ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:23 Uhr

Guben
Gubener Kirchengemeinde feiert ihre großen Geister

Guben. Mitte April werden der Dichter und Liedtexter Johann Franck und der Komponist Johann Crüger geehrt.

Am 1. Juni jährt sich zum 400. Mal der Geburtstag von Johann Franck (1618-1677), einst  Poet und Bürgermeister der Stadt Guben. Er  gehört neben Paul Gerhardt zu den  bedeutendsten Liederdichtern seiner Zeit, dessen Liedtexte  auch noch heute weltweit gesungen werden. Diese wurden unter anderem vertont von dem in Groß Breesen geborenen  Melodienschöpfer, Komponisten und mit Johann Franck befreundeten Johann Crüger  (1598-1662), dessen 420. Geburtstag 2018 ebenso gefeiert wird, kündigt der Gubener Kirchenmusiker Hansjürgen Vorrath an.

Noch im heutigen Evangelischen Gesangbuch seien zwei Lieder, der  beiden Gubener: „Jesu, meine Freude“ und das Lied „Schmücke dich, o meine Seele“. Vor allem Letzteres wurde jahrelang  zu Abendmahlsgottesdiensten in der Stadt- und Hauptkirche gesungen.  Darüber hinaus schuf Johann Franck weltliche Lieder und Gedichte. Viele davon zählen zu Gelegenheitsdichtungen sowie zu den Liebesgedichten und zur Natur- und Heimatlyrik, erklärt Vorrath.

Eines der weniger bekannten Lieder, die ebenfalls von Johann Crüger vertont wurden, hat es bis in die internationale Filmwelt geschafft:  „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, komm und führe mich nur fort;  löse meines Schiffleins Ruder,  bringe mich an sichern Port.“ Die Zeilen stammen aus der sechsten Strophe des Liedes „Du, o schönes Weltgebäude“, erklärt Vorrath. Der aus Voralberg stammende Schriftsteller Robert Schneider schrieb 1992 den Roman „Schlafes Bruder“. Dieser wurde im Jahre 1995 von dem deutschen Regisseur Joseph Vilsmaier auf die Filmleinwand gebracht. Das aus der Feder der beiden Gubener stammende Lied untermalt in verschiedenen Variationen, unter anderem auch als Choralvertonung von Johann Sebastian Bach, das Filmgeschehen. Als die Romanfigur, der 22-jährige Elias, gegen Ende des Films über diesen Choral auf der Orgel im Feldberger Dom in mitreißender Art und Weise improvisiert, wird der musikalische Höhepunkt erreicht, schwämrt Vorrath. Der Film „Schlafes Bruder“ wurde in Guben  bei der ersten Klosterkirchennacht 1998 gezeigt.

Von Johann Franck ist laut Vorrath aber nicht viel überliefert. Lediglich ein Fensterbild in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben verrate eventuell etwas über das Aussehen des Poeten und einstigen Gubener Bürgermeisters, räumt Vorrath ein. Der in der Zeit von 1869 bis 1913 als Oberlehrer am Gubener Gymnasium tätige Hugo Jentsch (1840-1916) habe mit seinem Büchlein „Johann Franck von Guben“ einen kleinen Einblick in das Leben des Jubilars gegeben. Diese Seiten werden demnächst von dem Gubener Stadtchronisten und Herausgeber Andreas Peter neu aufgelegt, kündigt Vorrath an.

Die Evangelische Kirchengemeinde Region Guben möchte vom 13. bis 15.  April mit „...einem Wochenende mit zwei Gubener Größen“ an das Leben und Wirken von Johann Frank und Johann Crüger erinnern.

Die Festtage beginnen am Freitag, 13. April. Ab 20 Uhr stehen in der Klosterkirche die Buntglasfenster der Kirche im Mittelpunkt des Geschehens. Der Berliner Künstler Helge Warme gestaltete die Fenster in den Jahren 1998/99 in abstrakter Kunstrichtung auch nach dem Lied  „Jesu, meine Freude“. Almut Wilke und Karin Freitag werden den Abend musikalisch ausgestalten. Dieser wird mit einer Bratwurst und mit dem Blick auf die von innen beleuchteten Farbfenster sowie mit vom Bläserkreis der Klosterkirche gespielten Chorälen von Johann Franck und Johann Crüger im Pfarrgarten beendet.

Einen Nachmittag mit Johann Franck und Johann Crüger können Besucher am Samstag, 14. April um 14.30 Uhr in der Dorfkirche Groß Breesen erleben. Zu Beginn erklingt die Kantate „Jesu, meine Freude“ von Dietrich Buxtehude. Anschließend wird der Ortschronist Ulrich Stephan einiges über Johann Crüger erzählen. Des weiteren musiziert der Blockflötenkreis der Städtischen Musikschule, die seit 1998 den Namen Crügers trägt. Der Chor der Klosterkirche Guben singt Choralsätze mit Texten von Johann Franck und Melodien von Johann Crüger. Außerdem gibt es ein gemütliches Kaffeetrinken in der Kirche  gesorgt. Gegen 16.45 Uhr wird der Nachmittag mit einer Andacht beendet. An diesem Tag wird auch eine kleine Franck-Crüger-Ausstellung in der Groß Breesener Kirche Interessantes verraten, verspricht Hansjürgen Vorrath.

Das Wochenende mit Johann Franck und Johann Crüger findet mit dem Festgottesdienst am Sonntag, dem 15. April um 10.30 Uhr in der Gubener Klosterkirche seinen Abschluss. Die Festpredigt hält  Uwe Weise, einst ein Gubener, jetzt Pfarrer an der Oberkirche in Cottbus.