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Guben ordnet Sozialarbeit neu

Im Gubener Jugendklub Comet wird seit vielen Jahren erfolgreich offene Jugendarbeit gemacht. Der Zuschuss für die beiden Sozialarbeiter soll nach einem Änderungsantrag im gestrigen Sozialausschuss erhalten bleiben.
Im Gubener Jugendklub Comet wird seit vielen Jahren erfolgreich offene Jugendarbeit gemacht. Der Zuschuss für die beiden Sozialarbeiter soll nach einem Änderungsantrag im gestrigen Sozialausschuss erhalten bleiben. FOTO: Foto-Werner/rww1
Guben. "Wir brauchen Jugend-, Schul- und Familienarbeit in der Stadt", stellt Mandy Große, zuständige Fachbereichsleiterin im Gubener Rathaus, klar. Deshalb habe der Erhalt von Stellen "oberste Prämisse" bei der Neuordnung. Silke Halpick

Dennoch: Mit weniger Stunden muss künftig das Personal im Jugendklub Zippel sowie im Kinder-, Jugend- und Freizeitzentrum (KJFZ) auskommen.

Hintergrund für die anstehende Änderung ist ein Beschluss des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Spree-Neiße von Juni 2017. Demnach soll ab 2018 die Schulsozialarbeit ausgeweitet werden. Ein Grundsatz, den auch die Stadt Guben mitträgt. "Von unseren Schulsozialarbeitern wissen wir, dass diese mehr Zeit für ihre Arbeit brauchen", sagt Große. Die Probleme würden mittlerweile bereits im Grundschulalter beginnen. Als Beispiele nennt sie Mobbing oder Handysucht.

Ab 2018 sollen deshalb an den beiden Gubener Grundschulen die Schulsozialarbeiter von je einer halben Vollzeitstelle auf 70 Prozent aufgestockt werden. Das Gymnasium und die Europaschule bekommen jeweils eine 0,8 Vollzeitfachkraft. Auch das Schulverweigererprojekt am Haus der Familie kann mit einer halben Vollzeitstelle weiter wie bisher laufen.

Demgegenüber stehen allerdings Einsparungen im Bereich der Jugendarbeit. "Hier muss jeder Träger ein bisschen zurückstecken", wie es Große erklärt. Im KJFZ sollen die beiden bisherigen Vollzeit-Sozialarbeiter künftig nur noch 50 und 80 Prozent arbeiten. Die offene Treffpunktarbeit am Jugendklub Zippel, dessen Träger der Fabrikverein ist, will der Landkreis künftig gar nicht mehr fördern. In die Finanzierungslücke springt aber die Stadt mit einer 80-Prozent-Stelle. "Allerdings muss hier auch das Ergebnis des Interessenbekundungsverfahren abgewartet werden", betont Große. Die Stadt hat das Gesamt-Fabrik-Paket, bestehend aus Jugend-, Kulturarbeit und Gastronomiebetrieb, öffentlich ausgeschrieben. Mit einer Entscheidung wird erst Mitte Oktober gerechnet.

Nicht betroffen von den Stundenkürzungen ist der Jugendklub Comet, der vom Förderverein für alternative Jugendarbeit getragen wird. Dort sollen beide Vollzeitstellen erhalten bleiben. Im Entwurf der Stadt war noch eine Reduzierung um jeweils zehn Prozent vorgesehen. Doch damit waren die Mitglieder des Sozialausschusses nicht einverstanden. Sie stimmten gestern mehrheitlich für die entsprechende Änderung. "Der Verein arbeitet mit ganz schwierigen Jugendlichen", wie Berit Kreisig ("Wir Gubener Bürger") begründet.

Die Kürzungen bei der Jugendarbeit werden vom Landkreis mit der demografischen Entwicklung begründet. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen ist auch in Guben stark rückläufig. Im Jahr 2000 lebten hier noch 2727 Zehn- bis 18-Jährige. Ende 2015 waren es nur noch 932. Prognosen zufolge werden es im Jahr 2025 noch 890 Personen sein. Eine Anpassung sei längst überfällig gewesen, räumt Große ein.

Insgesamt kommt die Stadt Guben bei der Neuverteilung der Sozialarbeiterstellen gut weg. Aus bisher 9,85 Vollzeitstellen werden 9,9. In den Bereichen, in denen der Landkreis kürzt, springt die Stadt ein. Auf der anderen Seite übernimmt der Landkreis jetzt auch Kosten, für die bisher die Stadt allein aufkam wie für den Sozialarbeiter am Gubener Gymnasium.

Zum Thema:
Ziel der neuen Förderprämissen des Jugendhilfeausschusses ist es, insgesamt zehn zusätzliche Stellen für die Schulsozialarbeit im Landkreis Spree-Neiße zu schaffen. Für 4,5 Stellen davon sollen im Kreishaushalt entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die restlichen 5,5 Stellen sollen bei der Jugendarbeit eingespart werden. Von den Kürzungen betroffen sind auch andere Städte. In Spremberg soll beispielsweise die Zahl der Jugendsozialarbeiter von bisher 7,5 auf 4,5 reduziert werden.