Die Situation im GBV Guben war Thema in der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung. Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) stellte einen entsprechenden Bericht vor, so die Vorsitzende Kerstin Nedoma (Linke). Demnach denke die Geschäftsführung über Umstrukturierungen im Angebot nach, um die sinkenden Zuwendungen durch die Bundesagentur für Arbeit aufzufangen.

Im Sommer hatte die GBV-Außenstelle in Cottbus den Zuschlag für das erste Reha-Ausbildungsjahr in sechs Berufen erhalten. Von möglichen drei Jahrgängen lernen in den Gubener Werkstätten deshalb nur noch zwei. Ihren berufstheoretischen Unterricht erhalten die Cottbuser Azubis vor Ort am Oberstufenzentrum (OSZ) I und am OSZ II in Forst - nicht an der Ersatzschule in Guben.

Für die Neißestadt hätte eine Verlagerung des GBV nach Cottbus Auswirkungen: “Die Schließung des Standortes wäre ein echtes Problem. Gerade jetzt, wo sich die Bevölkerungsentwicklung einigermaßen stabilisiert hat„, sagt Bürgermeister Hübner. “Guben würde qualifiziertes Personal und wichtige Kaufkraft verlieren.„ Wer täglich pendelt, gebe sein Geld nicht mehr in Guben aus. Hinzu komme der Leerstand: Sechs große Immobilien sind GBV-Eigentum. Auch sei nicht auszuschließen, dass Mitarbeiter nach Cottbus umziehen.

Laut Hübner hatte sich der GBV bereits im Frühjahr an ihn gewandt. Die Stadtverwaltung wolle sich nun bemühen, den Verein in kleine Projekte wie das Bund-Länder-Programm “Soziale Stadt„ einzubinden. “Komplett auffangen können wir ihn aber nicht„, so Hübner.

Aus GBV-Mitarbeiterkreisen heißt es derweil: Der Gubener Standort sterbe. Die Stimmung sei im Keller, weil es an Planungssicherheit fehle. Schon jetzt müssten zahlreiche Lehrer tageweise pendeln.

Die GBV-Geschäftsführerin Sabine Gesche will sich trotz mehrfacher RUNDSCHAU-Nachfrage nicht äußern. In einem Telefonat hatte sie die schwierige Situation bestätigt - die Bitte um ein offizielles Statement blieb jedoch unbeantwortet. Projektmanager Klaus Rogasch wies Spekulationen zurück: “Wir gehen nicht davon aus, dass der Standort in Guben aufgegeben wird„, sagte er. Schließlich habe der GBV neben der Reha-Ausbildung noch weitere Geschäftsfelder.

Zum Thema:
Der Gemeinnützige Berufsbildungsverein Guben (GBV) wurde 1991 gegründet. Die Außenstelle in Cottbus wurde 2003 eröffnet. 2007 eröffnete die Ersatzschule. Der GBV beschäftigt mehr als 150 Mitarbeiter. Im Jahr 2009 nahmen rund 400 Personen an Maßnahmen teil.Kernbereich des Trägers ist - neben Projekten, der Erwachsenenweiterbildung und Berufsvorbereitung - die überbetriebliche Rehabilitanden-Ausbildung u.a. in Ernährung, Gartenbau und Metall. Werkstätten stehen bereit. Azubis sind benachteiligte und lernbehinderte Jugendliche.