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Guben hofft auf Fördermillionen

Der leer stehende Wohnblock in der Karl-Marx-Straße ist einer von drei Häusern in der Straße, die die Guwo auch mithilfe von Stadtumbaufördermitteln komplett sanieren will.
Der leer stehende Wohnblock in der Karl-Marx-Straße ist einer von drei Häusern in der Straße, die die Guwo auch mithilfe von Stadtumbaufördermitteln komplett sanieren will. FOTO: S. Halpick
Guben. Mit dem neuen Umsetzungplan will die Stadt Guben von 2018 bis 2020 insgesamt rund 4,5 Millionen Euro an Städtebau-Fördermitteln an die Neiße holen. Die Stadtverordneten haben auf ihrer Sitzung am Mittwoch grünes Licht gegeben. Silke Halpick

Vor der Realisierung der jeweiligen Investitionsprojekte wird es jedoch noch separate Beschlussvorlagen geben.

Das größte Vorhaben im Umsetzungplan ist die Komplettsanierung von drei Wohnblöcken der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) in der Karl-Marx-Straße. Die Gesamtkosten dafür liegen bei 7,6 Millionen Euro. Die beantragten Städtebaufördermittel in Höhe von 670 000 Euro gelten nur als Spitzenfinanzierung. Die Guwo wird darüber hinaus auch Wohnraumfördermittel beantragen. "Aktuell ist ein Architektenwettbewerb in Vorbereitung", sagt Geschäftsführer Martin Reiher. Damit sollen verschiedene Möglichkeiten, die Objekte zu aktivieren, geprüft werden.

In den vergangenen 15 Jahren hat die Stadt Guben von Stadtumbaumitteln in Höhe von 46 Millionen Euro profitiert. Darauf verweist Carola Huhold, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung im Gubener Rathaus. 33,5 Millionen Euro stammen vom Land und vom Bund. 12,5 Millionen Euro trägt die Stadt als kommunalen Mitleistungsanteil. Rund ein Drittel der Fördermittel gingen an private Investoren, wie sie erklärt. Wer durch die schmuck sanierte Altstadt läuft, sieht, dass das Geld gut angelegt ist.

"Voraussetzung für die Bewilligung von Fördermitteln ist jedoch ein Umsetzungsplan", erklärt Huhold. Der aktuelle läuft Ende des Jahres aus. Ein Beschluss der Stadtverordneten sei zwar grundsätzlich vom Land nicht gefordert, werde in Guben aber aus Gründen der Transparenz seit einigen Jahren praktiziert. "Priorität haben Investitionen in die Altstadt Ost und West", sagt Huhold.

Hintergrund dafür ist die Strategie des Landes Brandenburg, nach der die Innenstädte gestärkt und der Abriss grundsätzlich von außen nach innen erfolgen soll. Das ist in Guben nicht unumstritten. Vor allem ältere Neißestädter fühlen sich in ihren Wohnungen in der Obersprucke wohl. Auch gegen den Ende nächsten Jahres geplanten Abriss von vier Guwo-Wohnblöcken in der Leonhard-Frank-Straße haben die Betroffenen protestiert und sich mit einer Petition an die Stadtverordneten gewandt. Gebracht hat das nichts. Huhold verweist hier auch auf die Unternehmensplanung der Guwo sowie die von den Stadtverordneten beschlossenen Stadtumbaustrategie.

Im neuen Umsetzungplan wurden für den Abriss der Häuser rund 740 000 Euro an Fördermitteln beantragt. Auch für zwei weitere namentlich nicht benannte Guwo-Objekte sind Rückbau-Fördermittel vorgesehen. Welche Blocks das sind, will die Guwo noch nicht sagen. "Ende des Jahres werden wir die Mieter informieren", betont Reiher. Bis zum Abriss würden noch "einige Jahre" vergehen.

"Zehn Prozent Wohnungsleerstand werden wir immer haben", sagt Huhold. Prognosen zufolge sollen aber bis 2030 insgesamt 3000 Wohnungen leer stehen. Der weitere Rückbau ist aus Sicht der Stadtplanerin deshalb unausweichlich. "Bei der umfänglichen Förderung von Teilabbrüchen geht das Land nicht mit. Hier werden nur 70 Euro pro Quadratmeter als Kappungsgrenze gefördert", sagt sie. Damit sei der wesentlich teurere Abriss von Obergeschossen vom Tisch.

Zum Thema:
Im Rahmen des Umsetzungsplanes 2018 bis 2020 werden Fördermittel in den vier Teilprogrammen Stadtumbau Ost Aufwertung (STUB AUF), Rückbau (STUB RB), Sicherung, Sanierung und Erwerb von Altbauimmobilien (STUB SSE) sowie Soziale Stadt (STEP) beantragt. Wenn der Hort in der Friedensschule ausgebaut wird, müssen die Sanierung der Hegelstraße sowie des Platzes des Gedenkens ins Jahr 2021 verschoben werden. Nachrückerprojekte im STUB AUF sind auch die Fischfabrik und die Sanierung des DRK-Gebäudes in der Kaltenborner Straße