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| 17:43 Uhr

Unberechtigte Strafe?
Gubener kritisiert Zugbegleiter der Bahn

Guben. Musste ein Fahrgast in der Regionalbahn nach Frankfurt eine unberechtigte Strafe zahlen?

Kritik an der Deutschen Bahn hat dieser Tage der Gubener Thomas Dressler geübt. Anlass war ein Erlebnis seines 14-jährigen Sohnes Robert, der kürzlich, früh morgens gegen 7 Uhr, Zeuge wurde, „wie ein Zugbegleiter einer älteren Dame 60 Euro Strafe aufbrummte, als diese ihre Fahrkarte – unaufgefordert und vor der Kontrolle – im Zug von Guben nach Frankfurt (Oder) kaufen wollte. Mein Sohn fand das unmöglich und äußerte dies auch gegenüber dem Zugbegleiter der Deutschen Bahn. Leider ohne Erfolg“, schreibt Dressler in einer Mail an die Redaktion.

Aus Sicht seiner Familie sei es nicht richtig, zahlungswillige Fahrgäste mit Schwarzfahrern gleichzusetzen. „Es gibt nicht an jedem Bahnsteig einen Fahrkartenverkauf, und nicht jeder Mitbürger kann einen Fahrkartenautomaten bedienen.“

Im besagte Fall musste eine ältere Dame auf dem Weg zu einem Arzttermin fast ihr ganzes Geld, das sie dabei hatte, für die Strafe hinlegen. „Das ist eine Sauerei. In Stuttgart werden Milliarden im Bahnhofsumbau vergraben, und hier werden Rentner auf gemeine und unmenschliche Art abgezockt“, schreibt Dressler weiter. Darüber sollte man sich beim steuerfinanzierten Unternehmen Bahn einmal Gedanken machen.

Die Bahn ihrerseits macht deutlich, dass „in Zügen des Eisenbahn-Regionalverkehrs ein Lösen von Fahrausweisen bei Zugbegleitern nur möglich ist, wenn ein Fahrgast unaufgefordert meldet, dass die Möglichkeit des Erwerbs eines Fahrausweises vor Antritt der Fahrt nicht bestand, weil ein Fahrkartenschalter oder Fahrkartenautomat nicht vorhanden, nicht geöffnet oder nicht betriebsbereit war, wenn der Übergang in die 1. Wagenklasse gewünscht wird oder wenn die Fortsetzung der Fahrt in einen Tarifbereich gewünscht wird, für den der ursprünglich gelöste Fahrausweis bzw. die mitgeführte Zeitkarte nicht ausreicht und auf dem Abgangsbahnhof die Möglichkeit des Erwerbs eines Fahrausweises für die anschließende Strecke nicht bestand.“

Sollte die Kundin in Guben zugestiegen sein, habe zumindest die Möglichkeit bestanden, eine Fahrkarte am Automat zu erwerben. „Der Automat war nach unserer Überprüfung funktionstüchtig, sodass grundsätzlich ein Fahrkartenkauf möglich gewesen wäre“, so Bahnsprecher Burkhard Ahlert. So gesehen habe der Zugbegleiter richtig gehandelt.

Weiter schreibt Ahlert: „Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass für Gelegenheitsfahrer die Bedienung der Automaten nicht immer einfach ist. Der Kundenbetreuer im Nahverkehr hätte in diesem Fall eventuell eine gewisse Kulanz walten lassen können. Wir sichern zu, dass wir hierzu nochmal ein Gespräch mit dem Kundenbetreuer führen.“

Für Thomas Dressler ist die Vorgehensweise trotzdem nicht nachvollziehbar. Er versucht, sich vor allem in die unbekannte Mitreisende seines Sohnes hineinzuversetzen. „Wahrscheinlich fährt sie selten oder nie mit der Bahn. Vor Jahren konnte man noch regulär im Zug bezahlen, vielleicht hat sie sich darauf verlassen? In den von der Bahn betriebenen Bussen kassiert der Busfahrer ja auch ganz normal die Fahrgäste ab.“

(ten)