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| 12:39 Uhr

150. Geburtstag
Seniorenzentrum feiert Jubiläum

 Zünftig zu feiern weiß man in der Herberge zur Heimat schon seit Jahren, hier eine Aufnahme von einem Fest im Sommer 2001 mit den Atterwascher Blasmusikanten. In dieser Woche nun wird das 150-jährigen Bestehen des Hauses begangen.
Zünftig zu feiern weiß man in der Herberge zur Heimat schon seit Jahren, hier eine Aufnahme von einem Fest im Sommer 2001 mit den Atterwascher Blasmusikanten. In dieser Woche nun wird das 150-jährigen Bestehen des Hauses begangen. FOTO: Hennig
Guben. Die Gubener Herberge zur Heimat begeht in dieser Woche ihr 150-jähriges Bestehen.

Dieser Dienstag steht in Guben ganz im Zeichen zweier Jubiläen. Während die Gubener Sozialwerke im Volkshaus zum Festempfang anlässlich 60 Jahre Rosa-Thälmann-Heim laden (die RUNDSCHAU berichtete), begeht in der Wilkestraße eine weitere Senioreneinrichtung ebenfalls einen runden Geburtstag: die Herberge zur Heimat. Sie feiert allerdings schon ihr 150-jähriges Bestehen.

Der runde Geburtstag wäre eigentlich schon am 2. Mai fällig gewesen. Aber es gab mehrere Gründe, die Feierlichkeiten ein Stück weit zu verschieben. „Unter anderem wollten wir, dass die Festwoche in etwa zu jener Zeit stattfindet, in der die Seniorenwoche begangen wird“, sagt Christiane Fritzschka, die Leiterin des Hauses.

Und so findet an diesem Dienstag ab 14 Uhr ein Festempfang mit Gottesdienst statt. Bei dieser Gelegenheit wird eine Mitarbeiterin des Hauses mit dem Goldenen Kronenkreuz für ihre langjährige diakonische Tätigkeit ausgezeichnet. Als Gäste werden unter anderem Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) und Vorstände des Landesausschusses für Innere Mission (Lafim), dem Träger der Einrichtung, erwartet.

Weiter geht es am Donnerstag, 13. Juni, von 10 bis 16 Uhr, mit einem Tag der offenen Tür. Unter anderem werden allen Interessenten drei Kurzvorträge zu den Themen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, zum Umgang mit Demenz und zur Pflegeversicherung angeboten.

Am Samstag, 15. Juni, schließt sich dann noch ein festlicher Nachmittag für Bewohner und Angehörige an. Im Laufe des Tages können die Gäste des Hauses bei einem Rollstuhl-Training ein Gefühl dafür bekommen, wie man sich mit diesem Hilfsmittel fortbewegt.

Die Ursprünge der Herberge zur Heimat reichen übrigens noch etwas weiter zurück, als jene 150 Jahre. Es war bereits 1848, als der Theologe Johann Hinrich Wichern die Innere Mission der Evangelischen Kirche gründete. Zu den praktischen Dingen, die die Innere Mission umsetzte, gehörte die Einrichtung von Unterkünften für die damals große Gruppe der Wanderburschen. Die erste Herberge der Heimat wurde 1854 in Bonn eingeweiht, die Eröffnung der Gubener Herberge folgte 15 Jahre später im heute polnischen Teil der Stadt. Immerhin gab es in Guben, das damals rund 19 000 Einwohner hatte, pro Jahr rund 10 000 wandernde Gesellen, die in der Stadt Arbeit suchten.

Die Dimension dieser Geschichte machen zwei Zahlen vom Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich: Damals gab es in Deutschland rund 450 derartiger Herbergen, die rund 2,5 Millionen Gäste zählten.

Runde 100 Jahre später hat sich die Ausrichtung des Hauses grundlegend geändert. Aus dem Zuhause für Wanderburschen ist eine Heimstatt für Senioren geworden. Die Einrichtung in der Wilkestraße bietet Platz für 40 Senioren in der stationären Pflege und für 15 Männer und Frauen im betreuten Wohnen. Hinzu kommt seit 2015 die Tagespflege in der Berliner Straße mit zwölf Plätzen. Zudem werden auf dem dortigen Gelände auch die Häuser des altersgerechten Wohnens durch das Team der Herberge bewirtschaftet. Apropos Team: Dazu gehören 30 Mitarbeiter und noch einmal fünf Mitstreiter in der Tagespflege.

In den vergangenen anderthalb Jahrhunderten hat sich vieles verändert, so auch der Standort des Hauses. Die letzte gravierende Veränderung war die Fertigstellung des Neubaus an der Wilkestraße im Jahr 2000. Seit dem trägt die Einrichtung auch den Titel Evangelisches Seniorenzentrum.

Froh ist Christiane Fritzschka, mit dem Lafim einen starken Träger an ihrer Seite zu wissen. Seit 1972 – bis dahin wurde das Haus von einem Verein betrieben – gehört die Gubener Herberge zum Landesausschuss. Und dieser Landesausschuss, der der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zugeordnet ist, führt die Tradition der Herbergen zur Heimat in Brandenburg an 30 Standorten fort. So gibt es ähnliche Einrichtungen wie die Gubener unter anderem in Forst, Welzow, Cottbus und Frankfurt (Oder).

(ten)