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Gubener gestalten die Zukunft

Demografisches Landunter? Guben wird im Jahr 2030 die Stadt mit der zweitältesten Einwohnerschaft Deutschlands sein. Das sagen Prognosen voraus. Mit der Stadtentwicklungsstrategie sollen Instrumente zum Gegensteuern und Gestalten geschaffen werden.
Demografisches Landunter? Guben wird im Jahr 2030 die Stadt mit der zweitältesten Einwohnerschaft Deutschlands sein. Das sagen Prognosen voraus. Mit der Stadtentwicklungsstrategie sollen Instrumente zum Gegensteuern und Gestalten geschaffen werden. FOTO: Althaus
Guben. Die Gubener sollen gemeinsam in die Zukunft gestalten und die in die Jahre gekommene Stadtentwicklungsstrategie bis zum Jahr 2030 fortschreiben. Prognosen zufolge wird die Neißestadt dann die zweitälteste Stadt Deutschlands sein. Auf der Suche nach Visionen sind ausdrücklich auch Bürgermeinungen gefragt. Silke Halpick

"Das Thema geht uns alle an", sagt Carola Huhold. Der Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung ist klar, dass Guben vor großen Herausforderungen steht: Die Stadt schrumpft und die Menschen werden immer älter. Prognosen zufolge wird im Jahr 2030 die Hälfte aller Neißestädter im Schnitt 62,8 Jahre alt sein. Dann ist Guben hinter Bad Füssing (Passau) die zweitälteste Stadt Deutschlands. Auch die Zahl der Einwohner wird noch einmal um rund 25 Prozent auf 13 000 zurückgehen.

Immer weniger Gubener verursachen ein weiteres Problem: zu viel leer stehende Wohnungen. In den letzten zwölf Jahren wurden bereits 2500 Wohnungen abgerissen. Bis zum Jahr 2030 wird mit nochmals 3000 nicht mehr benötigten Einheiten gerechnet. Rückbauschwerpunkt bleibt die Obersprucke, auch wenn vom Komplettabriss einzelner Wohnkomplexe keine Rede mehr ist. "Der Rückbau erfolgt von außen nach innen", betont Carola Huhold. Gestärkt werden soll vor allem die Altstadt.

Was Guben fehlt, sind junge Menschen, "vor allem die 30- bis 45-Jährigen", betont die Stadtteilmanagerin. Zu dieser Altersgruppe zählen zwar viele der Flüchtlinge, die aktuell aus Syrien und anderen Krisenregionen auch in die Neißestadt kommen. Allerdings weiß niemand, ob sie tatsächlich bleiben oder in Großstädte weiterziehen beziehungsweise in ein paar Jahren in ihre Heimat zurückkehren. Momentan profitiert die Stadt Guben von den rund 600 Asylbewerbern. Erstmals seit Jahren liegt die Einwohnerzahl von Guben dadurch wieder über 18 000 Menschen.

Wie soll aber eine Stadt aussehen, in der vorwiegend Menschen jenseits der 60 leben werden? Das ist die große Frage, mit der sich auch das neue Integrierte Stadtentwicklungskonzept (kurz: Insek) auseinandersetzen muss. Dessen Vorgängerversion aus dem Jahr 2007 bringt es bereits auf stattliche 200 A4-Seiten. Ist-Zustand, Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken werden darin analysiert und strategische Entwicklungsziele benannt.

"Zu unseren Schwächen gehören neben dem Bevölkerungsverlust und der Überalterung auch die räumliche Randlage, die fehlende Autobahnanbindung, die Fachärzteversorgung sowie Probleme mit der Sicherheit", zählt Huhold auf. Punkten kann Guben hingegen als regionaler Wirtschaftsstandort und mit der seit Jahren stabilen Anzahl sozialversicherungspflichtiger Jobs in Höhe von 6000. Schule und Wirtschaft sind stark miteinander vernetzt. Die Neißestädter zeigen sich zivilgesellschaftlich stark engagiert und setzen sich für Erneuerbare Energien sowie den Klimaschutz ein.

"Wir müssen uns fragen, wie wir in Guben leben und was wir uns leisten können und wollen", betont die Stadtplanerin. Das Feld ist weit gesteckt und berührt quasi alle Bereiche des öffentlichen Lebens: von der Schwimmhalle bis zur städtischen Musikschule, der Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs bis zur künftigen Schul- und Vereinslandschaft, den Folgen des Vattenfall-Rückzugs aus der Region bis zur Nachwuchsgewinnung und Stärkung des Mittelstandes.

Deshalb sollen sich möglichst auch viele Gubener mit ihren Ideen einbringen. Ein öffentliches Stadtforum findet am 18. Januar, von 18 bis 20 Uhr, in der Alten Färberei in Guben statt. 150 Einladungen sind bereits an verschiedene Akteure in der Stadt verschickt. Doch auch alle interessierten Bürger sind eingeladen. "Wer sich jetzt nicht einbringt, braucht später nicht zu meckern", betont Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro.

Zum Thema:
"Gube(i)n - gut zu leben" - mit diesem Logo will die Neißestadt künftig für sich werben. Entwickelt wurde es auf der ersten Klausurtagung zur neuen Stadtentwicklungsstrategie, an der Stadtverordnete, Rathausmitarbeiter und Vertreter aus der Wirtschaft teilnahmen. Es löst das alte Markenzeichen: "Guben - eine Stadt im Aufbruch" ab.