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| 02:38 Uhr

Guben muss weiter schrumpfen

Blick auf die Gubener Altstadt. Dieser Bereich soll nach Vorstellungen der Planer in den kommenden Jahren weiter gestärkt werden.
Blick auf die Gubener Altstadt. Dieser Bereich soll nach Vorstellungen der Planer in den kommenden Jahren weiter gestärkt werden. FOTO: Steckling
Guben. Dass die Stadt Guben auch in den kommenden Jahren weiter schrumpfen wird, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch: Die Zahlen, die im jüngsten Wirtschaftsausschuss präsentiert wurden, waren ernüchternd. Und die stetig sinkende Einwohnerzahl könnte gravierende Folgen auf die künftige Struktur der Stadt haben. Thomas Engelhardt

Wenn es um die Fortschreibung der Gubener Stadtumbaustrategie geht, dann macht der amtierende Bürgermeister Fred Mahro seit Monaten Druck. Mahro möchte, dass das Konzept noch vor der Kommunalwahl am 25. Mai verabschiedet wird - das heißt, allerspätestens auf der letzten Versammlung des jetzigen Stadtverordneten am 14. Mai. Denn Mahro weiß: Nach der Wahl werden erst einmal Wochen, wahrscheinlich sogar Monate vergehen, ehe das politische Leben wieder richtig in Gang kommt. Schließlich müssen sich die neue Stadtverordnetenversammlung und ihre Ausschüsse erst einmal finden, bevor sie sich wieder mit Sachthemen befassen. Und das kostet Zeit.

Zahlen und Fakten

Zeit, die Guben im Fall des Stadtumbaus eigentlich nicht hat. Wie sehr die Zeit drängt, machten in der vorigen Woche im Wirtschaftsausschuss die Ausführungen von Christiane Büttner vom Planungsbüro Ernst Basler und Partner deutlich. Sie stellte die Zahlen und Fakten für die Fortschreibung der Stadtumbaustrategie vor. Demnach haben sich die Prongnosen in puncto Bevölkerungsentwicklung seit der letzten Fortschreibung im Jahr 2009 noch einmal verschlechtert. Für das Jahr 2020 wird jetzt mit einer Einwohnerzahl von noch rund 15 400 gerechnet, für das Jahr 2030 wird nur noch von etwa 12 700 Gubenern ausgegangen. Interessant dabei: Immer weniger Bedeutung an dieser Entwicklung werde in den kommenden Jahren die Wanderung haben, also die Zahl der Zu- und Wegzüge. Vielmehr werde der Trend immer stärker von der natürlichen Entwicklung geprägt, so Büttner. Sprich: Es gibt immer mehr ältere und immer weniger junge Gubener.

Gravierende Veränderungen

Gravierenden Einfluss habe diese Entwicklung auf den Wohnungsmarkt. Liege die Leerstandsquote in der Stadt aktuell bei 16 Prozent, so würde sie für den Fall, dass alles bleibt wie bisher, im Jahr 2030 bei 36 Prozent liegen. Wolle die Stadt hingegen im Jahr 2030 eine Leerstandsqoute von zehn Prozent erreichen, müssten bis dahin rund 2300 Wohnungen abgerissen werden.

Womit sich automatisch die Frage stellt, wo diese Wohnungen zurückgebaut werden und welche Wohngebiete gestärkt werden sollen. Zwar gebe es laut Christiane Büttner auch Modelle, das Stadtzentrum in den Bereich der Obersprucke zu verlagern. Diese Ideen seien aber praktisch nicht umsetzbar. Vielmehr schlagen die Planer vor:

Die weitere Aufwertung der Gubener Altstadt. Dort müsse der Wohnraum an die Bedürfnisse der Einwohner angepasst werden. So könnten Anreize für Umzüge innerhalb der Stadt geschaffen werden. Generell sollten die Menschen in der heutigen Zeit, in der die Mobilität immer mehr zunehme, solche Umzüge auch im fortgeschrittenen Alter nicht ausschließen.

Der großflächige Rückbau im Wohnkomplex IV. Dieses Wohngebiet sei in der jetzigen Form so nicht zu halten, so Büttner. Dort seien gleich reihenweise Wohnungen abzureißen.

Rückzug aus der Fläche im Wohnkomplex II. Hier empfehlen die Planer eine Zentralisierung der Wohnbereiche, nicht zuletzt, weil es lange Wege und damit hohe Kosten beispielsweise für die Versorgung der äußeren Bereiche mit Strom und Wasser gibt. Problem für die Planer: Diese äußeren Bereiche, also zum Beispiel die Leonhard-Frank- oder die Gerhart-Hauptmann-Straße, sind aktuell bei den Gubener beliebter als der zentrale Bereich um die Friedrich-Schiller-Straße.

Szenarium für 2040

Letztlich könnte Guben, so Christiane Büttner, schon im Jahr 2040 aus einem aufgewerteten Stadtzentrum und einem kleinen, kompakten Komplex in der Obersprucke bestehen, der sich aus den Resten der heutigen Wohnkomplexe II und IV zusammensetzt.

Die ernüchternden Zahlen sorgten dafür, dass die Abgeordneten keinen großen Redebedarf hatten - auch nicht über den Umsetzungsplan für die unmittelbar bevorstehenden Jahren 2015 bis 2017. Jetzt sollen die Zahlen und Fakten erst einmal in den Fraktionen diskutiert werden.