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| 13:04 Uhr

Lärmaktionsplan
Gubener Umweltausschuss zweifelt an Lärmbelastung

Entlang der Karl-Marx-Straße ist es zu laut.
Entlang der Karl-Marx-Straße ist es zu laut. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Die Zahlen vom Landesamt für Umwelt für die Karl-Marx-Straße stammen aus dem Jahr 2011.

Für Diskussionen im Gubener Umweltausschuss sorgte am Donnerstag die Fortschreibung des Lärmaktionsplans. Laut dem Landesamt für Umwelt ist es auf vier Gubener Straßen zu laut – neu im Bunde ist dabei die Karl-Marx-Straße. „Ab einer Verkehrsbelastung von 8000 Fahrzeugen pro 24 Stunden muss eine Straße im Lärmaktionsplan aufgenommen werden“, erklärt Christian Hecht von der Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter aus Leipzig. Das Unternehmen hatte schon vor fünf Jahren den Lärmaktionsplan der Stufe 2 für die Stadt erarbeitet. Nun ist Stufe 3 an der Reihe.

Unangenehm stießen den Stadtverordneten dabei nicht die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Lärmreduktion in der Karl-Marx-Straße auf (Optimierung des Asphalts oder Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde), sondern die Datenbasis für die Berechnung.  Diese stammt nämlich aus dem Jahr 2011. „Das Landesamt für Umwelt nimmt als Basis immer ihre aktuellsten Zahlen und die sind leider noch aus dem Jahr 2011“, so Christian Hecht. Daran könne aber weder er noch die Stadt etwas ändern. Bis zum 18. Juli muss der Plan dem Landesamt für Umwelt vorgelegt werden. Ansonsten drohen Sanktionen; welche, sei allerdings unklar.

„Das ist doch Mist. Diese Zahlen kann man doch nicht mehr verwenden“, findet der sachkundige Einwohner Ralf Pless und erntet dafür zustimmendes Gemurmel vom Ausschuss. Klaus Schneider (CDU) sieht hier ein Problem, das „an den Haaren herbeigezogen“ wird und lediglich die Verwaltung beschäftigen soll. Auch Gerhard Lehmann (Die Linke) würde sich lieber mit der Lärmbelastung durch die Bahn befassen. Anwohner hätte sich diesbezüglich an ihn gewandt. Die Lärmbelastung durch die Bahn ist allerdings nicht Bestandteil des Lärmaktionsplans. „Dafür ist das Eisenbahnbundesamt zuständig“, erklärt Christian Hecht.

Um die Diskussion wieder auf den eigentlichen Punkt zu lenken, stellt Sven Rogosky, Baufachbereichsleiter im Gubener Rathaus, klar: „Wir kommen um die Stufe 3 des Lärmaktionsplans nicht herum.“ Allerdings bezweifelt auch die Verwaltung, dass in der Karl-Marx-Straße täglich mehr als 8000 Fahrzeuge verkehren. Aus diesem Grund werden aktuell Verkehrszählungen durchgeführt, in der Hoffnung, auf dieser Basis dann um eine weitere Fortschreibung herum zukommen. Die Stadtverordneten stimmen am Ende einstimmig für den Lärmaktionsplan.

Die Kosten für eine Sanierung der Karl-Marx-Straße müsste nicht die Stadt Guben tragen, denn seit 2011 befindet sich die Straße im Eigentum des Landkreises Spree-Neiße. Die ehemalige Bundesstraße wurde mit Fertigstellung der Gubener Ortsumfahrung nämlich zur Kreisstraße degradiert.

Der Landkreis sieht die Zahlen des Landesamts für Umwelt ebenfalls kritisch und will lediglich sukzessive und abschnittsweise die Karl-Marx-Straße mit einer Dünnbetonschicht versehen. Bei einer Verkehrszählung des Landkreises im Jahr 2015 sind nur 3910 Fahrzeuge pro Tag erfasst worden.

(mcz)