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| 02:40 Uhr

Gubener Alt-Unternehmer eröffnet neues Restaurant

Blick ins "Luzifer": Zum Reformationstag öffnet Roland Prauser die Pforten zu seinem neuen Restaurant an der Deulowitzer Straße.
Blick ins "Luzifer": Zum Reformationstag öffnet Roland Prauser die Pforten zu seinem neuen Restaurant an der Deulowitzer Straße. FOTO: bes
Guben. Der Gubener Roland Prauser blickt bereits auf eine bewegende Unternehmergeschichte zurück: Vom Waffelverkäufer über den Zuckerwatte-Hersteller stieg er zum gefragten Popcorn-Produzenten auf. 2009 trieb ihn die Wirtschaftskrise in die Insolvenz. Bernhard Schulz

Nun versucht der 56-Jährige an dem Ort sein neues Glück, an dem für sein früheres Familienunternehmen alles begann: die Deulowitzer Straße 61. Am morgigen Reformationstag eröffnet dort sein Restaurant "Luzifer".

Ob es dort teuflisch zugehe, schließt Prauser zumindest kulinarisch aus - der Name habe keine tiefere Bedeutung. "Ich will meine Gäste vor allem mit hochwertigen Erzeugnissen aus der Region bewirten", erklärt er. Das Bier kommt aus Neuzelle, das Fleisch aus einem Wellmitzer Agrarbetrieb mit eigener Rinderzucht und der Fisch aus Beeskow und Jamlitz. Allerdings macht er sich als alter Hase im Geschäft keine falschen Hoffnungen: "Die Zeiten der großen Gastronomie in Guben sind längst vorbei."

Prauser lässt es in seinem über eineinhalb Jahre lang renoviertem Lokal daher ruhiger angehen. Ein fünfköpfiges Team kümmert sich um die insgesamt 30 Plätze des "Luzifer". Werktags gibt es Mittagstisch und ab 17 Uhr ist wieder geöffnet. Am Wochenende soll es an der Bar internationale Drinks und Musik geben. "Ich bin gespannt, wie es die Gubener annehmen."

Wie die Lebensmittel-Branche funktioniert, hat Prauser von der Pike auf gelernt. In den 1980er-Jahren tourte er mit einem Verkaufswagen durch die Neiße-Region, um Waffeln zu verkaufen. Diese wurden in der familieneigenen Bäckerei an der Deulowitzer Straße hergestellt. Nach dem Mauerfall hatte er zusammen mit seiner Frau mehrere mobile Imbissstände in Guben.

Dann folgte der wundersame Aufstieg seines kleinen Unternehmens - der Cotton-Candy Süßwaren GmbH. 1999 und 2003 hatte sich Prauser seine von ihm entwickelte verpackte und haltbare Zuckerwatte als Gebrauchsmuster eintragen und den Zuckerwatte-Becher als dreidimensionale Form patentieren lassen. Mit haltbarer Zuckerwatte und Popcorn hat der Familienbetrieb große Handelsketten beliefert und den europäischen Süßigkeitenmarkt erobert. Auf dem Höhepunkt beschäftigte er knapp 30 Mitarbeiter und Dutzende Aushilfskräfte. Dann folgte der Absturz: "Zunächst kosteten uns einige Patent-Prozesse mit amerikanischen Konkurrenten Unsummen", sagt er heute. Schließlich trieb die Finanzkrise und damit fehlende Sicherheit von Banken den Süßwarenhersteller in die Insolvenz.

Nun stellt sich Prauser als Koch neuen Aufgaben. "Denn auch mein Restaurant sehe ich als Investition in meine unternehmerische Zukunft."