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| 19:00 Uhr

„Wir wollen euch haben!“
Guben wirbt um angehende Mediziner

Bürgermeister Fred Mahro übergibt den sechs Medizinstudenten der MHB Urkunden. Sie werden als Botschafter ihrer Fakultät ausgezeichnet.
Bürgermeister Fred Mahro übergibt den sechs Medizinstudenten der MHB Urkunden. Sie werden als Botschafter ihrer Fakultät ausgezeichnet. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Guben hat Studenten eingeladen, damit sich die Stadt als lebenswerter Ort an der Medizinischen Hochschule Brandenburg herumspricht. Von Jenny Theiler

Der Fachkräftemangel im Land Brandenburg macht sich insbesondere in ländlich geprägten Gegenden auch im medizinischen Bereich bemerkbar. In Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und der Kassenärztlichen Vereinigung will die Stadt Guben diesem Problem entgegenwirken. Sechs Studenten der MHB sind am Samstag einer Einladung nach Guben gefolgt.

Bei traumhaftem Wetter präsentierte sich die Neißestadt von ihrer besten Seite. Vor der Stadtverwaltung kamen zur Mittagszeit sechs angehende Ärzte, Vertreter aus dem medizinischen Bereich und einige Gubener Bürger zusammen, um ins Gespräch zu kommen. Die sonnige Diskussionsrunde ist nur ein Punkt auf dem kulturellen Programmplan, der für die angehenden Ärzte ausgearbeitet wurde. „Am wichtigsten ist es, den Studenten erst einmal zu zeigen, dass es Guben überhaupt gibt“, sagte Bürgermeister Fred Mahro (CDU). Von den jungen Gästen kannte nur eine Studentin die Stadt Guben bereits vorher. „Ich war schon zweimal im Plastinarium und mir hat diese Ausstellung sehr gut gefallen“, betont Theresa Kirchner aus Bayern.

Die MHB hat die Studenten auf Guben aufmerksam gemacht. „Wir müssen weiterhin überzeugend sein, denn wir brauchen nun mal mehr Ärzte in Brandenburg und müssen uns auch selbst um sie bemühen“, betont der Dekan der MHB, Edmund Neugebauer. Jeder der sechs Medizinstudenten hat bereits einen Vertrag mit einem brandenburgischen Krankenhaus geschlossen, der entweder an ein Darlehen oder einen Fünfjahresvertrag geknüpft ist, keiner jedoch von ihnen mit einem Krankenhaus im Spree-Neiße-Kreis. Warum also eine Werbung um Studenten, die sich bereits woanders verpflichtet haben? Man hoffe, dass sich ein positives Bild von Guben unter den Studenten herumspreche oder mittelfristig sich einer der Studenten für die Stadt entscheide, hieß es. Bürgermeister Mahro deutete an, dass man sich bemühe, bis zum Jahr 2019/20 Mittel kommunale Mittel einsetzen zu können. Es sollen Perspektiven für junge Ärzte in Guben aufgezeigt werden.

Dass die Basis für eine lebenswerte Zukunft in der Neißestadt bereits da ist, sollte den Studenten bei ihrem Besuch ebenfalls vermittelt werden. „Die Willkommenskultur ist in Brandenburg mittlerweile sehr gut ausgeprägt. Die Kliniken kooperieren miteinander und auch die Orte zeigen, dass sie die jungen Ärzte haben wollen“, so Gottfried Hain, der Verwaltungsdirektor des Naemi-Wilke-Stifts Guben. Gemeinschaftlich skandieren einheimische Ärzte und Gastgeber: „Wir wollen euch haben!“, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Die Stadt Guben, die sich als einen Ort der Zugezogenen versteht, präsentierte sich an diesem Wochenende sowohl selbstsicher als auch bescheiden. Gottfried Hain und Fred Mahro beschrieben die Entwicklung der kleinen Industriestadt zur Kulturstadt, die sich durch die Hutfabrik und das spätere Chemifaserwerk einen Namen gemacht hat. „Natürlich sind wir eine kleine Stadt, aber wir haben eine schöne Natur, die Nähe zu größeren Städten und natürlich die Grenze zu unseren polnischen Nachbarn“, zählte Gottfried Hain auf. Zudem habe Guben immer davon gelebt und profitiert, dass Menschen aus anderen Städten und Fachbereichen zugezogen sind und in der Neißestadt eine neue Heimat gefunden haben.

So auch Ruchi Kassem. Der israelische Kinderarzt und Allgemeinmediziner lebt und praktiziert seit 2005 in Guben und erzählte seine Geschichte. „Ich habe Guben vorher auch nicht gekannt, bin aber damals sehr herzlich aufgenommen worden.“ Er und seine Kollegen seien sich einig, dass sie die Unterstützung der jungen Kollegen dringend brauchen. „Ich möchte nicht irgendwann in Guben allein dastehen, weil der medizinische Nachwuchs in Brandenburg fehlt“, sagte die Allgemeinmedizinerin Andrea Riedel. Deswegen sei es wichtig, den Studenten jetzt und heute Gubens Vorzüge zu eröffnen.

„Die Zukunft kann dann beginnen, wenn die Menschen, die hier in Guben gut leben, das was sie haben, mit anderen teilen“, betonte Gottfried Hain.

Die sechs Medizinstudenten zeigen sich offen und dankbar für die Einladung nach Guben. Durch ihr Studium und die Arbeit in den Kliniken haben sie das Land Brandenburg bereits schätzen gelernt. „Meine Familie konnte nicht so richtig verstehen, warum ich gerade nach Brandeburg zum Studium gehe“, erinnert sich Theresa Kirchner. „Aber ich hatte da keine Vorurteile und habe mir gedacht, wieso denn eigentlich nicht“, sagt die Bayerin. Auch Benedikt Hüfner aus Berlin ist insbesondere vom kulturellen Angebot in Brandenburg begeistert. „Ich hab immer gedacht, dass nur in Berlin alle Türen offen stehen. Aber ich lebe jetzt in Prenzlau und kann nicht sagen, dass mir irgendetwas fehlt. Hier ist auch jede Menge los“, so der Student.