bester Weißwein und Regent als Rotwein hat mit 60 Prozent bedeutende Mengen gebracht. Gibt es schon Vorbestellungen?
Vorbestellungen gibt es immer wieder. Allerdings werden Vorbestellungen für den 2009er-Wein nicht angenommen. Das ist zu kompliziert.Hat das schlechte Jahr Auswirkungen auf den Preis?
Die Halbliter-Flasche kostet normalerweise zwischen 4,30 Euro und 5 Euro. Für den 2009er überlegen wir, ob wir den Preis um zehn bis 20 Prozent anheben. Schließlich müssen wir unsere Kosten irgendwie decken. Das heißt aber nicht, dass der 2010er nicht wieder günstiger werden könnte.Welcher ist ihr Lieblingswein?
Ich kann nicht von einem Lieblingswein sprechen. Es ist ja in jedem Jahr eine andere Sorte der beste Wein. Gott sei Dank ist der Geschmack unterschiedlich, sonst würden alle nur den gleichen Wein trinken und der andere würde stehen bleiben. In diesem Jahr ist es beim Rotwein der Regent und beim Weißwein der Grauburgunder gewesen. Aber ich muss sagen: Vom Grauburgunder haben wir nichts mehr da. Das Gespräch führte Jürgen Scholz