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| 02:36 Uhr

Guben liegt nun an der Dichterstraße

Andreas Peter nimmt stolz das Logo der "Märkischen Dichterstraße", das zukünftig den Eingang zum Stadtwächterstübchen zieren wird, von Johanna Leu vom Kulturförderverein Mark Brandenburg entgegen.
Andreas Peter nimmt stolz das Logo der "Märkischen Dichterstraße", das zukünftig den Eingang zum Stadtwächterstübchen zieren wird, von Johanna Leu vom Kulturförderverein Mark Brandenburg entgegen. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Im Stadtwächterstübchen des Gubener Historikers und Verlegers Andreas Peter machte am Samstag die zweite Etappe der "Märkischen Dichterstraße" Halt. Das Logo des Projektes des Kulturfördervereins Mark Brandenburg ist jetzt am Eingang zum Stübchen an der Frankfurter Straße zu sehen. Jana Pozar / zar1

"Mich macht es richtig, richtig stolz, dass mein Stadtwächterstübchen als zweite Etappe der Märkischen Dichterstraße vom Kulturförderverein ausgewählt wurde. Ein Anlass war ja auch der Geburtstag des Gubener Schriftstellers Klaus Herrmann, der am 4. August 1903 in Guben geboren wurde", sagt Andreas Peter.

"Die Dichterstraße ist eine sehr breite Straße und bietet vielen Platz, die sich schreibend betätigen. Manche Autoren schreiben Geschichten, mache Gedichte, andere schreiben Sachbücher und wieder andere Fachbücher. Sie alle haben auf dieser Straße ihren Platz und gemeinsam zeigen sie eine Vielfalt, die jedem etwas bietet", erklärt der Verleger.

Der Gubener Stadtwächter hatte sich für diesen Tag auch etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Stöbern in Büchern, einen Stadtrundgang, ein kleines musikalisches Feuerwerk von Andriej Kotin aus Zielona Gora und Gäste wie Hans-Joachim Bergmann und Rosemarie Schuder. Das Stadtwächterstübchen hatte zuvor wohl noch nie so viele Gäste auf einmal gesehen. "Hier gibt es mehr Bücher als Stühle", sagte Peter lachend, während er für immer mehr Sitzgelegenheiten sorgte. Trotzdem mussten einige Interessenten den Informationen von draußen lauschen.

Das taten sie gern, denn auf sie wartete schließlich noch der poetische Stadtrundgang mit Peter. Und ganz nebenbei sammelte der Historiker und Verleger Spenden für eine Gedenktafel zu Ehren von Karl Gander. Die Tafel soll am Haus an der ehemaligen Corssener Straße 7 angebracht werden. Dort lebte Karl Gander einst.

Doch zuvor wurde von Johanna Leu vom Kulturförderverein Mark Brandenburg die Tafel der "Märkischen Dichterstraße" an den Gubener Stadtwächter übergeben. "Mit der Kennzeichnung dieses Ortes wollen wir an das literarische Schaffen der Autoren und Menschen erinnern, die in vielfältiger Weise für uns die Geschichte dokumentiert und bedichtet haben, damit uns heute die Vergangenheit erhalten bleibt", sagte Johanna Leu. Die Darstellung der Vergangenheit bedürfe den Rückblick auf die Quellen, deren Beschreibung und Zustände, die heute noch Auskunft geben darüber, wie es einmal war. "Hier in Guben haben ja viele Menschen ihre Spuren hinterlassen", betonte Johanna Leu.

Sie nannte Namen wie Karl Gander, Corona Schröter, Klaus Herrmann, Rosemarie Schuder, Ruth Werner und Johann Franck, die den Namen der Neißestadt in alle Lande trugen. "Damit Guben für literarisch interessierte Touristen noch anziehender wird, wollen wir alle Orte, in denen Brandenburger und andere Autoren in der Mark gelebt haben, gearbeitet oder berühmt geworden sind, mit unserem Logo kennzeichnen und dazu auch eine touristisch literarische Wanderkarte entwickeln, um noch mehr für den Tourismus und die Förderung unseres kulturellen Erbes zu tun", betonte Johanna Leu.

Der poetische Stadtrundgang führte die Interessenten zunächst an die Stelle, an dem das Haus stand, in dem Corona Schröter einst lebte. In der Ruine der einstigen Stadt- und Hauptkirche informierte Andreas Peter nicht nur über den Fortgang der Arbeiten am ehemals größten Gotteshaus der Neißestadt. Er erzählte auch Erlebnisse der vorwitzigen Maus Piepsi, die aus seiner Feder stammen.

Über die Neißeinsel ging es zurück in den Westteil der Stadt. Dort erinnerte Andreas Peter unter anderem an Jakob Wunschwitz, der in Guben hingerichtet wurde, an den Teufel von Guben in der Reformationszeit und an die letzte Fahrt der Gubener Straßenbahn. All diese Geschichten und Begebenheiten wurden von Gubener Dichtern aufgeschrieben, teils neu verlegt von Andreas Peter. Der Gubener Poetensteig jedenfalls mündet seit Samstag in die die Märkische Dichterstraße.

Die nächste Station der Märkischen Dichterstraße wird Buckow (Märkisch-Oderland) sein. Dort soll an Bertolt Brecht und Helene Weigel erinnert werden.