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Gesundheit
Praxis-Aus stößt auf Kritik

Horst Kühn vom Seniorenbeirat hält den Brief an den Miniterpräsidenten in der Hand.
Horst Kühn vom Seniorenbeirat hält den Brief an den Miniterpräsidenten in der Hand. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Gubener schreiben Brief an den Ministerpräsidenten und monieren den Fachärztemangel. Von Silke Halpick

Kritik an der Schließung der Gubener Doppelarztpraxis durch die Kassenärztliche Vereinigung übt Horst Kühn, Vorsitzender des Seniorenbeirates. Zusammen mit der Stadtverordneten Irmgard Schneider (GUB-SPN) hat er einen Brief an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) geschrieben. Darin wird auf die nicht zufriedenstellende Situation bei der medizinischen Versorgung in der Neißestadt verwiesen.

Verärgert ist Horst Kühn vor allem über die Begründung der Kassen­ärztlichen Vereinigung. „Da sprechen die dafür Verantwortlichen von einer verbesserten Versorgungslage für die Patienten in Guben“, moniert er. Für ihn sieht die Wirklichkeit hingegen anders aus: Weder Augenarzt, noch Hautarzt gibt es in Guben. Patienten, die in Cottbus, Spremberg oder Hoyerswerda Hilfe suchen, werden häufig abgewiesen. „Ich habe es selbst versucht“, sagt Kühn.

Erst Mitte Oktober 2017 hatte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin Brandenburg (KVBB) ihr einstiges Pilotprojekt am Naemi-Wilke-Stift in Guben geschlossen. Hier arbeiteten Dr. Leszek Lacheta als Haus- sowie Malgorzata Babczynska-Lacheta als HNO-Arzt für die KVBB. Gegen die Änderungskündigung hat Leszek Lacheta geklagt. Mit einer Entscheidung des Arbeitsgerichtes in Cottbus ist aber erst in November 2018 zu rechnen. Einen früheren Termin gab es nicht.

Für die Kassenärztliche Vereinigung steht fest, dass sich die haus­ärztliche Versorgungssituation im Mittelbereich Guben stabilisiert hat. „Das zeigen auch die Versorgungszahlen“, betont Pressesprecher Christian Wehry. Obwohl die Bevölkerung um 3,9 Prozent abnahm, habe sich die Zahl der praktizierenden Hausärzte von 2013 auf 2017 um 1,5 Vollzeitstellen erhöht. Auch die ambulant tätigen Haus­ärzte vor Ort schätzen laut KVBB die „Versorgungssituation als beständig“ ein.

„40 Prozent der Gubener sind schon älter als 60 Jahre“, hält Kühn dagegen. Für ihn liegt auf der Hand, dass ältere Menschen häufiger gesundheitliche Probleme haben und deshalb auch häufiger zum Arzt gehen. Seinen Erfahrungen zufolge nehmen schon jetzt viele Patienten lange Anfahrtswege zu Fachärzten in Kauf. Wer beispielsweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Krankenhaus nach Eisenhüttenstadt will, müsse dafür eine Tagesfahrt einplanen. Einfach unvorstellbar ist für Horst Kühn aber auch, dass ein so zukunftsweisendes grenzüberschreitendes Projekt einfach „kaputt“ gemacht werde. Die beiden polnischen Ärzte hatten schließlich auch viele Patienten aus Gubin behandelt. Auch das Naemi-Wilke-Stift als einziges Krankenhaus in der Doppelstadt will seine grenzüberschreitende Gesundheitsvorsorge ausweiten.

Auf die hohe Zahl von Flüchtlingen, die ebenfalls medizinisch versorgt werden müssen, verweist Horst Wetzel vom Netzwerk für Flucht und Migration. In Guben leben die meisten Asylbewerber im gesamten Landkreis. „Kontraproduktiv“ sei es Wetzel zufolge, wenn aus wirtschaftlichen Gründen „gute und gut integrierte Ärzte“ diskriminierend behandelt werden. „Infrastruktur im ländlichen Raum ist wegen der geringeren Siedlungsdichte aufwändiger als in Ballungsgebieten“, betont er.

Mit dem Brief soll auf die Missstände aufmerksam gemacht werden, betont Kühn. „Wir kennen Dietmar Woidke persönlich“, sagt er. Erst im Juni 2017 erhielt Irmgard Schneider direkt aus den Händen des Ministerpräsidenten den Landesverdienstorden, die höchste Auszeichnung Brandenburgs. Nun hoffen beide, damit punkten zu können.