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| 22:42 Uhr

Spannung nach der Wahl
Stimmen zählen im Akkord

 Birgit Neumann und Peter Kolaska öffnen im Kerkwitzer „Dorfkrug“ die Wahlurne mit den Stimmzetteln der Kommunalwahl.
Birgit Neumann und Peter Kolaska öffnen im Kerkwitzer „Dorfkrug“ die Wahlurne mit den Stimmzetteln der Kommunalwahl. FOTO: lr / Engelhardt
Guben/Schenkendöbern. Guben und Schenkendöbern haben gewählt – was folgte, war ein spannender Abend.

Auf den ersten Blick ist es ein typischer Sonntagabend. Ein paar Jugendliche sitzen auf dem Gubener Dreieck, eng umschlungen. Ein Paar aus dem benachbarten Gubin schießt ein paar Selfies vor dem Gubener Rathaus. Durch das geöffnete Fenster im ersten Stock der alten Wilke-Fabrik schallen Zahlen, Namen von Wählergruppen und Parteien. Es wird gezählt – und es wird noch lange gezählt. Zunächst Europa, dann Kreis, dann erst Stadt, dann erst Ortsbeiräte. Für die Wahlhelfer wird es eine lange Nacht. Erst, wenn alle Stimmen gezählt sind, alle Zettel auseinander gefaltet, alle Ergebnisse weitergegeben, ist Feierabend. Dann sortiert sich die Stadt neu, zumindest die Politik in der Stadt.

Im Sitzungssaal des Rathauses können Interessierte die Zwischenergebnisse verfolgen. Die Stadtverwaltung hatte angekündigt, die Türen zu öffnen, hatte eingeladen. Um 19.30 Uhr, kurz vor Ende der Auszählung der Stimmen zur Europawahl, ist niemand im Sitzungssaal. Biergartenwetter. Temperaturen über 20 Grad. Gefiebert, gefeiert – oder getrauert – wird am Sonntagabend woanders. Um 20 Uhr steht das erste Ergebnis für Guben fest: 30,5 Prozent der Gubener wählten die AfD ins Europaparlament, CDU und SPD kamen gerade einmal auf die Hälfte der Stimmen, die Grünen landeten bei gut neun Prozent, die FDP bei gerade einmal vier. Was das allerdings über die neue Stadtverordnetenversammlung aussagt? Zwei Stunden, nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, ist noch alles offen. Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl in Guben? Knapp 40 Prozent.

Auch in Schenkendöbern wird ab 18 Uhr fleißig gezählt. Fast genau eine Stunde später können die Wahlhelfer im Ortsteil Kerkwitz vermelden: Die Europawahl ist ausgezählt. Eine Verschnaufpause können sie sich nicht gönnen. Schließlich sind noch drei weitere Wahlen auszuzählen. „21 Uhr wird sicherlich nicht reichen“, sagt Birgit Neumann, die den Wahlvorstand leitet und zumindest noch schnell mitteilen kann, dass die Wahlbeteiligung offenbar ganz gut war. Und schon schnappt sie sich mit Peter Kolaska die Urne, die die Stimmzettel für Kreistagswahl, Gemeindevertretersitzung und Ortsbeirat enthält. Nachdem alle Scheine aus der Urne herausgeholt wurden, werden sie zunächst farblich sortiert. Und dann kann das Auszählen weiter gehen.

In der Schenkendöberner Gemeindeverwaltung laufen derweil alle Ergebnisse zusammen. Hier hält Wahlleiterin Monika Otto routiniert alle Fäden in ihren Händen. Und sie kann gegen 19.30 Uhr die Vermutung in puncto Wahlbeteiligung bestätigen. Runde 58 Prozent der Schenkendöberner haben sich an der Europawahl beteilgt – ohne Auswertung der Briefwahl. Keine schlechte Zahl. Dann geht schon der nächste Anruf ein. Wie lange der Abend dauern wird? „Das kann ich beim besten Willen nicht sagen.“

Nebenan sitzt Bürgermeister Peter Jeschke. Er leitet einen Anruf aus Grabko an einen der Wahlhelfer weiter, die die Schnellmeldungen der Ergebnisse notieren. In Grabko ist man sogar schon mit der Auszählung der Gemeindevertretung fertig – das Dorf ist eines der kleinsten der Gemeinde. Derweil freut sich Jeschke über den bis dahin reibungslosen Ablauf. „Das sind halt auch schon alles Profis“, bescheinigt er den mehr als 100 Wahlhelfern der Gemeinde. „Auch wenn wir durchaus auch einige junge Leute dabei haben.“

Der weitere Abend verläuft dann – erwartungsgemäß – etwas zäher. Kein Wunder, schließlich konnten bei den Kommunalwahlen jeweils bis zu drei Stimmen abgegeben werden, während es bei der Europawahl nur eine war. Immerhin war die Kreistagswahl in Guben um 22 Uhr in 16 von 20 Stimmbezirken ausgewählt. Bei der Wahl der Stadtverordnetenversammlung waren hingegen erst drei Stimmbezirke ausgewertet. Eine belastbare Aussage, wer alles in der neuen Stadtverordnetenversammlung sitzen wird, liegt bis Redaktionsschluss nicht vor.

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Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin