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Gubener Kriegsgeschichten gesucht

Museumsleiterin Heike Rochlitz zeigt das Heft zur Wanderausstellung. Es enthält Briefe, Bilder und Berichte.
Museumsleiterin Heike Rochlitz zeigt das Heft zur Wanderausstellung. Es enthält Briefe, Bilder und Berichte. FOTO: lho
Guben. Das Gubener Stadt- und Industriemuseum zeigt im Mai eine neue Sonderausstellung anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus. Um ihr eine lokale Komponente zu geben, werden noch Ausstellungsstücke gesucht, die die Geschichte von Guben zum Ende des Krieges erzählen. Linda Haazipolo

"Tagebücher finde ich persönlich wahnsinnig spannend. Was dort festgehalten ist, sind Erlebnisse und Tatsachen. Die kann man nicht einfach vergessen", erzählt Museumsleiterin Heike Rochlitz. Dass noch viele Gubener alte Tagebücher und andere Schriftstücke wie Postkarten und Briefe für die neue Sonderausstellung vorbeibringen, hofft sie sehr. Aber auch Alltagsgegenstände, besonders Kleidung, sucht das Museum noch für die Ausstellung, die am 8. Mai starten soll.

"Ende und Anfang - Verweigerung und Widerstand" heißt die Wanderausstellung, die das Gubener Museum dafür vom Friedensbibliothek-Antikriegsmuseum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz entliehen hat. Sie zeigt Dokumente, Briefe und Fotos aus den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkriegs und den ersten beiden Jahren der Nachkriegszeit. In Guben soll sie um möglichst viele Ausstellungsstücke zur Geschichte der eigenen Region aus dieser Zeit ergänzt werden. "Bei der entliehenen Ausstellung handelt es sich um eine Bilderausstellung mit Texten. Wir wollen sie an die Wände im Raum stellen. In der Mitte wollen wir die Geschichte Gubens zu dieser Zeit darstellen", erklärt die Museumsleiterin.

Wer dazu noch etwas beisteuern kann, sollte sich schon bald melden. Die Stücke sollen bis Ende der nächsten Woche im Museum abgegeben werden. "Wir brauchen auch noch etwas Zeit, um die Sache zu sichten und geschichtlich aufzubereiten", so Heike Rochlitz. "Außerdem wollen wir auch über die Geschichten der Leihgeber etwas erfahren und diese vorstellen", fährt sie fort. Mit den gesammelten Stücken sollen dann die Lebensumstände der Gubener zum Kriegsende gezeigt werden. Die Museumsleiterin möchte dies möglichst anschaulich tun. "Denn wer kann sich schon vorstellen, wie wenig 250 Gramm Brot sind?", fragt sie. Dabei handelte es sich um eine normale Essensration nach dem Krieg. "Gerade die Jugend kann sich doch heute kaum noch vorstellen, wie es damals war", sagt die Museumsleiterin und hofft daher auf viele Gegenstände, die die Gubener für die Ausstellung zur Verfügung stellen.

"Wir wollen die Zeit nicht nur in Texten und Bildern zeigen. Die Gegenstände machen die damalige Zeit viel greifbarer", sagt sie. Obwohl sie schon mehrfach zu einer Beteiligung aufgerufen hat, haben sich bisher nur zwei Gubener gefunden, die Stücke aus ihrem Privatbesitz für die Ausstellung zur Verfügung stellen. Damit die Gubener Geschichte aber möglichst gut dargestellt werden kann, sind noch weitere Leihgaben nötig.

Während der Sonderausstellung, die bis zum 31. Juli in Guben bleiben soll, wird es außerdem eine Vortragsreihe zum Thema geben. Der Historiker Gerhard Gunia soll darin über die Kriegsjahre und frühe Nachkriegszeit berichten. Aber auch zur Gegenwart soll mit der Sonderausstellung ein Bezug hergestellt werden, so die Museumsleiterin. "Auch heute gibt es in vielen Ländern der Welt Krieg und zerstörte Städte, aus denen sich die Menschen aufmachen, um irgendwo ein neues Zuhause zu finden. Die Flüchtlingsproblematik von heute ist kaum anders, als damals nach dem Krieg, als die Menschen ihr Zuhause verlassen mussten." Auch Flucht und Zerstörung, damals wie heute, soll mit der geliehenen Ausstellung thematisiert werden, sagt Museumsleiterin Rochlitz.