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| 02:49 Uhr

Guben schmiedet seine Zukunft

Katrin Heinz und Dörthe Matheus (r.) vom Büro Ernst Basler + Partner moderierten den Diskussionsabend.
Katrin Heinz und Dörthe Matheus (r.) vom Büro Ernst Basler + Partner moderierten den Diskussionsabend. FOTO: S. Halpick
Guben. Es geht um Gubens Zukunft: Wie die Grenzstadt im Jahr 2030 aussehen soll, darüber haben rund 120 interessierte Bürger diskutiert. Die Ideen und Anregungen sollen in die Entwicklungsstrategie der Stadt einfließen. Silke Halpick

"Wer von ihnen ist älter als 60 Jahre?", fragt der amtierende Bürgermeister Fred Mahro provokant in die Runde. Knapp ein Drittel der Gäste melden sich. "Ich versichere ihnen: Sie sind in Guben herzlich willkommen!", sagt er. Mahro hat keine Angst vor einer Überalterung der Stadt. Senioren sind seinen Erfahrungen nach meist sehr engagiert und trotz geringerer Renteneinkünfte durchaus eine finanzstarke Zielgruppe.

Prognosen zufolge wird Guben 2030 die zweitälteste Stadt Deutschlands sein. Dann ist die Hälfte aller Neißestädter im Schnitt 62,8 Jahre alt. Auch die Zahl der Einwohner wird noch einmal stark, möglicherweise sogar bis auf 12 500 zurückgehen. Aktuell leben in Guben rund 18 000 Menschen. "Diese Zahl hatten wir erst 2020 erwartet", sagt Dörthe Matheus vom Planungsunternehmen Ernst Basler + Partner aus Berlin, das mit der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes beauftragt wurde.

Wie Guben in knapp 15 Jahren aussehen soll und kann, darüber konnten auch die Bürger am Montagabend in der Alten Färberei mitdiskutieren.

Nach einer kurzen Einführung mussten sich die Gäste für eine von insgesamt fünf Arbeitsgruppen entscheiden. Gubens Kämmerer Björn Konetzke stellte sich beispielsweise der Frage, was sich die Neißestadt künftig noch leisten will und kann. Fred Mahro suchte Ideen, wie die wirtschaftliche Basis gestärkt wird. Sozial-Fachbereichsleiter Stefan Müller diskutierte darüber, wie die Gubener in ihrer Stadt gemeinsam leben wollen.

An Anregungen und Kritik sparten die Bürger nicht. "Zu DDR-Zeiten hieß es immer: Wir sparen jeden Pfennig, egal was es kostet. An dieser Stelle sind wir jetzt wieder", ärgert sich Horst Wetzel. Kerstin Geilich fordert, dass auch eine schrumpfende Stadt attraktiv für junge Leute bleiben muss. Joachim Klos liegt der Wiederaufbau einer Kinderstation am Wilkestift am Herzen. Horst Kühn will einen "Nahverkehr, der alle Bürger erreicht". Andreas Peter findet, die Stadt brauche sich nicht verstecken, und hofft auf eine bessere Außenwirkung. Mathias Berndt wünscht sich Mehrgenerationen-Wohnprojekte, von denen Alt und Jung gleichermaßen profitieren. "Viel zu viele Sportplätze", mit deren Bewirtschaftung die Vereine überfordert sind, mahnt Dirk Fischer an.

Ein viel diskutiertes Thema ist auch der Gubener Stadtpark, der im Rahmen der neuen EU-Förderperiode aufgewertet werden soll.

Die Ideen reichen vom Miniaturpark, über die Präsentation landwirtschaftlicher Traditionen wie dem Obst- und Gemüseanbau bis hin zum Veranstaltungsort für Folkkonzerte. Das Hochhaus, das die "Gubener lieben", das aber mittlerweile ein Schandfleck in der Obersprucke geworden ist, könnte eingehüllt und mit Graffiti neu gestaltet werden, heißt es.

Ziemlich schnell sind die Gubener auch beim Reizthema Kulturzentrum Obersprucke. Für die Nutzung der Räume sollen die Vereine künftig Miete zahlen, was vielfach kritisiert wird. Ohnehin fühlen sich viele Vereine und Ehrenamtler zu wenig "wertgeschätzt" in der Stadt. Zudem fehlt eine Plattform zum Austausch untereinander, so der Tenor.

Überrascht von der großen Resonanz sind die beiden Organisatoren Katrin Heinz und Dörthe Matheus. "Das ist nicht immer so", sagt Matheus. Alle Anregungen der Bürger werden jetzt zusammengetragen, veröffentlicht und ins Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) einfließen. Dessen ausgearbeiteter Entwurf wird nochmals in den Fachausschüssen diskutiert und von den Stadtverordneten voraussichtlich im Herbst 2016 beschlossen.