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| 17:42 Uhr

Guben
Zeitzeugen und Fotos gesucht

Pflegedienstleiterin Sylke Krüger blättert durch ein Fotoalbum mit vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wer weitere Bilder oder persönliche Erinnerungen an das Rosa-Thälmann-Heim hat, soll sich bei der Einrichtung melden.
Pflegedienstleiterin Sylke Krüger blättert durch ein Fotoalbum mit vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wer weitere Bilder oder persönliche Erinnerungen an das Rosa-Thälmann-Heim hat, soll sich bei der Einrichtung melden. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Gubener Rosa-Thälmann-Altenheim will zum 60. Bestehen die Haus-Chronik aufpolieren. Von Silke Halpick

Wenn Sylke Krüger durch die dicken Fotoalben in ihrem Büro schaut, kommt sie schnell ins Erzählen. „Hier hatte eine Heimbewohnerin ihren 100. Geburtstag“, sagt sie. Zu den Gratulanten gehörte sie selbst, damals noch als Lehrling. Heute ist sie Pflegedienstleiterin im Rosa-Thälmann-Heim in Guben. Die Einrichtung feiert im kommenden Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Deshalb soll die Chronik jetzt aufpoliert werden. „Wir setzen dabei auch auf die Hilfe der Gubener“, sagt Krüger.

Was vor allem fehlt, sind Bilder aus den Anfangsjahren, also von 1959 bis 1976. Gesucht werden Fotos, Postkarten, aber auch alte Verträge sowie persönliche Erinnerungen. Dass beispielsweise ausgerechnet die 100-jährige Jubilarin auch die erste Bewohnerin des Altenheims war, erfuhr Krüger erst vor Kurzem.

Das Rosa-Thälmann-Heim ist das älteste Pflegeheim in Guben. Im Jahr 1956 wurde der Grundstein gelegt, 1959 zogen die ersten Bewohner ein. Zur Namensgebung 1965 kam sogar die Tochter von Rosa und Ernst Thälmann nach Guben. Das Haus trägt noch heute den Namen der Kommunistin. Eine Umbenennung sei niemals Thema gewesen, so Krüger. Aus ihrer Sicht hat das auch keinen Sinn. „Das Haus würde für die Gubener trotzdem das Thälmannhaus bleiben“, begründet sie.

Wie viele Menschen in den vergangenen 60 Jahren hier ihren Lebensabend verbrachten, kann die Pflegedienstleiterin nicht beziffern. Die 76 Dauerpflegeplätze sind permanent besetzt. Es gibt eine Warteliste. Das Durchschnittsalter der Heimbewohner liegt bei 85 Jahren. Auch die vier Kurzzeitplätze seien „immer gut besucht“, so Krüger. In Anspruch genommen werden diese, wenn beispielsweise pflegende Angehörige in den Urlaub fahren.

Anfangs war der Job im Pflegeheim nur eine „Zwischenlösung“ für Sylke Krüger. Die DDR-Krankenschwester wurde nach ihrer Ausbildung 1988 nicht von der Betriebspoliklinik übernommen und suchte einen Job. Heute ist sie glücklich, geblieben zu sein, und schätzt vor allem die intensive Beziehung zu den Menschen. „Das ist ganz anders als im Krankenhaus“, sagt sie. Oft kenne sie die Familienangehörigen der Bewohner persönlich und erlebe das Heranwachsen der Enkel und Urenkel hautnah mit.

Positiv sieht die Leiterin auch die Entwicklung des Pflegeheimes. Zu DDR-Zeiten waren hier noch 168 Bewohner untergebracht. Jetzt leben hier 76 Menschen in 50 Einzel- und 13 Zwei-Bett-Zimmern. Die Zimmer sind geräumig und individuell ausgestattet. Der Umbau des Pflegeheimes hat zwei Jahre lang gedauert und mehr als neun Millionen Euro gekostet. Den symbolischen Spatenstich setzte im Jahr 1999 die damalige Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD). Auch dieser Augenblick ist in der Chronik des Hauses festgehalten.

„Ab 1976 haben wir ganz dicke Fotoalben“, erzählt Krüger. Auf die eine oder andere noch unentdeckte Kostbarkeit beispielsweise aus einer Wohnungsauflösungen oder beim Stöbern in alten Familienunterlagen hofft Krüger dennoch. „Wir haben ja noch ein bisschen Zeit zum Sammeln“, sagt sie.

Zur großen Jubiläumsfeier am 14. Juni 2019 ist ein Hoffest geplant, zu dem neben den Bewohnern auch alle Mitarbeiter eingeladen sind. Aktuell sind das 87 Beschäftigte inklusive Azubis. Kommen sollen aber auch möglichst viele ehemalige Mitarbeiter. „Ich kenne viele, aber längst nicht alle“, sagt Krüger, die schon seit 30 Jahren im Heim arbeitet. Aufgrund der wechselnden Betreiber gibt es keine vollständige Mitarbeiterlisten. Seit 1995 läuft das Heim in Trägerschaft der Gubener Sozialwerke (GSW) gGmbH.