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Gubener Raubserie wirkt noch lange nach

Handys, Handtaschen und Geld – darauf hatten es auch die Täter in Vetschau abgesehen.
Handys, Handtaschen und Geld – darauf hatten es auch die Täter in Vetschau abgesehen. FOTO: Achim Scheidemann
Guben. Die jüngste Gubener Raubserie ist aus den Schlagzeilen verschwunden, doch ihre Auswirkungen sind noch lange spürbar. Die Polizei zieht ihre zusätzlichen Kräfte nicht vor Juni ab und verfolgt im letzten noch ungeklärten Fall eine heiße Spur. Während Kriminalitätsopfer harte Strafen für die Täter fordern, bietet auch der Weiße Ring Hilfe an. Bernhard Schulz

Wut und Hilflosigkeit. Das sind die Worte, die Sabine Krüger* nennt, wenn sie die brutale Tat zurückdenkt. Sie ist eines von fünf Opfern der Raubserie, die Guben seit Ende Januar in Atem hielt. "Was das für einen bedeutet, kann sich jeder vorstellen", sagt sie. Die Wunden des Überfalls sind fast verheilt, werden sie aber immer zeichnen.

Was noch bleibt, ist der Wunsch nach Sühne: "Die Tat war mit böswilligem Vorsatz geplant und mutwillig umgesetzt." Nun sieht sie die Justiz in der Pflicht, harte Strafen zu verhängen - anders, als es in der Vergangenheit so oft der Fall war, sagt Krüger. Zu häufig werden ihrer Meinung nach milde Urteile nach dem Jugendstrafrecht gefällt.

Doch um die Räuber abzuurteilen, muss die Überfall-Serie erst einmal restlos aufgeklärt sein. Noch immer sucht die eigens einberufene Kripo-Ermittlungsgruppe nach dem gewalttätigen Räuber, der eine 49-jährige Krankenschwester zusammengeschlagen hat. "Wir verfolgen da aber eine ganz heiße Spur", bestätigt Cottbuser Polizeisprecherin Ines Filohn. Näheres will sie aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht verraten.

Die übrigen vier Fälle scheinen nahezu aufgeklärt: Ein 17-jähriger Gubiner war geständig und sitzt seit Ende Februar in Haft. Die 15-jährige Mittäterin - seine Schwester - befindet sich in einer polnischen Entzugsklinik. Beide Jugendliche sind drogenabhängig. "Wir gehen daher vom Motiv der Beschaffungskriminalität aus", erklärt Filohn auf Nachfrage. Wann die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, ist noch unklar.

Unterdessen bleibt die Bereitschaftspolizei weiterhin mit ihrem zusätzlichen Aufgebot in der Neißestadt präsent. Sieben Doppelstreifen und zusätzliche Streifenwagen sorgen Polizeisprecherin Filohn zufolge dafür, dass den Gubener die Angst genommen wird, auf die Straße zu gehen. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte das Thema zur "Chefsache erklärt" und die Zusatzkräfte in der Grenzregion für vier Monate zugesagt. "Frühestens Ende Juni wird die Lage neu bewertet", heißt es aus der Polizeidirektion.

Inzwischen kommt auch Lothar Pohle jeden vierten Montag ins Gubener Rathaus, um zu helfen: "Zwischen 15 und 17 Uhr bieten wir eine Sprechstunde für Opfer von Kriminalität an", sagt der Spree-Neiße-Außenstellenleiter der Opferschutzorganisation Weißer Ring. Auch darüber hinaus haben er und seine Kollegen stets ein offenes Ohr für Betroffene und sind unter der Telefonnummer 0151 55164708 erreichbar.

Bisher gibt es aus Guben wenig Resonanz - ein Opfer der Raubserie wurde betreut. "Leider kommt unsere Hilfe zu selten bei denen an, die sie wirklich brauchen", sagt der pensionierte Kriminalist Pohle. Dabei ist das Angebot vielfältig. Es reicht von Finanzspritzen für Rechtsberatungen und psychologische Hilfe über das Begleiten zum Gericht bis hin zum Aufklärungsgespräch. "Wir erklären beispielsweise, wie ein Strafverfahren ablaufen wird und versuchen, traumatisierten Opfern die Angst vor einer erneuten Tat zu nehmen." Die Wahrscheinlichkeit, ein zweites Mal auf der Straße überfallen zu werden, tendiert statistisch gesehen gegen Null, sagt Pohle.

Auch Sabine Krüger weiß: "Es hätte jeden in Guben treffen können." Ihr anfängliches Gefühl aus Wut und Hilflosigkeit ist zunehmend der Erkenntnis gewichen, dass sich seit den Überfällen einiges getan hat. Die Polizei hat ihre Präsenz erhöht, Arbeitgeber haben reagiert, und auch die Leute sind vorsichtiger geworden. Trotz allem will sie nicht, dass das Thema heruntergespielt wird. "Das hat man von Politikern schon zu oft erlebt."

(*Name von Redaktion geändert)

Zum Thema:
Zwischen dem 28. Januar und dem 11. Februar 2015 sind fünf Menschen in Guben überfallen worden:Im ersten Fall war ein 80-jähriger Rentner in seinem Hauseingang an der Sprucker Straße ausgeraubt worden. Ein Täter schlug ihn mehrfach auf den Kopf. Später stießen ihn die Räuber die Treppe herunter. Die Geldbörse mit 50 Euro war die Beute.Am 1. Februar wurde ein 87-jähriger Rentner am Poetensteig überfallen. Der Gubener wurde plötzlich von hinten festgehalten, woraufhin er sich fallen ließ und um Hilfe rief. Als er am Boden lag, wurde er durch einen Jugendlichen mehrfach gegen den Kopf getreten. Erbeutet wurde nichts.Einen Tag später lauerten die Täter einer 54-jährigen Gubenerin an der Geschwister-Scholl-Straße auf, die nach ihrem Einkauf auf dem Weg nach Hause war, als sie plötzlich vom Fahrrad gerissen wurde und zu Fall kam. Das am Boden liegende Opfer wurde mit Tritten malträtiert, die Handtasche mit Bargeld und Schlüsseln erbeutet.Wieder einen Tag später war ein 54-Jähriger das Opfer der skrupellosen Täter, am 11. Februar schließlich eine Krankenschwester. Ein Mann passte die 49-jährige Radfahrerin auf dem Weg zur Arbeit nahe dem Wilke-Stift ab und verletzte sie mit Fußtritten schwer im Gesicht.