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| 14:39 Uhr

Zwangsversteigerung des Gubener Wahrzeichens
Am Hochhaus tut sich was

 Schandfleck und Sorgenkind: Seit Jahren streiten Stadt und Eigentümer ums Hochhaus. Nun soll der Bau einen neuen Besitzer finden. Was mit dem Wahrzeichen der Neustadt geschieht, bleibt noch unklar.
Schandfleck und Sorgenkind: Seit Jahren streiten Stadt und Eigentümer ums Hochhaus. Nun soll der Bau einen neuen Besitzer finden. Was mit dem Wahrzeichen der Neustadt geschieht, bleibt noch unklar. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Über Jahre streiten sich Stadt und Eigentümer um den Schandfleck an der Schiller-Straße in Guben. Weil der Eigentümer nicht mehr über das Gebäude verfügen darf, soll das seit 2006 leer stehende Hochhaus in neue Hände. Von Daniel Schauff

Jetzt macht die Stadt Nägel mit Köpfen.

Der Eigentümer des Gubener Hochhauses in der Schiller-Straße ist nicht mehr verfügungsberechtigt. Die Stadt will einen Eigentümerwechsel erreichen. Damit würde der jahrelange Ärger um das marode Gebäude enden.

Bis es so weit ist, wird allerdings noch einiges an Wasser die Neiße herabfließen. Wenn es gut laufe, sagt Bürgermeister Fred Mahro (CDU), dauere ein solches Besitzerwechselverfahren sechs bis zwölf Monate. Ihm seien aber auch Fälle in Brandenburg bekannt, die mehrere Jahre in Anspruch genommen hätten.

Das Problem mit dem Hochhaus: Das Gebäude steht seit 2006 leer und zerfällt zunehmend. Der zuständige Landkreis Spree-Neiße musste Sicherungsmaßnahmen ergreifen, weil das marode Gebäude zu einem Sicherheitsrisiko für den öffentlichen Raum geworden war. Das ehemalige Hotel Panorama dient dem Eigentümer als Stativ für Mobilfunkmasten. Dafür, dass die Mobilfunkbetreiber ihre Masten auf dem Gebäude platzieren dürfen, bekommt der Eigentümer Geld. Und das nicht zu knapp, wie Bürgermeister Fred Mahro bereits vor einiger Zeit erklärte. Wie viel genau, ist unklar, wohl aber genug, um jede Maßnahme am Gebäude abzulehnen. Über Jahre streiten sich Stadt und Eigentümer um den Schandflecken an der Schiller-Straße.

Die Lösung: Eine Zwangsversteigerung. Tief in die Karten lässt sich die Stadtverwaltung dahingehend noch nicht blicken. Klar aber ist: Der Eigentümer des Hochhauses hat Schulden bei der Stadt. Möglich sind nicht bezahlte Strom- oder Wasserrechnungen bei Unternehmen mit kommunaler Beteiligung oder fehlende Steuerzahlungen. Bereits im April hatte die Stadtverwaltung bestätigt: Sie sei „bestrangigster Gläubiger“ – heißt: Sie würde als erste Geld bekommen von denen, die bei einer Zwangsversteigerung Ansprüche geltend machen würden. Einen Beschlagnahme-Termin habe es bereits gegeben, sagt Bürgermeister Mahro. Das bedeutet: Der Eigentümer ist zwar noch Eigentümer, darf aber über seine Immobilie nicht mehr verfügen.

Die Zukunft: Mahro lässt auch während der Stadtverordnetenversammlung offen, was mit dem Hochhaus nach der Zwangsversteigerung geschehen soll. Eine Nachfrage von Daniel Münschke (AfD), was die Stadt denn vorhabe, wenn sie im Besitz des Hochhauses sei, beantwortet Mahro erst im nichtöffentlichen Teil. Dass die Stadt überhaupt plant, selbst bei einer Zwangsversteigerung zu bieten, ist unklar. In der Vergangenheit hatte Mahro betont, die Stadt hege kein Kaufinteresse. In der Vergangenheit hat es mehrfach Pläne für einen Abriss gegeben. Die schwierigen Eingentumsverhältnisse und die fehlende Kooperationsbereitschaft des Eigentümerns hatten den Planenden aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Vergangenheit: Das einstige Hotel und spätere Wohnhaus war 2007 bereits einmal zwangsversteigert worden. Die ehemalige Besitzerfamilie hatte wiederholt Stromrechnungen nicht bezahlt, so dass sich der Energielieferant schließlich gezwungen sah, den Strom abzudrehen. Der neue Besitzer hatte nach dem Erwerb unter anderem von neuen Wohnungen und einer Wiederbelebung des Restaurants im Haus gesprochen. Geschehen ist nichts – das Gebäude war dem Verfall preisgegeben, entwickelte sich vom Wahrzeichen zum möglichweise unschönsten Flecken Gubens.

Das Kino soll auf gleiche Weise einen neuen Eigentümer finden. Ein entsprechender Antrag, sagt Bürgermeister Mahro, laufe.