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| 15:10 Uhr

Bürgermeisterwahlen
Gubener fragen kritisch nach

Viele Gubener nutzen die Möglichkeit, ihre Frage direkt an die Kandidaten zu stellen.
Viele Gubener nutzen die Möglichkeit, ihre Frage direkt an die Kandidaten zu stellen. FOTO: Foto-Werner
Guben. Bürgermeister-Kandidaten zeigen Gesicht beim RUNDSCHAU-Forum in der vollen Alten Färberei. Von Michèle-Cathrin Zeidler und Silke Halpick

Großer Rummel herrscht in der Alten Färberei am Donnerstagabend: Hier stellen sich die vier Bürgermeister-Kandidaten im Rahmen der RUNDSCHAU-Veranstaltungsreihe „LR vor Ort“ den Fragen ihrer Wähler. Rund 170 Gubener sind da. Und sie sind keineswegs zurückhaltend.

Warum es dem amtierenden Bürgermeister Fred Mahro (CDU) in den vergangenen sieben Jahre nicht gelungen ist, eine eigene Handschrift in der Stadt zu hinterlassen, wird gefrag. Mahro räumt erst zurückhaltend ein, dass er als Stellvertreter überraschend die Rolle des Stadtchefs übernehmen musste, wobei der zeitliche Rahmen immer unklar war. Später fallen ihm doch einige seiner Erfolge ein wie die Sanierung der Alten Poststraße, der Kampf gegen das Hochwasser oder die höhere Polizeipräsenz nach der Raubserie vor zwei Jahren.

In der Diskussion kann der amtierende Bürgermeister mit seinen Fachkompetenz punkten. Im Vergleich zu seinen Herausforderern fehlt ihm die Angriffslust. Daniel Münschke (AfD) hält sich weniger zurück, kritisiert die Kommunalpolitik der vergangenen Jahre und Mahro  als dafür Verantwortlichen. Münschke fühlt sich aufgrund seines jugendlichen Alters klar im Vorteil und vergleicht sich sogar mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron.

Rhetorisch stark und dynamisch kommt der AfD-Mann rüber. Allerdings gibt es bei einigen Fachfragen noch Potenzial. So fordert er die Staffelung des Kitabeitrages nach dem Einkommen der Eltern. Das wird schon längst praktiziert, klärt ihn Steffen Krautz, SPD-Kreistagsabgeordneter, auf. Münschke will den Wegzug stoppen sowie „gestalten statt verwalten“.

Das ist auch das Wahlmotto des Bürgermeisterkandidaten Peter Stephan.  Der ist einem „kreativen Ideenaustausch“ grundsätzlich nicht abgeneigt, wie er mit einem Augenzwinkern einräumt. Der von den Linken Nominierte punktet an diesem Abend vor allem mit seiner Nähe zum Publikum. Er habe „alle schon gesehen“ - auch außerhalb des Saales, wie er betont.

Stephan steht wie kein Zweiter für die soziale Politik der Linken und für eine „andere Herangehensweise“. Er will die Bürger mehr beteiligen und das Ehrenamt „täglich wertschätzen“.  Als Ur-Gubener kennt er die Probleme der Stadt, stellt aber selbst bei Wirtschaftsthemen und Sicherheitsfragen schnell wieder den sozialen Aspekt in den Vordergrund. Hier fühlt er sich wohl.

Harald Knoll (FDP) will die Wähler mit seiner liberalen Handschrift überzeugen. Doch selbst bei seinem Lieblingsthema Stadtumbau zeigt der Berufspendler teils fachliche Defizite, was speziell die Gubener Situation betrifft. Er will die Obersprucke retten, stellt den Abriss von außen nach innen infrage und favorisiert die Schaffung von Wohneigentum.

Diskutiert wird rund 130 Minuten. Auch im Anschluss an den offiziellen Teil müssen die Kandidaten noch einzelne Anfragen beantworten.