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| 17:44 Uhr

Guben
Gubener Fabrik droht Leerstand

Noch ist der Fabrikverein im Jugend-Begegnungszentrum in der Mittelstraße ansässig. Doch der Mietvertrag für das 2005 mit Fördermitteln sanierte Objekt der Stadt läuft Mitte des Jahres aus.
Noch ist der Fabrikverein im Jugend-Begegnungszentrum in der Mittelstraße ansässig. Doch der Mietvertrag für das 2005 mit Fördermitteln sanierte Objekt der Stadt läuft Mitte des Jahres aus. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Mietvertrag zwischen Stadt und Verein läuft Mitte 2018 aus. Offenbar ist ein Umzug geplant. Von Silke Halpick

Was wird aus der Gubener Fabrik? Der Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Fabrikverein läuft Mitte des Jahres aus. Eine Verlängerung ist nicht in Sicht. „Wir wollen auch weiter Kultur für die Gubener anbieten“, sagt Karsten Geilich, Geschäftsführer des Fabrikvereins. An der geplanten Neuausschreibung will man sich allerdings nicht mehr beteiligen, „weil wir der Meinung sind, dass die drei Bereiche Kultur, Gastronomie und Jugendarbeit nicht einzeln betrieben werden können“, begründet Geilich.

Der Verein macht schon seit mehr als zehn Jahren Kultur- und Jugendarbeit im Auftrag der Stadt – im Jugend-Begegnungszentrum in der Mittelstraße. Allerdings wurde der Zuschuss dafür immer weiter gekürzt. Die aktuelle Förderung reicht dem Verein zufolge nicht aus. 2016 lief ein Defizit von 14 000 Euro auf. Es gab Nachforderung und letztlich die Entscheidung der Stadtverordneten, die Leistungen neu auszuschreiben.

„Der Vereinsvorstand hat beschlossen, sich nicht an der neuen Ausschreibung zu beteiligen“, sagt der Fabrikchef, der gut gelaunt am Schreibtisch sitzt. Vor ihm liegen Eintrittskarten für eine Show mit Lilo Wanders am 11. April. Allerdings wird der Travestistar nicht in der Fabrik, sondern im Gubener Volkshaus auftreten. So steht es auf der Internetseite des Fabrikvereins.

Gerüchte, dass der Verein in das nur ein paar Hundert Meter weit entfernt liegende Volkshaus einziehen will, gibt es schon seit mehreren Wochen. Offiziell bestätigen will das Karsten Geilich allerdings nicht. Das Haus in der Bahnhofstraße gehört der Rheinland-Immobilienverwaltungs AG (Rivag) mit Sitz in Guben. Diese hatte die Immobilie im März 2016 gekauft und plant den Umbau in ein Hostel.

Das Volkshaus ist vielen Gubenern bestens bekannt und überaus beliebt. Bis zur Wende fanden hier zahlreiche Tanzveranstaltungen statt, von 1945 bis 1950 zeigte das Gubener Stadttheater hier seine Aufführungen. Der Saal hat eine doppelt so hohe Kapazität wie das bisherige Domizil des Fabrikvereins, der eigenen Angaben zufolge künftig mit hochkarätigen Stars mehr Gäste aus dem Umland an die Neiße locken will.

„Das Level des Hauses anheben“ nennt Geilich das neue Konzept. Dabei wird auf große Namen gesetzt, wie Chris Doerk, Gregor Gysi, Wolfgang Stumpf, Horst Evers oder „Die Schäfers“, eine Kultgruppe der deutschen Volksmusik. Das ausverkaufte Konzert von Michael Hirte im November 2017 habe gezeigt, dass das Interesse an solchen Veranstaltungen hoch ist, sagt Geilich. Dem will sich der Verein stellen.

Bleibt die Frage: Was wird aus dem Jugend-Begegnungszentrum in der Mittelstraße, wenn der bislang größte Mieter auszieht? Das will beispielsweise auch der Abgeordnete Werner Fuchs (Grüne) auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung wissen. Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro ist „optimistisch“, wie er sagt, dass das Haus nicht lange ungenutzt bleibt.

„Es gibt bereits Gespräche mit anderen Vereinen und dritten Akteuren“, erklärt Pressesprecher Bernhard Schulz auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Auch das Werk Zwei, das der Fabrikverein bereits im Jahr 2015 aufgrund der finanziellen Schieflage aufgab, werde mittlerweile zumindest „temporär“ genutzt, so Schulz.

Ziemlich zäh gestaltet sich aber offensichtlich das Ausschreibungsverfahren. Beim ersten Anlauf im Juli 2017 gab es nur einen Interessenten: den Fabrikverein. Im zweiten Versuch sollen nun alle drei Teilbereiche Kultur, Jugend und Gastronomie einzeln ausgeschrieben werden. Mit der Zuschlagserteilung rechnet die zuständige Fachbereichsleiterin Mandy Große Anfang Juni 2018, wie sie auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses erklärte.