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| 16:43 Uhr

Urteil im Totschlag-Prozess
Gubener muss in den Maßregelvollzug

Urteil im Totschlag-Prozess gegen einen Gubener: Toni W. wird wegen des Totschlags an seiner Mutter in ein psychatrisches Krankenhaus eingewiesen.
Urteil im Totschlag-Prozess gegen einen Gubener: Toni W. wird wegen des Totschlags an seiner Mutter in ein psychatrisches Krankenhaus eingewiesen. FOTO: LR / Daniel Friedrich
Cottbus/Guben. Er hat seine Mutter getötet und kommt dennoch nicht ins Gefängnis: Ein 42-jähriger Mann aus Guben ist am Donnerstag wegen Totschlags verurteilt worden. Wie das Gericht sein Urteil begründet. Von Daniel Friedrich

Gefasst und nahezu regungslos verfolgt Toni W.* die Urteilsverkündung. Sie musste zunächst um einige Stunden verschoben werden, da es offenbar Terminmissverständnisse zwischen den Beteiligten gab. Die große Strafkammer des Cottbuser Landgerichts unter Vorsitz von Richter Frank Schollbach sieht es als erwiesen an, dass der Beschuldigte im August vergangenen Jahres seine Mutter mit mehreren Messerstichen getötet hat. Die Spuren am Tatort sowie die Aussagen der Zeugen seien eindeutig.

Rückblick: An jenem Abend im August 2017 hören Bewohner der Frankfurter Straße in Guben einen heftigen Streit in ihrer Nachbarwohnung. Den Stimmen nach zu urteilen sei den späteren Zeugen sofort klar gewesen, dass es sich um Toni W. und seine Mutter handeln müsse. Als die Schreie aggressiver und das Poltern heftiger werden, entschließen sich die Nachbarn, die Polizei zu rufen.  Dann wird es plötzlich wieder still. Als die herbeigerufenen Polizisten gewaltsam die Wohnungstür öffnen, bietet sich ihnen ein schauerliches Bild: Im Bad liegt die leblose 66-Jährige blutverschmiert in der Dusche. Hinter ihr steht ihr Sohn, in Jogginghose und mit nacktem Oberkörper. Toni W. lässt sich ohne Gegenwehr festnehmen, wirkt aber etwas verwirrt, schildern die Beamten später.

Wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte, leidet der Tatverdächtige seit geraumer Zeit an einer psychischen Erkrankung – einer paranoiden Schizophrenie – und wurde wegen selbiger bereits in ein Krankenhaus  zwangseingewiesen. Daraufhin wurde er medikamentös eingestellt, setzte die Medikamente aber eigenständig wieder ab. In Folge verstärkten sich die Wahnvorstellungen des 42-Jährigen erneut. Toni W. fühlte sich verfolgt, bedroht und ferngesteuert. Vermutlich im Rausche dieses Wahns, so sahen es Staatsanwaltschaft und Verteidigung, griff er schließlich am Tattag mit einem Messer seine Mutter an, die er als einen, von unbekannten Mächten gesteuerten, Klon wähnte.

Neben der Frage, ob Toni W. tatsächlich der Täter ist, hatte das Gericht in dem sogenannten Sicherungsverfahren (siehe Infobox) weitere Sachverhalte zu prüfen: Stimmt die Annahme, wonach der Beschuldigte an einer krankhaften seelischen Störung leidet? Und geht auch zukünftig eine Gefahr von ihm aus?

Beide Fragen konnte das Gericht mit Ja beantworten, wie Richter Schollbach in der Urteilsbegründung ausführte: „Wir schließen uns der Einschätzungen von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Sachverständigen an. Der Beschuldigte hat die Tat während einer akuten Psychose begangen. Er ist deshalb schuldunfähig, da bei ihm die Einsicht in das geschehene Unrecht fehlt.“ Weil Toni W. einem Gutachter zufolge auch in Zukunft gefährlich für die Allgemeinheit sein werde, erwartet ihn keine Haftstrafe, sondern die Unterbringung in einem psychischen Krankenhaus – auf zunächst unbestimmte Zeit. Es würde keine andere geeignete Maßnahme geben, so das Gericht. Selbst heute, nach monatelanger medikamentöser Behandelung, sei der Beschuldigte nicht frei von den Krankheitssymptomen. „Es wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis er entlassen werden kann“, schloss der Richter seine Urteilsbegründung.

*Name von der Redaktion geändert