| 18:52 Uhr

Kultur
Auf den Spuren der Geschichte

Günter Quiel, Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, sieht im Geschichtstourismus eine große Chance für die Neißestadt.
Günter Quiel, Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, sieht im Geschichtstourismus eine große Chance für die Neißestadt. FOTO: Patrick Pleul
Guben. Wie ein Gubener Touristen zu historischen Schauplätzen in der Region locken will. Silke Halpick

Die Zukunft liegt im Geschichtstourismus – davon ist Günter Quiel, Gubener Stadtverordneter und Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, überzeugt. Potenzial hat auch die einstige Hutmacher- und heutige Grenzstadt. Quiels Ideen für thematische Touren scheinen unerschöpflich. Im Visier hat er dabei die gesamte Region.

„Der weiße Hirsch als Wappentier könnte die verschiedenen Rundwege durch die Stadt markieren“, schlägt Quiel vor. Der Legende nach wurde das Tier an der Stelle gesehen, an der später die Stadt- und Hauptkirche erbaut wurde. Das Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte Gotteshaus ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Quiel führt Besucher mit Begeisterung durch die Ruine, erzählt aus der Geschichte und berichtet über die Fortschritte beim geplanten Wiederaufbau.

Interessant ist die Neißestadt auch für Bahn-Enthusiasten: Bereits seit dem Jahr 1846 hat Guben eine Bahnanbindung. Die Neißestadt war die erste Metropole in der Lausitz. Durch Cottbus rumpelten da noch fast 20 Jahre lang ausschließlich Pferdefuhrwerke. Auch das erste Kursbuch Deutschlands mit einer Auflage von fünf Millionen Stück wurde in der Neißestadt gedruckt.

„Nur wenigen ist bekannt, dass viele weltbekannte Schauspieler auf der Bühne des Gubener Theaters ihre ersten Sporen verdienten“, erzählt Quiel. Für ihnen gehören Wolf Kaiser, „der beste Mackie Messer aller Zeiten“, Heinrich George, der Vater von Götz George, oder Will Quadflieg, dessen Sohn viele als Landarzt aus dem Fernsehen kennen, dazu. Das Gubener Theater auf der Schützeninsel wurde 1874   mit    dem Goethe-Klassiker „Faust“ eingeweiht. Heute sind nur noch Fragmente zu sehen.

Sichtbare Spuren hat hingegen der Gubener Hutmacher Carl Gottlob Wilke in der Stadt hinterlassen. Er erfand 1854 den wetterfesten Wollfilzhut und legte damit den Grundstein für sein Imperium. In der ehemaligen Hutfabrik arbeitet heute die Stadtverwaltung. Das Torhaus, einst Pförtnerloge, gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Und selbst das Naemi-Wilke-Stift, Gubens Krankenhaus, ist als Privatstiftung des Gubener Hutfabrikanten Friedrich Wilke entstanden. Seine Tochter Naemi starb im Alter von 14 Jahren an Typhus.

Architektur-Interessierte kommen an den Überresten der Villa Wolf im heutigen Gubin nicht vorbei. Das Erstlingswerk des Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe könnte nun möglicherweise rein aus privaten Spendengeldern wieder aufgebaut werden. „Bauhaus gibt es aber auch in Cottbus“, berichtet Quiel. Was liegt also näher als touristische Themenstraßen wie zur Baukunst des 20. Jahrhundert?

Um Touristen in die Region zu locken, müssen die Städte allerdings noch enger miteinander zusammenarbeiten und ihre Angebote verzahnen, betont Quiel. Zur Region gehören für ihn neben Forst, Cottbus und Neuzelle auch die Städte auf polnischer Seite. „Krosno hat ein sehr schönes Schloss, das zur Hälfte bereits renoviert ist“, sagt Quiel. Er ist optimistisch. Schließlich könnten bei der Verwirklichung der Projekte auch historisch interessierte Ehrenamtler mithelfen.