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| 02:37 Uhr

Guben stärkt Jugend im Quartier

Den hinteren Eingangsbereich des Hauses der Familie haben Gubener Jugendliche im Rahmen eines Workshops und unter Anleitung der Graffitikünstler David Heier (links) und Riccardo Frenzel (2.v.l.) gestaltet.
Den hinteren Eingangsbereich des Hauses der Familie haben Gubener Jugendliche im Rahmen eines Workshops und unter Anleitung der Graffitikünstler David Heier (links) und Riccardo Frenzel (2.v.l.) gestaltet. FOTO: Stadtverwaltung Guben/Bernhard Schulz
Guben. Guben ist Modellkommune für das Bundesprogramm "Jugend stärken im Quartier". Mehr als eine halbe Million Euro soll in den nächsten drei Jahren in Projekte für und mit benachteiligten Jugendlichen fließen. Kooperationspartner vor Ort sind das Haus der Familie und die Europaschule. Silke Halpick

"Wir haben uns für Guben entschieden, weil hier alles passt", sagt Manfred Thuns, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie des Landkreises Spree-Neiße. Überzeugen konnte die Neißestadt vor allem mit ihrem Konzept sowie der guten Zusammenarbeit zwischen Stadt und Trägern. Der Landkreis selbst tritt als Antragsteller für das bundesweite Modellprogramm auf. Nur ein Projekt aus dem gesamten Spree-Neiße-Kreis ist förderfähig. Den Zuschlag bekam Guben. Zwei weitere Interessenten aus Forst und Spremberg gingen leer aus.

Erklärtes Ziel des Bundesprogramms ist es, sozial benachteiligte oder individuell beeinträchtigte Jugendliche beim Übergang von Schule zum Beruf zu unterstützen. "Mit dem Programm holen wir Jugendliche zurück in die Mitte der Gesellschaft und vermeiden, dass sich soziale Probleme in bestimmten Stadtteilen zuspitzen", betont Bundesjugendministerin Manuela Schwesig (SPD).

"Das Programm hat vier Bausteine", erklärt Stefan Müller, Fachbereichsleiter für Schulen und Soziales in der Stadtverwaltung Guben. Dazu gehört die intensive sozialpädagogische Einzelfallarbeit, die das Haus der Familie übernimmt. Die Anlaufstelle für die Erstberatung ist bei der Europaschule angesiedelt. Hinzu kommen eine mobile Beratung durch Streetworker sowie Mikroprojekte mit den Jugendlichen, die gleichzeitig einen Mehrwert für den Stadtteil und dessen Bewohner haben. Fürs Personal, die Sachausstattung und die Projekte stehen in den nächsten drei Jahren rund 630 000 Euro zur Verfügung. Der Eigenanteil der Stadt und des Landkreises Spree-Neiße liegt bei 165 000 Euro.

Das erste Mikroprojekt fand bereits erfolgreich statt. Neun Jugendliche haben den hinteren Eingangsbereich des Hauses der Familie (HdF) mit Graffiti gestaltet. Angeleitet wurden sie dabei von den Künstlern David Heier und Riccardo Frenzel. "Das ganze Gelände wurde mit tollen Bildern dekoriert", sagt HdF-Schulsozialarbeiter Norman Neubauer. Das reicht von der Stadtansicht Gubens bis hin zu einer Blumenwiese. Die Fortführung des Graffiti-Workshops an der Europaschule ist geplant.

"Wir sind froh über die Mikroprojekte", betont Berit Kreisig, Leiterin der Gubener Europaschule. Momentan werde eine Ideenliste erarbeitet. Vorstellbar sind aus ihrer Sicht beispielsweise eine Fahrradwerkstatt, ein Töpferstudio oder ein Kochklub im Haus 1 der Europaschule. Für das Gebäude gibt es seit der Schließung der Diesterwegschule noch kein Nachnutzungskonzept.

"Wir haben aktive und passive Schulverweigerer", so Kreisig. Während die einen überhaupt nicht in der Schule erscheinen, machen die anderen beim Unterricht nicht mehr mit. Das Problem gebe es an allen Schulen der Stadt. "Häufig sind es Jugendliche aus schwierigen Elternhäusern", betont HdF-Vorstandsmitglied Regina Bischoff. Seit fast zehn Jahren betreut der Verein Schulverweigerer und bereitet sie auf die Rückkehr ins staatliche Bildungssystem vor, aktuell sind es sechs Jugendliche im Projekt "Zweite Chance".

Zum Thema:
Für das Bundesprogramm "Jugend stärken im Quartier" werden insgesamt 115 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und fünf Millionen Euro aus Bundesmitteln von 2015 bis 2018 zur Verfügung gestellt. Mehr als 180 Modellkommunen gibt es bereits deutschlandweit.