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| 15:44 Uhr

Guben
Verkehrskonzept für beide Seiten

Guben. Guben will die polnische Nachbarkommune einbeziehen und bekommt dafür EU-Fördermittel. Von Silke Halpick

Die Stadt Guben setzt auf ein neues 360-Grad-Verkehrskonzept, das auch die polnische Nachbarstadt Gubin mit einschließt. Das ist bislang einmalig entlang der deutsch-polnischen Grenze. Bürgermeister Fred Mahro (CDU) nennt es ein „Paradebeispiel“ für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. In den Fachausschüssen wirbt er jetzt um Zustimmung. Kritik kommt von den Liberalen.

„Schade ums Geld“, sagt FDP-Stadtverordneter Günther Krause auf der jüngsten Sitzung des Haushaltsausschusses. Ihm ist schon die bestehende grenzüberschreitende Buslinie ein Dorn im Auge. Diese wird seiner Ansicht nach nur von Gubenern genutzt, die im Nachbarland billig einkaufen, und von Polen, die möglichst schnell  nach Cottbus, Berlin oder Leipzig reisen wollen. Umgesetzt werde das Projekt doch nur, weil es dafür EU-Geld gibt, lautet sein Vorwurf.

„Ich renne keiner Fördermittelsau hinterher“, kontert Mahro sogleich. Die „Betrachtung der verkehrlichen Infrastruktur“ ist für den Stadtchef genauso wichtig wie das Einzelhandelskonzept und die Einbeziehung der polnischen Seite sei ein logischer Folgeschritt. Beide Städte arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich auf kultureller, sozialer und kommunal-politischer Ebene zusammen. Nun soll der Verkehr folgen.

Für das Projekt mit dem sperrigen Titel „GUB-E-BUS - gemeinsame grenzüberschreitende Mobilität in der Eurostadt Guben-Gubin“ gibt es mehr als eine halbe Million Euro Fördermittel über das Interreg-VA-Programm. Der Eigenanteil der Stadt liegt bei knapp 80 000 Euro. Der deutsch-polnische Begleitausschuss hat den Fördermittelantrag der Stadt mit Auflagen genehmigt. Jetzt fehlt noch die Legitimation durch die Stadtverordnetenversammlung.

Zu den Bedingungen des Fördermittelgebers gehört, dass zuerst der Verkehrsbestand in der Doppelstadt von Experten analysiert wird, erklärt Mahro. Dazu zählen Busse, Züge, Autos, Fahrräder. Im Anschluss daran soll  „ein plausibles Konzept“ vorgelegt werden, das letztlich auch umgesetzt wird.

„Wir können also nicht schon heute die Bushaltestelle in der Karl-Marx-Straße bauen“, sagt Mahro. Für die Maßnahme wird mit Kosten in Höhe von 100 000 Euro gerechnet. Der Landkreis Spree-Neiße als Eigentümer des Grundstückes beteiligt sich mit einem Eigenanteil von 15 000 Euro. Die neue Haltestelle ist dringend nötig. Denn derzeit muss der Bus über den Parkplatz des Neißecenters fahren, um den Haltepunkt ansteuern zu können.

Zu den ebenfalls schon lange bekannten Schwachstellen des Nahverkehrs in Guben gehören die schlechte Anbindung der Ortsteile sowie der fehlende Pendelverkehr zwischen Obersprucke und Altstadt in den Abendstunden. Bislang gab es für diese Probleme keine Lösung. Mit der Einbeziehung der polnischen Seite erweitern sich aber auch die Möglichkeiten der Linienführung.

Bereits seit Mitte Juni fährt die  Buslinie 858 des deutschen Betreibers DB Regio Ost GmbH nach Gubin und gleichzeitig  die Linie 171 des polnischen Verkehrsbetriebes PKS Zielona Gora nach Guben. Eine Erweiterung des grenzüberschreitenden Verkehrs ist ab Herbst  geplant. Dann soll die Linie 877 hinzukommen. Der Bus fährt von Cottbus über Tauer, Schenkendöbern und im Stadtgebiet durch die Obersprucke. So werden auch die Wohnkomplexe (WK) II und IV erreicht.

Konkrete Zahlen zum Nutzerverhalten gibt es noch nicht. Mit verlässlichen Daten rechnet Mahro auch erst nach Ablauf eines Kalenderjahres. Der deutsche Betreiber zeigt sich bisher zufrieden. Das neue Angebot werde von den Fahrgästen „erkundet“, heißt es.