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| 11:49 Uhr

Kampf gegen Kinderlähmung
Deckel für fast 40 000 Impfungen

 Dominik Mahr (l.) kam mit seiner Lehrerin Carola Kästner sogar von Krauschwitz nach Guben gekommen, um 16 Kilo Kunststoffdeckel an die Gubener Rotarier zu übergeben.
Dominik Mahr (l.) kam mit seiner Lehrerin Carola Kästner sogar von Krauschwitz nach Guben gekommen, um 16 Kilo Kunststoffdeckel an die Gubener Rotarier zu übergeben. FOTO: Daniel Schauff
Das Ergebnis der fast fünfjährigen Deckelsammelaktion der Rotarier überwältigt die Initiatoren. Von Daniel Schauff

Mit einem solchen Erfolg hatte bei den Rotariern niemand gerechnet. 38 400 Menschen konnten aus den Erlösen der Deckel-Sammelaktion in den vergangenen knapp vier Jahren gegen die lebensbedrohliche Poliomyelitis – zu Deutsch: Kinderlähmung – geimpft werden.

Im September 2015 starteten die Gubener Rotarier die „Deckel gegen Polio“-Aktion. 50 Sammelbehälter hatten der damalige Rotary Club-Präsident Matthias Bärmann und seine Mitstreiter im Stadtgebiet verteilt. Die meisten standen in Kitas, Schulen und öffentlichen Gebäuden wie der Stadtverwaltung. Später folgten Behälter in den Supermärkten und bei Getränkehändlern. Selbst außerhalb Gubens – in Pulsnitz, in Krauschwitz, in Kiel, in Chemnitz – sammelten die Rotarier, um Kunststoffdeckel an einen Recycler in Berlin zu verkaufen. 500 Deckel bringen den Gegenwert von einer Impfung, hieß es.

Polio nur noch in wenigen Ländern

Das Ziel war nichts Geringeres als die vollständige Ausrottung der Kinderlähmung weltweit. Was sich wie ein reichlich hoch gegriffenes Vorhaben anhört, ist so unmöglich gar nicht. Poliofälle, das erklärt Bärmann, seien fast ausschließlich noch aus Afghanistan, Pakistan und Nigeria bekannt.

Die Bereitschaft, in Guben und in den anderen Städten, Deckel von Trinkflaschen, Zahnpastatuben, Tetrapaks oder Shampooflaschen für die Aktion zu geben, war schon zu Beginn groß. Mit der ersten Fuhre Kunststoff nach Berlin konnten 1500 Polio-Impfungen finanziert werden. Riesige so genannte Big Packs – stabile Kunststoffsäcke – lagerten auf dem Hof des Unternehmens Popp-Fahrzeugbau zwischen. Letzteres sorgte für die tonnenschweren Transporte in die Hauptstadt zum Verwerter.

In der „Bill und Melinda Gates-Stiftung“ haben die Rotarier einen finanzstarken Partner, der für jeden Euro, den die Rotarier mit dieser Aktion in den Kampf gegen Polio gesteckt haben, zwei Euro draufgelegt hat.

Neue EU-Verordnung und sinkende Rohstoffpreise

„Schier unglaublich“ nennt Bärmann die Bereitschaft an allen Sammelstellen, die Aktion zu unterstützen. Im Mai dieses Jahres rief der Rotary Club Guben dann zum Endspurt auf. Hintergrund war eine neue EU-Verordnung zu Kunststoffdeckeln und gesunkene Rohstoffpreise. Die Sammler legten sich ganz offenbar noch einmal ordentlich ins Zeug. Neun Big Packs mit insgesamt 2,48 Tonnen Plastikdeckeln transportierte Popp noch einmal nach Berlin.

Einige Schulen hatten sich im Laufe der Aktion ganz besonders mit dem Sammeln der Deckel beschäftigt – die Friedensschule etwa, das Pestalozzi-Gymnasium in Guben. In der Grundschule Grano kamen seit September 2015 ordentliche 1,25 Tonnen Kunststoff zusammen – Grund genug für eine Urkunde für die besonders fleißigen Sammler von der Grünen Grundschule. Allein die Deckel, die dort gesammelt wurden, brachten den Gegenwert von 3725 Polio-Impfungen.

Zweimal Guben und Schenkendöbern

Insgesamt 12,8 Tonnen Rohstoff sind im Zuge der Aktion der Gubener Rotarier zu Geld für die Polio-Bekämpfung gemacht worden. Die Anzahl derer, denen mit Impfungen geholfen werden konnte „entspricht also etwa der doppelten Einwohnerzahl der Stadt Guben und der Gemeinde Schenkendöbern“, sagt Matthias Bärmann und schiebt nach. „So bleibt nur noch ein Wort: Danke.“

 Dominik Mahr (l.) kam mit seiner Lehrerin Carola Kästner sogar von Krauschwitz nach Guben gekommen, um 16 Kilo Kunststoffdeckel an die Gubener Rotarier zu übergeben.
Dominik Mahr (l.) kam mit seiner Lehrerin Carola Kästner sogar von Krauschwitz nach Guben gekommen, um 16 Kilo Kunststoffdeckel an die Gubener Rotarier zu übergeben. FOTO: Daniel Schauff