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Gubener Tropfen erkämpft sich neuen Platz

Guben.. Weinbau hat in Guben Tradition. Wiederbelebt wurde diese kürzlich von beherzten Hobbywinzern mit ihrem 1. Granoer Weinfest. Anlass genug für Joachim Kuchling, auf die lange Geschichte des Gubener Weinbaus zurück zu schauen.


Der Ursprung dieser Tradition geht bis 1280 zurück. Damals hatte Heinrich der Erlauchte der Stadt die Erlaubnis zum Wein- und Hopfenanbau gegeben. Angebaut wurde seitdem in den bis dahin als Viehweide genutzten „Gubener Bergen“ .
Am 13. Dezember 1309 verweilte Waldemar von Brandenburg in der Neißestadt und erlaubte den Bürgern, alljährlich ein Vierteljahr lang Wein zu verkaufen. Der „Gubenische“ war einer der wenigen deutschen Landweine, die auch im auswärtigen Handel nach Norden und Osten eine Rolle spielten und selbst an Fürstenhöfen getrunken wurden. Der Weinhandel war für die Stadt ein wichtiges Zugeständnis, da dadurch der Absatz auch in schlechten Jahren gesichert war. Solch schlechtes Jahr war 1536, als am 13. Oktober durch ein verheerendes Großfeuer die Stadt niederbrannte. Aber wie durch einen „Wink des Himmels gedieh der Wein gar trefflich, als Guben in Asche versunken“ , steht es in Karl Ganders, „Geschichte der Stadt Guben“ . So konnte die große Not zumindest ein wenig gelindert werden. Im Mai 1644 erfroren durch starken Frost die Reben.
Trotz dieser unglücklichen Jahre fassten die Weinbauern immer wieder neuen Mut und setzten die Weinbautradition bis Mitte des 19. Jahrhunderts fort. Aber ab 1700 wurde der Landwein an den Fürstenhöfen immer weniger geschätzt, dafür fremdländische und süddeutsche Weine bevorzugt.
Die Verkehrseröffnung der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn von Berlin nach Breslau 1846 führte zwar zu einer schnellen Entwicklung der Hut- und Tuchindustrie, aber ebenso zu einem Rückgang des Gubener Weinbaus: Durch die verbesserten Verkehrsverhältnisse wurden preiswertere und bessere Weine eingeführt.
Etwa um 1850 weisen Zeitdokumente auf die „letzten Gubener Weinberge“ in der Nähe der Bösitzer Fichten (heute Biezyce) hin. Schon 1863 hatte die Stadtbehörde zum letzten Mal den Beginn der Weinlese festgesetzt, danach wurde der Anbau auf den Feldern zur Seltenheit. Weinstöcke wurden nur noch an Hauswänden und -gärten gezogen. Stattdessen gewannen der Obst- und Gemüsebau an Bedeutung.
1805 hatte sich die erste Pomologische Gesellschaft in Guben gegründet, löste sich aber 1836 schon wieder auf. Doch 1850 gründeten elf Brüder einen Gartenbauverein, 1891 erfolgte die Vereinigung zum Obst- und Gemüsegärtnerverein. Selbst unter diesem neuen Produktionsprofil hatte sich im Volksmund die Berufsbezeichnung „Winzer“ erhalten.
Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Obst- und Gemüsebau seinen Aufschwung. Aus Gubens Weinbergen entwickelte sich ein „Wald von Obstbäumen“ , der während der Baumblüte das „Entzücken jedes Naturfreundes hervorrief“ und viele Berliner anlockte. Zum Wohlbefinden der vielen Besucher trugen die Obstkeltereien und Weinlokale bei. Das Einwohnerbuch von 1920 wies über hundert Lokale aus - 1945 kam das jähe Ende.
Heute sind alle Anzeichen dafür da, dass der Gubener Weinbau wieder aufblüht. Vielleicht finden sich die Menschen bald wieder bei Festen zum „Gubenschen“ zusammen.