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| 01:55 Uhr

Gubener und Gubiner erinnern an den Pogrom

Guben. Erstmals haben Gubener und Gubiner am Mittwoch gemeinsam der Pogromnacht gedacht. Dafür trafen sie sich am einstigen Standort der Synagoge in der Gubiner Altstadt. pk

Dieses grenzüberschreitende christlich-jüdische Gedenken an den 9. November ist bislang einmalig.

Das jüdische Leben solle wieder sichtbar werden, wünscht sich Aaron Voss. Mit seinem Glaubensbruder Uwe Horst Freiherr von Soden hatte er die Veranstaltung ins Leben gerufen. Denn von der 1878 errichteten Synagoge am Kastaniengraben - der heutigen Ulica Dabrowskiego - ist nicht mehr als ein Fragment des Thora-Vorhangs übrig geblieben. Es wird im Deutschen Historischen Museum Berlin aufbewahrt. Das Gotteshaus selbst verschwand in der Pogromnacht 1938. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Von den einst rund 200 Juden in Guben überlebten nur zwei die Shoah.

Für Voss und von Soden ist die Gedenkfeier mehr. Sie verstehen sie als Beginn einer neuen Tradition. So forderte von Soden die Besucher auf: "Arbeiten sie mit uns daran, dass es in Guben-Gubin eine christlich-jüdische Gesellschaft gibt, die Verständnis füreinander schafft."

Das besondere Faktum in der Grenzstadt sei, dass sich die Gedenkstätte für die zerstörte Synagoge "auf dem Gebiet eines Staates befindet, der selbst Opfer der Nationalsozialisten wurde", sagte von Soden. Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak erklärte: "Wir müssen alles dafür tun, dass die Geschichte verarbeitet wird und sich nicht wiederholt", sagte er. Er bekundete genauso wie der stellvertretende Gubener Bürgermeister Fred Mahrow (CDU) sein Interesse an einer gemeinsamen Gesellschaft. "Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, diesen Platz zu einem Ort der Begegnung zu machen", so Mahrow.