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| 17:38 Uhr

Guben
Heiße Diskussion zu Brandeinsatz

In dem Wohnhaus in der Kaltenborner Straße in Guben hatte es am 1. März 2018 gebrannt. 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz, vier Menschen wurden aus dem brennenden Haus gerettet.
In dem Wohnhaus in der Kaltenborner Straße in Guben hatte es am 1. März 2018 gebrannt. 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz, vier Menschen wurden aus dem brennenden Haus gerettet. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Nach Feuer im Mietshaus kam 73-jähriger Mann fast unbekleidet in der Notunterkunft an. Von Silke Halpick

Der Brand im Wohnhaus in der Kaltenborner Straße vor zwei Wochen sorgt jetzt für hitzige Diskussionen. In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wurde kritisiert, dass einer der Geretteten in Unterwäsche in der Notunterkunft ankam. Am Tag des Brandes war es  minus 10 Grad kalt. Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro weist den Vorwurf, der Einsatz sei chaotisch verlaufen, strikt zurück.

Aus Sicht des Wehrführers Rico Nowka verlief der Löscheinsatz  am 1. März „geordnet und erfolgreich“, wie er sagt. Er verweist auf die erfolgreiche Bilanz: Vier Menschen, die am Fenster auf Hilfe warteten, wurden aus dem brennenden Mehrfamilienhaus gerettet, das Feuer gelöscht und ein Übergreifen auf Nachbarhäuser verhindert. Dass während des Einsatzes einer der Bewohner nur mit Unterwäsche bekleidet auf der Straße gestanden haben soll, kann Nowka nicht bestätigen. Das habe er nicht gesehen, wie er betont.

In der Kaltenborner Straße herrschte am Einsatztag Hochbetrieb. Nach Auskunft der Leitstelle Lausitz waren zwölf Feuerwehrfahrzeuge, drei Rettungswagen, zwei Krankentransportwagen sowie die Sondereinsatzgruppe des DRK vor Ort. Fünf Menschen wurden wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gefahren, konnten aber kurze Zeit später wieder entlassen werden.

In der Notunterkunft in der Deulowitzer Straße soll ein weiterer 73-jähriger Hausbewohner angekommen sein, der nur mit Unterwäsche bekleidet war und fror, wie der Stadtverordnete Peter Stephan von der Linken-Fraktion kritisiert. Für ihn stellt sich die Frage, warum dem Betroffenen keine Decke angeboten wurde und ob die Stadt keinen Katastrophenplan habe.

Auf die Kritik des Wahlkampfgegners reagiert der amtierende Bürgermeister Fred Mahro (CDU) ungewöhnlich gereizt. Als Abgeordneter sollte Stephan doch wohl den Katastrophenplan der Stadt kennen, betont er. Kritik, dass der Einsatz chaotisch verlaufen sei, weist Mahro zurück. Während der Rettungsaktion und danach sei „niemand zu schaden gekommen“, erklärt er gegenüber der RUNDSCHAU.

Allerdings räumt der Rathauschef ein, dass er sich dem Vorwurf, dass niemand dem Geschädigten eine Decke um die Schulter gelegt habe, stellen müsse. Der Einsatz soll nun im Nachgang ausgewertet werden, kündigt er an. Dabei gehe es auch darum, Punkte, die nicht so optimal gelaufen seien, bei künftigen Rettungsaktionen besser zu machen.

An der Auswertung will voraussichtlich auch Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer teilnehmen, wie gestern aus dessen Fachbereich zu erfahren war. Kätzmer selbst war nicht im Haus. Allerdings kenne man den Vorwurf, dass ein Bewohner nicht ordnungsgemäß versorgt wurde, nicht. „Grundsätzlich darf so etwas nicht passieren“, stellt Stephan Grothe vom Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises klar.

Bei dem Brand vor zwei Wochen haben die insgesamt zehn Hausbewohner ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Drei von ihnen leben nach Angaben der Stadt jetzt bei Verwandten, sieben in der Notunterkunft in der Deulowitzer Straße. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an, wie die Polizei informiert.

Der überwiegende Teil der Menschen in der Notunterkunft hat rechtliche Betreuer. Mit diesen sowie die Geschädigten selbst stehe die Stadt  Guben „ständig in Kontakt“, wie Mahro auf Nachfrage betont. Er selbst sei froh, dass die Unterbringung im Wohnheim in der Deulowitzer Straße so kurzfristig möglich war. Das Haus gehört der  Rheinland Immobilienverwertungs AG (Rivag).

Die Unterbringung in den Notunterkünften sei nur eine kurzfristige Variante, wie Matthias Mengdehl von der Rivag erklärt. Derzeit werde eine Etage des Hauses 1 für eine teilbetreute Seniorenwohngruppe umgebaut, in die künftig auch die ehemaligen Mieter aus der Kaltenborner Straße  einziehen sollen. „Die Arbeiten dafür werden noch zwei bis vier Wochen dauern“, sagt Mengdehl.