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Bahnpläne
Gubener Bahnübergängen droht das Aus

Die beiden Bahnübergänge in der Grunewalder Straße müssen bis spätestens zum Jahr 2021 erneuert werden. Die eine Schrankenanlage führt über die Bahnstrecke in Richtung Gubin (l.), die andere in Richtung Frankfurt (Oder).
Die beiden Bahnübergänge in der Grunewalder Straße müssen bis spätestens zum Jahr 2021 erneuert werden. Die eine Schrankenanlage führt über die Bahnstrecke in Richtung Gubin (l.), die andere in Richtung Frankfurt (Oder). FOTO: Halpick
Guben. Die Deutsche Bahn muss die beiden Bahnübergänge in der Grunewalder Straße in Guben bis zum Jahr 2021 technisch aufrüsten. Wenn es nach den Vorstellungen des Unternehmens geht, werden sie anschließend für den Verkehr geschlossen. Silke Halpick / sha

Dagegen wehrt sich jedoch die Stadt Guben.

"Für uns kommt eine Schließung nicht infrage", stellt Sven Rogosky, Baufachbereichsleiter im Gubener Rathaus, auf der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Donnerstagabend klar. Laut Stadtumbau-Strategie soll die Gubener Altstadt aufgewertet werden. Deshalb müsse auch der Zugang über die Grunewalder Straße gewährleistet bleiben, begründet er. Wichtig sei das auch im Fall einer Havarie.

Die Grunewalder Straße führt in Richtung Groß Breesen - fast parallel zur Kupferhammerstraße, in die sie nach den beiden Schrankenanlagen über die Bahngleise der Strecken Guben - Gubin und Guben - Frankfurt (Oder) auch mündet. Am Ende der Straße hat der Gubener Wasser- und Abwasserzweckverband (GWAZ) einen Sitz. Deshalb befürchtet der Stadtverordnete Steffen Buckel-Ehrlichmann (Linke), dass künftig die Fäkalien über die Bahnhofstraße abtransportiert werden müssen. "Das wäre die Konsequenz aus der Schließung", betont er.

Für die Deutsche Bahn hingegen ist jeder nicht geöffnete Bahnübergang mit Blick auf die Sicherheit und die laufenden Betriebskosten die beste Lösung. Die Schließung beider Übergänge sei auch die kostengünstigste Variante bei der Sanierung, wie Diego Ulrich von der Deutschen Bahn erklärt. Mit knapp 700 000 Euro rechnet er, wenn die Anlage über die Bahnstrecke nach Frankfurt (Oder) komplett geschlossen wird und die in Richtung Gubin nur noch für Radfahrer und Fußgänger offenbleibt.

"Wir wissen aber, dass die Stadt die Schließung nicht will", räumt Ulrich ein. Deshalb stellt er weitere Varianten vor. Der Vollausbau beider Übergänge mit Lichtzeichen und einem Kreuzungsbereich, der groß genug für zwei entgegenkommende Lastzüge ist, kostet den Angaben zufolge 1,8 Millionen Euro. Die Stadt als Straßenbaulastträger muss mit einem Eigenanteil von 380 000 Euro rechnen.

Die Vorzugsvariante der Stadt ist allerdings eine andere: Beide Übergänge werden voll ausgebaut. Zusätzlich soll der Radweg, der derzeit parallel zur Frankfurter Bahnstrecke verläuft und in die Kupferhammerstraße einmündet, auch für den Pkw-Verkehr ausgebaut werden. Das kostet insgesamt 3,8 Millionen Euro und ist mit Abstand die teuerste Möglichkeit. Der Eigenanteil der Stadt liegt bei 1,07 Millionen Euro.

Für Rogosky hat die Variante "Charme", für Ulrich ist sie wirtschaftlich "nicht vertretbar". Er begründet dies mit dem relativ geringen Verkehrsaufkommen von lediglich 345 Fahrzeugen pro Tag und strengen Umweltauflagen aufgrund des angrenzenden FFH-Gebietes.

Bis spätestens zum Jahr 2021 muss die Deutsche Bahn die beiden Bahnübergänge in der Grunewalder Straße aufrüsten. Dann soll das elektronische Stellwerk in Guben in Betrieb gehen, mit dem die Anlagen derzeit nicht kompatibel sind. Von den Gubener Stadtverordneten wird jetzt ein Beschluss über die favorisierte Ausbauvariante erwartet.

Zum Thema:
Auch der Bahnübergang in der Kupferhammerstraße steht auf der Agenda der Deutschen Bahn. Derzeit wird dieser noch manuell bedient. Auch hier ist eine technische Erneuerung bis zum Jahr 2021 vorgesehen, aber keine Schließung für den Verkehr geplant. Straßenbaulastträger ist der Landkreis Spree-Neiße. (sha)