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Guben setzt auf LED-Technik

Mitarbeiter der Städtischen Werke Guben arbeiten an der Straßenbeleuchtung in der Berliner Straße.
Mitarbeiter der Städtischen Werke Guben arbeiten an der Straßenbeleuchtung in der Berliner Straße. FOTO: Silke Halpick
Guben. Fast jede dritte Straßenlaterne leuchtet demnächst mit energiesparender LED-Technik. Mehr als 700 000 Euro hat die Stadt in die Umrüstung investiert. In der Testphase sind auch Laternen mit Solarpanel, die sich selbst mit Strom versorgen. Silke Halpick

"800 von insgesamt 3000 Lichtpunkten im Stadtgebiet sind bereits auf LED umgerüstet, 250 weitere kommen noch in diesem Jahr hinzu", sagt Thomas Jänsch, Medienmanager bei den Städtischen Werken Guben (SWG). Das Unternehmen bewirtschaftet im Auftrag der Stadt Guben die Straßenbeleuchtung. Im Gegenzug wird eine sogenannte Lichtpunktpauschale pro Leuchte gezahlt, die neben dem Stromverbrauch auch Wartung und Instandhaltung umfasst.

"Eine LED-Leuchte kostet in der Anschaffung rund 1000 Euro", sagt Jänsch. Deshalb lohnt sich die Umrüstung auf Licht-emittierende Dioden (kurz: LED) trotz 20-prozentiger Förderung durch das Bundesumweltministerium nicht in jedem Fall. Wird eine herkömmliche Natriumdampfleuchte mit 150 Watt Leistung durch eine 35-Watt-LED-Lampe ersetzt, amortisiert sich das nach neun Jahren, erklärt Jänsch. Bei einer 75-Watt-Leuchte ist das selbst nach 20 Jahren noch nicht der Fall.

"Wir rüsten vorrangig Leuchten aus den 70er-Jahren um", sagt Roland Liem, Leiter des Technischen Bereiches bei der SWG. Für 2017 stehen zehn neue Lampen in der Parkstraße, 90 in der Altstadt II, 71 im Wohnkomplex (WK) I sowie 76 im Umfeld der Gubiner Straße auf dem Plan. Bis Ende Mai soll die Umrüstung abgeschlossen sein. Außen vor bleiben Natriumdampfleuchten, die erst zehn bis 20 Jahre alt sind, beispielsweise im Wohngebiet Kaltenborn und im Wohngebiet "Bei den Leuchen".

Durch die LED-Umrüstung sinkt der Stromverbrauch pro Lampe nach SWG-Angaben um rund 60 Prozent. Der durchschnittliche Jahresstrombedarf pro Lichtpunkt liege aktuell bei 85 Euro, in anderen Städten seien es hingegen 160 Euro, wie Jänsch erklärt. Die Einsparungen seien aber auch auf die "geänderte Fahrweise" zurückzuführen, räumt er ein. Nachts werde die Leistung der LED-Lampen zusätzlich gedrosselt. "Das merkt man kaum", sagt Liem. Mithilfe der Lichtmanagement-Software könne jede Laterne einzeln angesteuert und je nach Wunsch programmiert werden. Herkömmliche Natriumdampfleuchten sind nur ein- oder ausschaltbar.

Rund 300 Straßenlampen werden seit Anfang des Jahres 2015 wieder in Volllast gefahren und leuchten die ganze Nacht. Das geschah auf Wunsch von Gubenern, denen es zu dunkel war und die Angst vor kriminellen Übergriffen hatten. "Das gefühlte Sicherheitsempfinden der Bürger hat Priorität vor dem Energiesparen", stellt Jänsch klar. Betroffen war das gesamte Stadtgebiet - vom Wilkestift bis hin nach Reichenbach. Der Stromverbrauch stieg dadurch laut SWG um vier Prozent. "Hier müssen wir andere technische Möglichkeiten finden, um Strom zu sparen", betont der Medienmanager.

Mit einer Idee wartete der SPD-Stadtverordnete Günther Quiel auf der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses auf. Warum werde die Straßenbeleuchtung nicht mit Strom aus der Wasserkraftanlage an der Grenzbrücke betrieben?, fragte er. Vor dem Zweiten Weltkrieg seien so alle Straßen beleuchtet und die Straßenbahn betrieben worden.

Für Fred Mahro, SWG-Geschäftsführer und amtierender Bürgermeister, ist vorstellbar, Strom von der Fotovoltaikanlage am deutsch-polnischen Klärwerk in Gubin zu nutzen. Eine entsprechende Anfrage, erneuerbare Energien über die Grenze zu bringen und auf kommunaler Ebene nutzen zu können, sei bereits beim polnischen Finanzministerium gestellt worden.

Schon jetzt werden einzelne Straßenlaternen im Stadtgebiet mithilfe eines eigenen Solarpanels autark betrieben. Betroffen sind vor allem Standorte, die nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen sind. Noch sei man in der Testphase, wie Jänsch betont. Allerdings seien die Lampen sehr empfindlich und durch ihren Standort auch verstärkt Vandalismus-Attacken ausgesetzt, schränkt er ein.

Zum Thema:
Die Städtischen Werke Guben (SWG) sind eine Eigengesellschaft der Stadt Guben mit rund 30 Beschäftigten. Zum Technischen Betrieb gehören unter anderem die Straßenbeleuchtung und Straßenreinigung. Ein weiterer großer Bereich ist die öffentlich-geförderte Beschäftigung mit aktuell mehr als 120 MAE-Teilnehmern. Laut Erfolgsplan will die SWG im Jahr 2017 ein Ergebnisplus von rund 360 000 Euro erwirtschaften.