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Guben saniert Torhaus selbst

Bisher konnte noch kein Käufer für das denkmalgeschützte Torhaus gefunden werden. Einst war es das Pförtnerhäuschen zur Fabrikantenvilla der Familie Wilke.
Bisher konnte noch kein Käufer für das denkmalgeschützte Torhaus gefunden werden. Einst war es das Pförtnerhäuschen zur Fabrikantenvilla der Familie Wilke. FOTO: S. Halpick
Guben. Nach zahllosen gescheiterten Verkaufsversuchen muss die Stadt Guben nun das denkmalgeschützte Torhaus im Herzen der Altstadt selbst sanieren. Um Ausgleichsbeiträge zu sparen, soll der Bebauungsplanes aufgehoben werden. Silke Halpick

Der Verkauf des Gubener Torhauses ist eine unendliche Geschichte: Zunächst hofften die Gubener noch auf einen Großinvestor, der auf der Wiese direkt hinter dem historischen Schmuckstück ein Einkaufszentrum baut. Doch selbst der Verkauf des Torhauses, einst das Pförtnerhaus zur Fabrikantenvilla der Familie Wilke, scheiterte bislang immer wieder. Seit 2007 wurde das Haus mehrfach verkauft und immer wieder rückabgewickelt. Entweder wurde die Nutzungsart vom Stadtparlament abgelehnt oder die Vertragsbedingungen nicht erfüllt.

Nun muss die Stadt als Eigentümer des um 1900 erbauten Gebäudes die Sanierung zur Sicherung selbst stemmen. Erneuert werden müssen vor allem das Dach, aber auch Fenster sowie lockere Ziegel. "Das ganze Paket", wie Carola Huhold, Leiterin des Fachbereiches Stadtentwicklung, betont. Die Stadtverordneten hatten bereits im September 2016 für das knapp 160 000 Euro teure Vorhaben grünes Licht gegeben. Nun erfolgt die Ausschreibung der Planungsleistungen. Im Sommer 2017 wird mit Baubeginn gerechnet.

Auf seiner jüngsten Sitzung hat der Haushaltsausschuss der Stadt jetzt über die Aufhebung des Bebauungsplanes für die Promenade am Dreieck beraten. Das ist das mehr als vier Hektar große Areal hinter dem Torhaus, das sich über den Rathauskomplex bis hin zur Gasstraße zieht. Als Begründung wird auf die gescheiterten Verkaufsversuche für das Torhaus sowie die Nutzung des Platzes für öffentliche Zwecke verwiesen. Auf der Wiese stehen beim Frühlingsfest beispielsweise die Bühne und Fahrgeschäfte, beim Weihnachtsmarkt die Hütten der Händler.

Mit der Aufhebung des Bebauungsplanes hofft Guben aber auch darauf, geringere Ausgleichsbeträge zahlen zu müssen. Denn das städtische Grundstück liegt mitten im Sanierungsgebiet "Stadtzentrum" - und noch dazu in der teuersten Wertzone. 18 Euro werden hier pro Quadratmeter fällig. Mit den offiziellen Beitragsbescheiden wird noch in diesem Jahr gerechnet. Allein für das Torhaus in der Berliner Straße 45 werden nach Angaben der Stadt dann 32 000 Euro fällig.

Die Höhe der Ausgleichsbeiträge richtet sich nach den Bodenrichtwerten, die im Vorfeld ein Gutachterausschuss festlegt. Dabei wird die Differenz zwischen dem Grundstückswert vor und nach der Sanierung berücksichtigt. Im Gubener Sanierungsgebiet gibt es insgesamt 14 Wertzonen, die von drei Euro bis 18 Euro pro Quadratmeter reichen.

Dass für das Grundstück im Bereich des Torhauses so hohe Ausgleichsbeträge fällig werden, hängt nach Ansicht der Stadt mit den früheren Plänen zur Neubebauung des Areals zusammen. Doch dieses Ziel werde vonseiten der Stadt nicht mehr verfolgt. Nach der Aufhebung des Bebauungsplanes soll deshalb ein Gutachterausschuss des Landkreises die tatsächliche Wertsteigerung ermitteln.

Das Gubener Sanierungsgebiet umfasst eine Gesamtfläche von 40,5 Hektar. 128 Eigentümer und 450 Grundstücke sind betroffen. Viele Eigentümer haben ihre Ausgleichsbeiträge schon freiwillig vorfristig abgelöst. Wer beispielsweise bis Ende 2013 zahlte, bekam auf den Gesamtbetrag 30 Prozent Rabatt.