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Gubener Orthopäden auf Erfolgskurs

Während einer Operation in der Orthopädie des Naemi-Wilke-Stifts.
Während einer Operation in der Orthopädie des Naemi-Wilke-Stifts. FOTO: Wilke-Stift
Guben. Die Orthopädie des Naemi-Wilke-Stiftes feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die offizielle Anerkennung als Endoprothetik-Zentrum steht unmittelbar bevor. Vom Erfolg profitiert das Naemi-Wilke-Stift als Ganzes. Im Vorjahr wirtschaftete das Krankenhaus unter kirchlicher Trägerschaft auch deshalb kostendeckend. Silke Halpick

Als "wichtigen Anker" bezeichnet Gottfried Hain, Verwaltungsdirektor des Wilke-Stiftes, die orthopädische Abteilung seines Hauses. 1777 Patienten wurden dort im Vorjahr stationär behandelt. Das entspricht fast einem Drittel des gesamten Patientenaufkommens im Krankenhaus. Mit einer nochmaligen Steigerung um drei Prozent wird 2014 gerechnet. "Wir fangen an, die Früchte unserer Arbeit zu ernten", so Hain. Im Vorjahr wirtschaftete das Wilke-Stift mit insgesamt 151 Planbetten kostendeckend. Unterm Strich steht eine schwarze Null. 2012 konnte ein ausgeglichenes Ergebnis noch nicht erreicht werden.

"Möglich ist das nur durch eine jeweils starke Innere Abteilung, Chirurgie und Orthopädie", betont der Verwaltungsdirektor. Das seien die drei Säulen des Erfolges. Die Innere Abteilung punktet unter anderem mit der neu etablierten Kardiologie, die Chirurgie zusätzlich mit der Spezialrichtung Gefäßchirurgie und die Orthopädie durch die konservative Rückentherapie und Endoprothetik. Endoprothesen sind Knie- und Hüftimplantate, die dauerhaft im Körper der Betroffenen bleiben.

In der Orthopädie des Wilke-Stiftes werden Patienten aus der gesamten Region behandelt. Für die 65 Planbetten gibt es Wartelisten von sechs bis acht Wochen. Neben Gubenern, Forstern und Eisenhüttenstädtern kommen auch Menschen aus den Berliner Randgebieten oder nahe der Landesgrenze zu Sachsen. "Unser Einzugsbereich umfasst ein Gebiet, in dem 300 000 Menschen leben", sagt Dr. Thilo Hennecke, Chefarzt der Orthopädischen Abteilung. Neben den operativen Eingriffen beraten die Fachärzte jährlich rund 2000 Patienten ambulant.

Endoprothetik-Zentren gibt es nur drei in ganz Südbrandenburg: das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, die Spreewaldklinik in Lübben und demnächst das Wilke-Stift in Guben. "Die Zertifizierung ist ein Gradmesser für die Einhaltung festgeschriebener Qualitätsstandards und Ablaufpläne", erklärt Hennecke. Im Alter von 39 Jahren übernahm er die Leitung der Abteilung. Das ist mittlerweile 15 Jahre her.

Die Standardisierung der Abläufe vor, während und nach den Operationen bringt Routine, von der auch die Patienten profitieren. "Die Ergebnisse sind besser. Es gibt weniger Komplikationen", sagt Hennecke. Schon seit Jahren werde in seiner Abteilung entsprechend der Qualitätsrichtlinien gearbeitet. "Vieles ist schon sehr gut", so der Chefarzt. Die Anerkennung als Endoprothetik-Zentrum sei das Ergebnis, nicht das Ziel des Weges.

13 Ärzte und mehr als 30 Schwestern und Pfleger arbeiten im stationären Bereich der Orthopädie in einer so genannten Department-Struktur. Vier spezialisierte Oberärzte leiten jeweils ein Fachgebiet: Arthroskopie und Schulter, Endoprothetik, Fuß-/Hand-/Kinderchirurgie sowie die konservative Orthopädie mit dem Schwerpunkt Rücken. Hennecke ist ein Verfechter der Department-Struktur, die noch relativ neu in Deutschland ist. Die Spezialisierung bringe eine deutliche Qualitätssteigerung, so der Chefarzt. "Wir wurden von vielen Einrichtungen beobachtet, mittlerweile haben andere Krankenhäuser nachgezogen", sagt Hennecke.

"Die Entscheidung für die Orthopädische Abteilung war eine weise Entscheidung", sagt Verwaltungsdirektor Gottfried Hain rückblickend. Vor 20 Jahren durften sich auch kleine Häuser auf Initiative von Regine Hildebrandt spezialisieren. So sollte die wohnortnahe medizinische Versorgung in Brandenburg gewährleistet bleiben. Das Forster Krankenhaus bekam seine Urologie und das Gubener Wilke-Stift die Orthopädie.

"Nur durch die Orthopädie ist es uns gelungen, die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren konstant zu halten", sagt Hain. 360 Mitarbeiter hat das Wilke-Stift inklusive der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft aktuell, obwohl die Gynäkologie/Geburtshilfe schon im Jahr 2000 sowie die Kinderstation im Jahr 2011 geschlossen werden mussten.

Zum Thema:
Die Anerkennung als "Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung" erfolgt nach Prüfung durch eine Expertenkommission im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Die Zertifizierung gibt es erst seit 2012. Grundvoraussetzung ist der Einsatz von mindestens 100 Knie-Endoprothesen, 100 Hüft-Endoprothesen sowie 50 Wechseloperationen pro Jahr.