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| 19:27 Uhr

Demografie
Krieg, Wende – Perspektive?

 Guben 4c
Guben 4c FOTO: LR / Schubert
Guben. Guben schrumpft dramatisch. Trotzdem: Nicht überall schlägt der demografische Wandel zu. Von Daniel Schauff

Die Stadt schrumpft. Nichts Neues, was Bürgermeister Fred Mahro (CDU) am Donnerstag im Wirtschaftsausschuss präsentiert. Und trotzdem – die Zahlen, die der Verwaltungschef liefert, liefern einen neuen Blick auf Guben. Ja, die Stadt schrumpft, hat aber auch Potenziale. Die liegen nicht zuletzt in Guben. Und im Industriegebiet.

Die Einwohnerzahlen Stolze 44 000 Einwohner zählte die Stadt noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Immerhin rund 36 000 waren es in der bereits geteilten Stadt zu DDR-Zeiten um 1980. Danach geht es rapide bergab. Ende 2018 lebten noch 17 135 Menschen in der Neißestadt. Ein Sonderfall? Nein – fast genauso hat sich die Stadt Weißwasser (Kreis Görlitz) in den vergangenen Jahren entwickelt. Bürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) werde ihm den Vergleich nicht übel nehmen, betonte Mahro. Man könne gut miteinander. In Weißwasser leben derzeit etwas unter 17 000 Menschen, kurz vor dem Ende der DDR waren es noch 38 000.

Die Weg- und Zuzüge Viele Gubener verlassen nach wie vor die Stadt. 2018 waren es 651, 2016 sogar über 900. Allerdings: Seit 2014 halten sich Zu- und Wegzüge fast die Waage. 617 Menschen sind im vergangenen Jahr in die Neißestadt gezogen. 2016 sogar fast 900. Ausnahmefall: das Jahr 2015. Aufgrund des massiven Zuzugs von Flüchtlingen hat sich Gubens Bilanz ein Jahr lang besonders positiv gezeigt: 1216 Zuzüge, 693 Wegzüge. Profitiert hat die Stadt davon allerdings kaum. Viele der Flüchtlinge haben die Stadt längst verlassen.

Die Geburten und Sterbefälle Rund 100 Geburten sind es fast jedes Jahr – zumindest seit der Jahrtausendwende. Dem gegenüber stehen jährlich zwischen 350 und 400 Sterbefälle. Der demografischen Entwicklung Gubens tut das nicht besonders gut. Grund ist der hohe Altersschnitt in der Neißestadt. Das lliegt bei rund 52 Jahren. Das Durchschnittsalter in der gesamten Bundesrepublik liegt mit rund 44 Jahren deutlich darunter.

Die Polen Guben ist für Menschen aus dem nahen Nachbarland offenbar sehr attraktiv. Zwischen 2013 und 2018 hat sich die Zahl der in Guben lebenden Polen verdoppelt  – von 400 auf 800. Damit machen Polen fast genau die Hälfte der Ausländer aus, die in der Stadt leben. Insgesamt sind es derzeit rund 1400. Vor dem Flüchtlingsstrom 2015 lag die Gesamt-Ausländerzahl in Guben bei rund 550. Damals waren deutlich mehr als die Hälfte Polen.

Die Kinder In den vergangenen acht Jahren hält sich die Zahl der Kinder bis sechs Jahre konstant. 716 waren es 2011, 2015 – auch bedingt durch den Zuzug geflüchteter Familien – waren es fast 790. Aber auch 2018 waren es noch 769. Für die Schulen in Guben bedeutet das eine sichere Zukunft. Laut Schulentwicklungsplanung des Kreises sind die Schulen in Guben sicher.

Die Schulabgänger 17- oder 18-Jährige sind rar in Guben. Grund: Nach der Schule entscheiden sich viele fürs Studium, wenige bleiben an der Neiße. Der Blick auf die Alterspyramide bestätigt das. In Guben leben weniger als 100 junge Menschen aus dem Jahrgang 1998, 20- oder 21-Jährige also. Gerade einmal gut 70 sind es aus dem Jahrgang 1997. Die Zahlen für Jugendliche im Schulalter liegen höher, so gut wie konstant über 100.

Die Arbeitsplätze 8,3 Prozent der Gubener sind arbeitslos (Stand: Dezember 2018). Das sind zwar viele, im Vergleich zum Vorjahr aber erfreulich wenige. Damals lag die Quote noch bei 9,7 Prozent. Guben hat damit die rote Laterne im Kreis abgegeben. Die trägt jetzt Forst mit 9,2 Prozent. Ein Grund dafür: Weit mehr Arbeitsplätze im Industriegebiet Süd. 2014 waren es 1060, 2018 1267. Im Gewerbegebiet Deulowitz liegt die Zahl konstant bei rund 300. Im gesamten Stadtgebiet (ohne Industriegebiete) zeigt sich ein erfreuliches Bild. 2014 gab es dort 1358 Beschäftigte. Ende 2018 sind es 1952. Trotzdem sinkt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Guben seit Jahren konstant. 2004 waren es noch 6223. 2018 sind es nur noch 5523.