ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:34 Uhr

Guben
Wilkestift als Brückenbauer

Pastor Stefan Süß, Rektor der Wilkestiftes, im Gespräch mit Gästen des Neujahrsempfangs. Eingeweiht wurde an diesem Tag auch das neue Chirurgische Ambulanzzentrum.
Pastor Stefan Süß, Rektor der Wilkestiftes, im Gespräch mit Gästen des Neujahrsempfangs. Eingeweiht wurde an diesem Tag auch das neue Chirurgische Ambulanzzentrum. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Gubener Krankenhaus informiert bei Neujahrsempfang über grenzüberschreitendes Projekt. Von Silke Halpick

Das Naemi-Wilke-Stift in Guben startet mit einem Neujahrsempfang in sein Jubliäumsjahr. Vor 140 Jahren gründete der Hutfabrikant Friedrich Wilke die kleine Privatstiftung, die heute rund 400 Menschen Arbeit gibt. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung. Im Mittelpunkt stand das EU-Projekt „Gesundheit ohne Grenzen“.

„Wir verstehen uns als Brückenbauer“, betont Gottfried Hain, Verwaltungsdirektor des Naemi-Wilke-Stiftes. Mithilfe des EU-Projektes soll die grenzübergreifende medizinische Versorgung ausgebaut werden. Schon im vergangenen Jahr wurden in den Einrichtungen des Wilkestiftes fast 900 polnische Patienten behandelt, darunter mehr als 300 Notfälle. „An den Zahlen sieht man, dass der Bedarf vorhanden ist“, sagt Hain.

Doch nach wie vor fehlt es an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Hain spricht von einem „Riesen-Lebensrisiko“ für die Menschen im polnischen Teil der Doppelstadt. In Notfallsituationen müssen sie ins 60 Kilometer entfernte Hospital in Zielona Gora (Grünberg) gefahren werden, obwohl das Gubener Krankenhaus die Behandlung viel schneller übernehmen könnte.

Bereits seit einigen Jahren setzt sich das Wilkestift für eine grenz­überschreitende Notfallversorgung ein. Nötig dafür ist ein zwischenstaatliches Abkommen. Hain ist zuversichtlich, dass ein solches sogar noch in diesem Jahr unterschrieben werden könnte. Als Vorbild für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gilt die Landesklinik Gmünd (Österreich), die bereits seit zehn Jahren mit einem tschechischen Partner zusammenarbeitet.

„Wir fangen mit kleinen Schritten an“, sagt Gesundheitskoordinatorin Anna Wróbel. Rund 85 Mitarbeiter des Wilkestiftes haben bereits den ersten Polnisch-Sprachkurs für Mediziner absolviert. Krankenhausformulare und Flyer wurden übersetzt. Im Krankenhaus gibt es ein mehrsprachiges Wegeleitsystem.

Bis 2019 soll eine Machbarkeitsstudie zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung gemeinsam mit der Euroregion Spree-Neiße-Bober erarbeitet werden – auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Schon heute gibt es im Bereich der Euroregion Spree-Neiße-Bober zu wenig niedergelassene Ärzte. Auf der deutschen Seite kommen vier Mediziner auf 1000 Patienten, auf der polnischen Seite sogar nur 1,3 Ärzte.

In Polen ist die Gesundheitsvorsorgung sogar „verfassungsrechtlich verankert“, betont Czeslaw Fiederowicz, langjähriger Präsident der Euroregion Spree-Neiße-Bober und ehemalige Bürgermeister der Stadt Gubin. Er bedauert die Schließung des Krankenhauses in Gubin. Seiner Ansicht nach hängt die Zukunft der Gesundheitsversorgung an der Grenze vor allem von der Akzeptanz bei den politischen Entscheidungsträgern ab. „Unnötig lange Krankenfahrten vermeiden“ und dadurch „Leben retten“ will auch Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU), wie er sagt. „Dazu brauchen wir rechtliche Rahmenbedingungen und die Unterstützung der Brandenburger Landesregierung“, sagt er.

In der Landesklinik in Gmünd sollen künftig die Patienten nicht nur in Notfällen und ambulant grenz­überschreitend versorgt werden, sondern bald auch stationär. Das kündigt Standortchef Karl Binder an. Besonders stolz sind die Initiatoren    darauf,   dass    ihr   Projekt „Health across“ jetzt sogar eine eingetragene Marke ist.