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Guben
Fabrik jetzt im Volkshaus

Karsten Geilich vom Fabrikverein freut sich auf die neue Volkshaus-Zeit. Schon Mittwochabend tritt hier Lilo Wanders auf.
Karsten Geilich vom Fabrikverein freut sich auf die neue Volkshaus-Zeit. Schon Mittwochabend tritt hier Lilo Wanders auf. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Gubener Verein zieht um und wagt Neustart nach Auslaufen des Fördervertrages. Von Silke Halpick

Das Gubener Volkshaus erwacht zu neuem Leben: Im Saal des einstigen Hotels „Kronprinz“ werden Stars wie Lilo Wanders, Gunther Emmerlich, Die Schäfer oder Horst Evers auftreten. Im benachbarten Hostel können künftig bis zu 73 Gäste schlafen. Rund eine Million Euro hat der Ausbau der leer stehenden Immobilie gekostet.

Karsten Geilich schiebt sich noch schnell ein Häppchen in den Mund, dann startet der Rundgang durch das neue Domizil des Fabrikvereins. Seit rund vier Wochen wird bereits umgezogen. Vom ehemaligen Sitz in der Mittelstraße ins legendäre Gubener Volkshaus, in dem zu DDR-Zeiten Theater gespielt, Galas sowie Tanzveranstaltungen gegeben wurden. Hier will der Verein jetzt seinen Neustart wagen.

Die bisherige Fabrik-Ära endet am 30. Juni. Dann läuft der Vertrag mit der Stadt Guben zur Förderung der Kultur- und Jugendarbeit aus. Bereits seit Jahren wird über die Finanzierung gestritten. Momentan läuft ein Interessenbekundungsverfahren. Über den aktuellen Stand will Fachbereichsleiterin Mandy Große mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sprechen.

Schon beim ersten Ausschreibungsversuch gab es nur einen Bewerber: den Fabrikverein. Nun werden die drei Teilbereiche Kultur, Jugendarbeit und Gastronomie einzeln ausgewiesen. Aus Sicht des Fabrikvereins kann das nicht funktionieren. Wer in einer Stadt wie Guben „hochwertige Kultur“ anbieten will, müsse „mehr investieren“, begründet Karsten Geilich. Der Verein hat sich nicht nochmal beworben.

Stattdessen setzt man auf einen Neuanfang im Volkshaus. Das Ambiente sei „heller und freundlicher“, so Geilich. Der Saal des einstigen Hotels „Kronprinz“ fasst 400 Stühle und bis zu 600 Personen. Damit verdoppelt sich die Kapazität im Vergleich zum alten Standort. Das wiederum mache das Lokal für Agenturen interessant, die mit ihren Künstlern gleich komplette Häuser anmieten, erklärt Geilich. Als Beispiel nennt er das ausverkaufte Michael-Hirte-Konzert im November 2017, damals noch in der Fabrik.

Angst vor dem Schritt in die finanzielle Selbständigkeit hat der Verein offensichtlich nicht. „Für uns gab es nur wenig Perspektiven, entweder aufgeben oder etwas Neues suchen“, sagt Geilich. Mit der Rheinland-Immobilienverwaltungs AG (Rivag) als Besitzer des Volkshauses seien günstige „Übergangsregelungen“ gefunden worden.

Allerdings hofft Geilich auch weiter auf Unterstützung der Stadt. „Ganz ohne Förderung wird es nicht funktionieren“, begründet er. Ermöglichen soll dies die neue Kulturförderrichtlinie der Stadt. Nach dieser können auch gemeinnützige Vereine, Organisationen und Verbände künftig einen Zuschuss zu den Miet- und Betriebskosten bis maximal 75 Prozent beantragen. Über den Zuschlag entscheiden die Stadtverordneten.

Als erster Star im neuen Haus wird schon Mittwochabend die Travestiekünstlerin Lilo Wanders erwartet. Gabi Decker folgt am Samstag mit ihrer kabarettistischen Lesung „Lassen Sie mich durch, mein Mann ist Arzt“. Im Mai ist die Eröffnung des Außenbereichs geplant. „Das wird kein klassischer Bier-, sondern ein Kulturgarten“, betont Geilich. Viele der Open-Air-Veranstaltungen sollen kostenfrei sein, auch um Neugierige anzulocken. Die Gaststätte heißt jetzt „Kronprinz“ und bietet Platz für bis zu 50 Personen.

Das Gubener Volkshaus gehört seit Frühjahr 2016 der Rivag, die es vom Gemeinnützigen Berufsbildungsverein (GBV) Guben erwarb. Der Umbau zu einem Hostel war von Anfang an geplant. Insgesamt 73 Betten in 15 Zimmern stehen den potenziellen Gästen ab kommender Woche zur Verfügung. Vermietet werde bettenweise zu Preisen ab 15 Euro, wie Matthias Mengdehl von der Rivag erklärt. Die Nachfrage sei da, vor allem von Schulklassen, Baubetrieben und dem Gubener Plastinarium.