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Gesundheit
Guben: Hausarztpraxis vorerst geschlossen

Leszek Lacheta und seine Frau Malgorzata Babczynska-Lacheta praktizieren seit vier Jahren im KV RegioMed Zentrum im Naemi-Wilke-Stift.
Leszek Lacheta und seine Frau Malgorzata Babczynska-Lacheta praktizieren seit vier Jahren im KV RegioMed Zentrum im Naemi-Wilke-Stift. FOTO: Engelhardt
Guben. Kassenärztliche Vereinigung kündigt polnischen Medizinern in einstiger Vorzeige-Einrichtung.

Viele Gubener sind sauer: Die Praxis des Hausarztes Dr. Leszek Lacheta sowie der HNO-Ärztin Malgorzata Babczynsk-Lacheta, soll zum 31. März 2018 geschlossen werden. Das kommt vollkommen überraschend für die meisten. Die Einrichtung wurde vor vier Jahren als eine der ersten KV RegioMed Praxen im Land Brandenburg eröffnet. Ziel des Pilotprojektes war es, Ärzte in die strukturschwache Region zu locken.

Schon heute sind die beiden Mediziner nicht mehr erreichbar. Wer es telefonisch versucht, bekommt nur den Anrufbeantworter mit der Ansage zu hören, dass er außerhalb der Sprechzeiten anrufe. „Die Praxis muss vorerst geschlossen bleiben“, sagt Christian Wehry, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin Brandenburg (KVBB) auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Als Grund nennt er einen „hohen Krankenstand“, der derzeit keinen Praxisbetrieb ermögliche.

Doch viele Patienten der beiden schon langjährig in Deutschland praktizierenden Ärzte wissen bereits seit einigen Tagen, dass sie sich ab dem 31. März 2018 einen neuen Haus- beziehungsweise HNO-Arzt suchen müssen. Ab diesem Datum soll die KV RegionMed Praxis ganz geschlossen werden, wie die Kassenärztliche Vereinigung informiert. „Das kann doch nicht wahr sein“, sagt Ursula Woidke am RUNDSCHAU-Reporter-Telefon. Die 68-Jährige gehört zu den betroffenen Patienten. Sie ist empört, weil sie sich jetzt schon wieder einen neuen Hausarzt suchen soll. Auch der regelmäßige Hausbesuch der Agnes-II-Schwester scheint vorerst wegzufallen. „Mindestens einmal pro Monat war sie bei mir“, erzählt Woidke. Gemessen wurde beispielsweise der Blutdruck, aber auch Blutproben wurden gleich vor Ort genommen. „Wenn ich dafür in die Praxis fahren soll, muss ich mir ein Taxi nehmen“, sagt die Seniorin.

Im August 2013 wurde die Praxis im Haus des Naemi-Wilke-Stiftes in Guben mit großem Rummel eröffnet. Die Einrichtung war eine der ersten KV RegioMed Praxen im gesamten Land Brandenburg. Bei diesem Modell sind die Ärzte Angestellte der KVBB. Damit sollten neue Versorgungsstrukturen gerade für die strukturschwachen Region geschaffen werden.

Vier Jahre später folgt die Kündigung. Die Patienten sollen sich aber keine Sorgen machen, wie die KVBB betont. Versorgt werden  sie künftig auch von der Hausärztin Ines Riedel, die seit rund zwei Jahren ebenfalls im Rahmen einer KV RegioMed Praxis in der Klaus-Herrmann-Straße 20 in Guben arbeitet, oder über weitere ortsansässige Mediziner.

Zum Zeitpunkt der Praxisgründung 2013 habe es in Guben vor allem im hausärztlichen Bereich eine Lücke in der ambulanten Versorgung gegeben, erklärt Wehry. Diese wurde damals mit dem KV RegioMed-Angebot geschlossen. Mittlerweile habe sich die Situation aber stabilisiert. „Auch die ambulant tätigen Hausärzte vor Ort schätzen die Versorgungssituation als beständig ein“, betont der Pressesprecher. In der Fachrichtung HNO gebe es ebenfalls zwei Ärztinnen, die die betroffenen Patienten übernehmen können.

„Patienten, die in Guben einen Haus- oder HNO-Arzt benötigen, finden auch zukünftig einen Arzt in Wohnortnähe“, verspricht Andreas Schwark, stellvertretender Vorsitzender der KVBB. Die Zahl der Hausärzte in der Neißestadt ist laut KVBB-Angaben von 2013 bis 2017 um 1,5 Vollzeitstellen gestiegen. Gleichzeitig sei die Bevölkerungszahl um 3,9 Prozent gesunken. Finanziert werden KV RegioMed Praxen aus den Honoraren der ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Brandenburg.

(sha)